Warnung vor dubiosen Handwerkern „Dachhaie“ täuschen Seniorin

Jüchen · Vor Haustürgeschäften mit dubiosen Handwerkern warnen die Kreishandwerkerschaft Niederrhein und die Dachdecker-Innung Rhein-Kreis Neuss. Aktueller Anlass ist ein Fall aus Jüchen.

Vor Haustürgeschäften mit dubiosen Handwerkern warnt Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein.

Foto: Kreishandwerkerschaft Niederrhein/Marsha Glauch

Eine 91-jährige Hausbesitzerin wurde kürzlich Opfer einer offenbar betrügerischen mobilen Dachdecker-Kolonne. Die Täter erklärten, sie hätten in der Nachbarschaft bereits Arbeiten durchgeführt, und boten der Frau an, kurzfristig ihr Dach ebenfalls zu prüfen. Nachdem sie zugestimmt hatte, wurden in kürzester Zeit angebliche Schäden am Dach festgestellt. Daraufhin wurde ein Auftrag an der Haustür der Eigentümerin vereinbart – zu einem überteuerten Preis von 18.000 Euro, der sich später noch deutlich erhöhte.

„Besonders schwer wiegt dabei, dass die Täter angaben, ein renommierter Innungsfachbetrieb aus Grevenbroich habe sie beauftragt, die Arbeiten zu übernehmen, weil er selbst gerade keine Zeit für den Auftrag habe“, berichtet Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Inzwischen sind die zuständigen Ermittlungsbehörden eingeschaltet, Strafanzeigen wurden gestellt und weitere Zahlungen konnten verhindert werden.

Natürlich müsse man differenzieren, erklärt Gütgens: „Haustürgeschäfte und die Ausübung des Reisegewerbes sind in Deutschland rechtlich zulässig. Auch seriöse Handwerker können ihre Leistungen mobil anbieten.“ Gleichzeitig komme es jedoch immer wieder vor, dass Betrüger gezielt diese Rahmenbedingungen ausnutzen. Oft seien ältere oder alleinstehende Menschen betroffen, die unter Druck gesetzt würden, überteuerte oder unnötige Arbeiten zu beauftragen.

Typische Warnsignale für unseriöse Angebote seien etwa, wenn mobile Kolonnen unangekündigt an der Haustür auftreten und gleichzeitig Zeitdruck erzeugen („sofortiges Handeln nötig“), wenn sie sofort schwere Mängel ohne nachvollziehbare Prüfung feststellen oder die Hausbesitzer sofort zu einer Unterschrift oder Zahlung auffordern. Die Kreishandwerkerschaft rät, keinesfalls einen Vertrag unter Zeitdruck an der Haustür abzuschließen, keine Voraus- oder Sofortzahlungen zu leisten und die Firmendaten und Ausweisdokumente (vor allem die Reisegewerbekarte) zu kontrollieren. „Wir empfehlen außerdem, ein Angebot in Ruhe zu prüfen, im Zweifel eine Zweitmeinung einzuholen und Verdachtsfälle umgehend der Polizei zu melden“, erklärt Thomas Gütgens.

Eine Liste aller Dachdecker-Innungsfachbetriebe in der Region gibt es im Internet auf www.kh-niederrhein.de/innungen.