Apotheken bleiben geschlossen Protesttag am 23. März: „Apotheken retten! Jetzt!“

Rhein-Kreis Neuss · Die Apotheken im Rhein-Kreis Neuss beteiligen sich am bundesweiten Protesttag der Apothekerschaft am 23. März unter dem Motto „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag umsetzen“.

Zahlreiche Apotheken auch im Rhein-Kreis Neuss wollen am Protesttag am 23. März ihre Türen schließen.

Foto: ABDA

Hintergrund sind die aus Sicht der Apothekerschaft seit Jahren unzureichenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken sowie die anhaltende Schließungswelle in Deutschland. Der Protest soll dazu dienen, die Bundesregierung und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken darin zu bestärken, die zugesagte wirtschaftliche Stabilisierung der Vor-Ort-Apotheken zur Sicherstellung der Versorgung der Bürger vor Ort schnell umzusetzen.

„Am Protesttag bleiben viele Apotheken im Rhein-Kreis Neuss geschlossen. Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung wird über die diensthabenden Notdienst-Apotheken sichergestellt. Patientinnen und Patienten wird empfohlen, Rezepte möglichst vor dem Protesttag einzulösen“, erklärt Christoph Napp-Saarbourg, Pressesprecher der Apotheker im Rhein-Kreis Neuss. „Die Botschaft des Protesttags ist eindeutig: Wer die Vor-Ort-Apotheken weiter wirtschaftlich ausbluten lässt, gefährdet die flächendeckende, sichere und schnelle Arzneimittelversorgung für Bürgerinnen und Bürger“, so Napp-Saarbourg.

Anlass des Protesttags ist die aktuelle Beratung des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) im Deutschen Bundestag. Aus Sicht der Apothekerschaft reiche es jedoch nicht länger, die Krise nur zu beschreiben. Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), und Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK): „Nach 13 Jahren Honorarstillstand setzt sich das Apothekensterben ungebremst fort, mittlerweile schließt in Deutschland etwa alle 20 Stunden eine Apotheke dauerhaft. Die Wege für unsere Patientinnen und Patienten zur nächsten Apotheke werden damit immer weiter und komplizierter. Es ist daher nur folgerichtig, dass die Regierungsfraktionen in ihrem Koalitionsvertrag eine wirtschaftliche Stärkung der Apotheken festgelegt haben. Jetzt muss aber auch schnell ohne jede Verzögerung und ohne Wenn und Aber die Umsetzung erfolgen. Sonst wird das fatale Folgen für die Versorgung der Menschen haben.“

Viele Apotheken würden seit Jahren auf wirtschaftlich nicht mehr tragfähiger Grundlage arbeiten. Das gesetzlich festgelegte Honorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die rund 85 Prozent des Umsatzes ausmachen, wurde seit 2004 nur einmal vor 13 Jahren um rund 3 Prozent angepasst. Allein in den letzten 13 Jahren sind die Betriebskosten – vor allem für Personal, Energie, Miete, Digitalisierung und regulatorische Anforderungen – um rund 65 Prozent gestiegen. „Es geht nicht um Interessen einzelner Betriebe, sondern um die Zukunft einer sicheren, persönlichen und flächendeckenden Arzneimittelversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Region“, weiß Napp-Saarbourg.