1. Grevenbroich

Altes Pastorat Wevelinghoven

Jetzt rückt die Außengestaltung in den Fokus: : Terrasse mit Erft-Blick

Die letzten Innenarbeiten (Innentüren, Elektrik und mobile Trennwände) laufen derzeit; danach soll die Außengestaltung begonnen werden: Der Umbau des alten Pastorats und des alten Pfarrhauses zu einem modernen Gemeindezentrum für die Katholiken der Gartenstadt steuert nach rund zehn Jahren seiner Fertigstellung zu.

Der 30-jährige Krieg war gerade vorbei, der westfälische Frieden frisch geschlossen, als sich die Wevelinghovener 1650 entschlossen, Pastor Jakob Kleyfisch wieder ein Pfarrhaus zu bauen. Mehr ein Häuschen, dass er sich zeitweise dann auch noch mit seinem evangelischen Amtsbruder teilen musste.

Heute gilt das „Alte Pastorat“ als das älteste Wohnhaus der gesamten Region, als besonderer kulturhistorischer Edelstein, der durch den Umbau auch wieder repräsentativ daherkommt (wir berichteten). Dort sollen – nach Corona – kleine Veranstaltungen angeboten werden. Und es wird auch eine gemütliche Leseecke geben, in der man Publikationen in Wort und Bild zum historischen Geschehen in der Region finden soll.

  • Helmut Coenen erklärt Bürgermeister Klaus Krützen die Besonderheiten des Stuck-Kamines.Übergabe der Bewilligungsbescheide von Stadt und Land: Pfarrer Meik Peter Schirpenbach, Helmut Coenen, Kerstin Buchholz (Pfarrverein), Bürgermeister Klaus Krützen und Landtags-Abgeordnete Heike Troles. Im Hintergrund die Rückwand der historischen Esse. Mit dem Zuschuss soll die Inneneinrichtung des alten Pastorats finanziert werden. <![CDATA[]]>
    : Pastorat: „Für uns hat eine Gemeinde keine Grenzen“
  • : Freigabe „im Geheimen“
  • Wort gehalten: : Das „Familienbüro“ kommt mitten in die Breite Straße

Abgeschlossen ist zudem der Umbau des Pfarrhauses, in dem sich das Büro der Gemeinde befindet und in dem Kaplan Nicolo Galetti wohnt. Beide werden durch einen Neubau so verbunden, dass die Küche als „Gelenk“, als verbindendes Element funktioniert – als „Scharnier der drei Bauteile“, so Architekt Frank Röttgen. Steht man in der imposanten Küche (die Einrichtung wurde von der Frauengemeinschaft der „St. Martinus“-Gemeinde gestiftet), schaut man auf die ursprüngliche Außenwand des „Alten Pastorats“. „Schon im 19. Jahrhundert hat es einen Anbau gegeben“, weiß Helmut Coenen von der Pfarrgemeinde zu berichten. Unter dem kleinen Dach waren Wohnräume untergebracht.

 Auch vor dem Jugendraum befindet sich eine zum Teil überdachte Terrasse, von der man direkt in den ehemaligen Pfarrgarten und zum „Martinus-Stift“ gelangt.
Auch vor dem Jugendraum befindet sich eine zum Teil überdachte Terrasse, von der man direkt in den ehemaligen Pfarrgarten und zum „Martinus-Stift“ gelangt. Foto: Gerhard Müller

Wie sich recht bald herausstellte, waren die Außenwände in einer außergewöhnlichen Fugentechnik bearbeitet, die das Pastorat auch unter diesem Gesichtspunkt einzigartig macht: „Pietra Rasa“ ist eine historische Technik, die das Verfugen mit dem Verputzen auf Feld- und Bruchsteinmauern kombiniert. Dabei wird der überschüssige Setzmörtel glatt auf die Steinoberflächen verstrichen, die Steinköpfe bleiben aber unbedeckt und sichtbar. Im Anschluss daran kann ein Fugenstrich mit Kelle oder Pinsel gezogen werden.

 Die Küche ist nicht nur das „Gelenk“ der drei Bauteile, sondern eigentlich der besondere „Prunkraum“, wird hier doch die historische Bausubstanz des „Alten Pastorats“ auch für nachfolgende Generationen sichtbar gemacht. Dies gilt nicht nur für die Wand, die in klassischer „Pietra Rasa“-Technik gestaltet wurde, und für die Fenster, die an original Stellen wieder eingefügt wurden, sondern auch für die Deckenbalken, die einen Blick in das Obergeschoss des „Alten Pastorats“ (und in die alte Dämmtechnik) freigeben. Dieses Obergeschoss ist nämlich nicht wirklich zugänglich.
Die Küche ist nicht nur das „Gelenk“ der drei Bauteile, sondern eigentlich der besondere „Prunkraum“, wird hier doch die historische Bausubstanz des „Alten Pastorats“ auch für nachfolgende Generationen sichtbar gemacht. Dies gilt nicht nur für die Wand, die in klassischer „Pietra Rasa“-Technik gestaltet wurde, und für die Fenster, die an original Stellen wieder eingefügt wurden, sondern auch für die Deckenbalken, die einen Blick in das Obergeschoss des „Alten Pastorats“ (und in die alte Dämmtechnik) freigeben. Dieses Obergeschoss ist nämlich nicht wirklich zugänglich. Foto: Gerhard Müller

Mit Hilfe von Gabi Keller, eine angesehene Restaurateurin, wurde dieser Stil natürlich nachgearbeitet. Zudem gab es umfassende Recherchen, wo im Originalbau die Fenster gesessen haben. Dort wurden sie im alten Stil wieder eingebaut.

Von der Küche geht es im Neubau direkt in den Pfarrsaal, der sich räumlich aufteilen lässt. Auf der einen, dem „Martinus-Stift“ zugewandten Seite, soll im Rahmen der Außengestaltung noch eine große Terrasse angebaut werden, die einen schönen Blick in den ehemaligen Pfarrgarten und auf die Erft zulässt.

 Das „Alte Pastorat“ Wevelinghoven: Das Verputzen erfolgte in der „Pietra Rasa“-Technik.
Das „Alte Pastorat“ Wevelinghoven: Das Verputzen erfolgte in der „Pietra Rasa“-Technik. Foto: Gerhard Müller

Rund 300 Kubikmeter Erde müssen aufgrund des leicht abschüssigen Geländes hier noch angeschüttet werden. Helmut Coenen freut sich auf die Zeit nach der Fertigstellung, denn dann kann er sich vorstellen, dass auf dieser Terrasse viele schöne Veranstaltungen möglich sind.

Im Keller befinden sich ein Jugendraum und die Kinderbücherei. Aufgrund des abschüssigen Geländes komme hier aber gar kein „Kellergefühl“ auf. Vielmehr wird der Blick auf eine prachtvolle Akazie gelenkt: „Sie machen die Tür auf und sind im Grünen“, freut sich Coenen. Auch hier gibt es eine (überdachte) Terrasse, so dass sich eine vielfältige Nutzung vorstellen lässt.

Im August soll, so Bauleiter Bernd Blatt, alles fertig sein, vielleicht gerade rechtzeitig, um „nach Corona“ in den neuen Betrieb zu starten..!

(Gerhard Müller)