Angst um die Kinder, Matsch allerorts, verstopfte Straßen und keine Lösungen Bürger-Frust und -Protest nehmen zu

Wevelinghoven · „,Mein Grevenbroich‘ interessiert sich nicht für uns. Vielleicht müssen wir ein ,Mein Wevelinghoven‘ gründen.“ Der Frust vieler Gartenstädter bezüglich der Verkehrssituation im Ort sitzt tief. Sie sind enttäuscht. Von der Politik. Von den Parteien. Vom Bürgermeister. Und das mit Recht. Sagen sie.

Die Verkehrssituation in ganz Wevelinghoven wird immer schlimmer.

Foto: Holl

Besonders hart getroffen sind derzeit diejenigen, die rund um die Noch-Realschule wohnen (Heyerweg, Birkenstraße, „An der Kopingstraße“, „Am Sägewerk“). Dort kommen zu den vielen Schulbussen und zu den Schlangen an Eltern-Taxis jetzt auch noch die Baufahrzeuge hinzu, die mitunter in Kolonne Bauschutt wegbringen oder Materialien heranschaffen.

Und das durch eine Art Nadelöhr, hinter dem die „Baustraße“ aus einer mehr oder weniger festgefahrenen Erdschicht besteht, die bei trockenem Wetter die Umgebung verstaubt und die bei Regen alles regelrecht zumatscht.

Die Erft-Brücken „aus den 50er Jahren“ wirken marode.

Foto: privat

Dabei geht es den Bürgern, die jetzt von Uwe Holl, Bernd Köllen und Klaus Heinrichs zu einem ersten Treffen zusammengetrommelt wurden, auch, aber nicht vor allem um Dreckschichten auf ihren Autos und in ihren Hauseingängen. Ihnen geht es um die Sicherheit der Kinder, die dort wohnen, die dort zur Schule gehen und die dort nach Fertigstellung von „An Mevissen“ durch dieses Gebiet zur örtlichen Grundschule müssen.

Ein Bürger berichtete von seiner Tochter, die dort angefahren wurde. Eine Mutter erzählte, dass sie öfter mitten auf der Straße stehe, um Rasern Einhalt zu gebieten. Und um ihre Kinder zu schützen. Andere verwiesen auf fest gefahrene Busse, angetitschte parkende Autos und immer wieder versperrte Grundstückszufahrten.

Der Bürger-Protest läuft seit Jahren. Die Antworten der Politik sind vielen Bürgern deutlich zu wenig.

Foto: Archiv

Das alles dürfte noch mehr werden, wenn die dritte Gesamtschule an den Heyerweg gezogen und wenn die beiden nächsten Bauabschnitte vom Baugebiet „An Mevissen“ realisiert sind.

Was alles noch schlimmer aus dem Blickwinkel der Bürger heraus macht, ist der Zeitfaktor: Uwe Holl berichtete, dass er sich seit 2015 für eine andere Verkehrslösung in Wevelinghoven einsetzt. Auch die vielen Lkw in der Ortsmitte sind in seinen Augen ein mehr als großes Problem. Bürgermeister Klaus Krützen habe damals einen „Masterplan“ versprochen. Geschehen sei aber realiter nichts.

Klaus Heinrichs hat sich im Detail mit den beiden vorliegenden Gutachten beschäftigt und dort vieles gefunden, was die Sorgen der Bürger stützt. Geschehen sei nichts und im Gespräch mit einem Politiker, der die entsprechenden Ratsbeschlüsse mitgefasst hat, habe er feststellen müssen, das dieser immer aus dem falschen Gutachten zitiert habe.

Schlimmer noch: Seine Recherchen hätten ergeben, dass die angebliche Ablehnung einer zusätzlichen Anbindung des Schulgeländes an die L 361 durch „Straßen NRW“ nur auf Zuruf am Rande einer anderen Sitzung (und ohne ordentliche Untersuchung) erfolgt sei.

Bürgermeister Klaus Krützen sei mehrfach eingeladen worden, um sich die Situation vor Ort anzuschauen. Zum Kaffee. Er habe aber immer nur abgelehnt. Nur einmal sei er gekommen. Vor der Umbauphase und gegen 11 Uhr. Als der Unterricht lief und natürlich keine Eltern-Taxis unterwegs waren.

Die CDU habe auf ein Anschreiben nicht reagiert, die SPD sei nicht erreichbar gewesen. Die FDP habe Verständnis signalisiert. „Der Rest war Stillschweigen“, so eine Bürgerin.

Christian Beede, selbst bei der Wevelinghovener SPD aktiv, berichtete, dass er in seiner Partei geredet und geredet hätte. „Die Durchschlagskraft war sehr gering“, seufzte er.

„Was sollen wir machen?“, war die Frage, die an diesem Abend die versammelten Bürger beschäftigte. „Sollten wir uns festkleben, oder was?“, entlud sich mitunter auch der Frust.

Eine Bürgerin forderte: „Wir müssen dahin gehen, wo es den Politikern wehtut.“ Andere forderten Protestaktionen auf dem Marktplatz, zu denen auch die örtlichen Ratsmitglieder „herbei gerufen“ werden.

Nach Karneval will man sich noch mal treffen, den Kreis der Eingeladenen erweitern und dann eventuell eine Interessengemeinschaft, eine Bürger-Initiative gründen.

Aktuell jedenfalls fühlen sich die betroffenen Bürger weder wahr- noch ernstgenommen.

Noch ein Beispiel: Irgendwann fand im Umfeld der Schule eine kurze Verkehrsuntersuchung statt.

Sie habe, so eine Bürgerin, später nachgefragt, was dabei herausgekommen sei. Alles in Ordnung, habe es geheißen.

Sie habe nachgebohrt und nach Zahlen gefragt: „Alles in Ordnung. 85 Prozent der Fahrer haben sich an die Vorschriften gehalten ...“ Ihr Kommentar: „Mich interessieren doch die 85 Prozent nicht. Was ist mit den 15 Prozent, die zu schnell gefahren sind?“

Gerhard P. Müller