Im Anschluss wurde das erste von rund 10.000 Rohren der Transportleitung gemeinschaftlich von den regionalen Partnern signiert – als sichtbares Zeichen für Verantwortung und Zusammenarbeit im Sinne einer nachhaltigen Wiedernutzbarmachung.
In wenigen Jahren endet die Braunkohleförderung und -nutzung im „Rheinischen Revier“. Die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau in Anspruch genommenen Flächen gehört daher zu den Hauptaufgaben von RWE in den kommenden Jahren. Mit dem Bau der Rheinwassertransportleitung setzt das Unternehmen die Vorgaben der Braunkohlenplanung des Landes Nordrhein-Westfalen um, die für eine abschließende Rekultivierung der Tagebaue Hambach und Garzweiler die Schaffung großer Seen vorsieht.
Diese sind ein wesentliches Element der künftigen Landschaftsgestaltung der Abbaugebiete und dienen einem ausgeglichenen, sich selbst tragenden Wasserhaushalt im „Rheinischen Revier“. Der Bau der Leitung und die Überleitung des Rheinwassers ist daher seit Jahrzehnten gemeinsame Planungsgrundlage der Region und wasserwirtschaftlicher Konsens.
Nach einer Bauzeit von rund fünf Jahren wird die Rheinwassertransportleitung im Jahr 2030 fertiggestellt und die Befüllung des Tagebaus Hambach beginnt, 2036 folgt Garzweiler. Der Tagebausee Inden wird ab 2030 mit Wasser aus der nahen Rur befüllt. Dadurch entsteht das „Rheinische Seenland“ mit vielfältigen Lebensräumen für Flora und Fauna sowie attraktiven Chancen für Freizeit, Tourismus und Wertschöpfung.
Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied des: „Die Rheinwassertransportleitung ist ein Projekt für unsere Region. Sie steht für Verlässlichkeit und Zukunft: Wir schaffen neue Seen, sorgen für einen ausgeglichenen, sich selbst tragenden Wasserhaushalt im ,Rheinischen Revier’ und sichern den Erhalt der Feuchtgebiete im Norden von Garzweiler. Rund um die neuen Seen entstehen Lebensräume für Natur und Artenvielfalt, sowie neue Chancen für Erholung, Tourismus und Arbeitsplätze. Auf diese Weise schließen wir die Rekultivierung unserer Tagebaue hochwertig, verantwortungsvoll und im Dialog mit unseren Partnern ab.“
Frank Rock, Landrat des Rhein-Erft-Kreises und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der „Zukunftsagentur Rheinisches Revier“: „Mit dem Bau der Rheinwassertransportleitung beginnt ein neuer Abschnitt für das ,Rheinische Revier’. Eine Rekultivierung der Tagebaue liegt auch im Interesse des Unternehmens – zugleich ist sie ein großer Gewinn für unsere Bürger. Ein Blick in die Ville-Seenlandschaft zeigt, welches Potenzial in einer gelungenen Rekultivierung steckt: Aus ehemaligen Abbauflächen entstehen wertvolle Natur- und Erholungsräume. Das macht Mut für das künftige „Rheinische Seenland“.“
Ablauf der Bauarbeiten
Das unterirdische Leitungssystem der Rheinwassertransportleitung mit einer Trassenlänge von rund 45 Kilometern besteht aus Stahlrohren mit Durchmessern von 2,20 und 1,40 Metern. Entlang der Strecke werden Bauwerke errichtet, die für den Betrieb der Leitung erforderlich sind.
Je nach örtlichen Anforderungen kommen unterschiedliche Bauweisen zum Einsatz: Offene Bauweise auf freien Flächen, geschlossene Bauweise mit unterirdischem Vortrieb bei der Querung von Deichen, Straßen, Bahnstrecken oder sensiblen Schutzgebieten.
Die Trasse der Rheinwassertransportleitung verläuft überwiegend über landwirtschaftliche Flächen sowie entlang bestehender Infrastrukturen, wie dem „Speedway“, die frühere Fernbandtrasse vom Tagebau Hambach zu den rekultivierten Tagebauen Bergheim und „Fortuna“.
Entlang der Trasse entstehen vier zentrale Bauwerke:
Bei Dormagen: Entnahmebauwerk am Rhein sowie Pumpbauwerk im Deichhinterland sorgen für die Wasseraufnahme und den Transport. Die Entnahme richtet sich nach einem abgestimmten, flexiblen Mengenkonzept, abhängig vom Rheinwasserstand.
Bei Allrath: Ein Verteilbauwerk teilt das Wasser auf die Leitungen in Richtung Hambach und Garzweiler auf.
Bei Elsdorf: Am Ende der Hambachleitung sorgen ein Auslauf- und ein Einleitbauwerk für die kontrollierte Übergabe des Wassers in den entstehenden Hambacher See.
Ein erster, rund sieben Kilometer umfassender Abschnitt im Bereich des sogenannten „Speedways“ wird von der Arbeitsgemeinschaft STREICHER / WEISS / Epping realisiert. Hier werden zwei parallele Leitungen verlegt, die auch den Fluss Erft unterqueren. Der „Speedway“ bleibt während der Bauphase bis voraussichtlich Ende 2027 gesperrt.
In Dormagen-Rheinfeld finden bereits vorbereitende Maßnahmen für den Bau des Pumpbauwerks statt und in Kürze werden die Bauarbeiten für die Herstellung eines weiteren Rohrabschnitts beginnen.
Die Planungen für den Bau der Transportleitung reichen weit zurück: In den Genehmigungen der Tagebaue aus den 1970er und 1990er Jahren war festgelegt, die Tagebauseen Hambach und Garzweiler mit Rheinwasser zu befüllen. Diese Konzepte wurden kontinuierlich fortgeschrieben und zuletzt mit dem beschlossenen Kohleausstieg im „Rheinischen Revier“ aktualisiert. Die Bezirksregierung Arnsberg hat den Bau und Betrieb der Rheinwassertransportleitung Ende Januar 2026 genehmigt.