Seit dem vergangenen Sommer tritt er mit einer eigenen Comedy-Show auf, war auch schon Gast im „Café Kultus“. „Auf der Bühne bin ich sehr laut. Und ich habe Freischnauze-Figuren in meinem Programm“, fasst er zusammen. Natürlich bringe er nichts Verbotenes, arbeite sich auch nicht an Randgruppen ab, aber wolle „das aussprechen, was die meisten denken“. Siebenmal hat Tinus Brodzina seine Comedy-Show „mit Singen, Tanzen und Choreografie“ schon präsentiert. Und nur das erste Mal habe er auf der Bühne echte Probleme gehabt. „Ich war einfach schlecht vorbereitet“, gesteht er rückblickend ein. Inzwischen klappt es sehr gut, wie er nicht zuletzt im „Café Kultus“ beweisen konnte.
Da saßen auch Mitschüler im Publikum. Auch solche, die ihn scheitern sehen wollten. Denn bis vor ein, zwei Jahren sei er in der Schule heftig gemobbt worden, berichtet er. Das hat sich inzwischen geändert. Und auch die, die es ihm nicht zutrauen wollten, zollten am Ende ehrlichen Applaus.
Die Bühne als solches ist dem 15-Jährigen nicht fremd. Denn er ist über das Theater dorthin gekommen. Er wirkte bei Inszenierungen des Rheinischen-Landes-Theaters in Neuss mit (wo er noch heute so gut wie alle Inszenierungen im Zuschauerraum verfolgt). Und Theater-Spielen tut er noch, so zum Beispiel am 22. Mai im „Café Kultus“, wenn er das Programm „Kafka Inside“ mit Singen, Tanzen und Choreographie präsentiert.
Vielleicht öffnet sich Tinus Brodzina bald auch die Tür zum Film. Immerhin hat er es in die Casting-Endrunde für die Verfilmung des Jugendbuches „Die unschlagbaren Drei“ geschafft (zwei der Vorrunden durfte er dabei überspringen!). Gedreht wird übrigens in Paris, strahlt er. Und dann dürfte ihn seine Familie zum Dreh begleiten.
Aktuell im Vordergrund seiner Pläne stehen aber Comedy und Kabarett. „Ich möchte so früh wie möglich Fuß fassen, wie es geht. Da gibt es kein zu früh“, postuliert er selbstbewusst. Und das ist er auch beim Schreiben seines Programmes: „Ich bin ein bisschen arrogant, lass mir nicht drein reden“, gesteht er. Folge ist, dass er nur Textauszüge von Freunden im Vorfeld bewerten lässt. „Und die Gags muss ich vorher halt ausprobieren. Im Café oder so.“
Inhaltlich spricht er übers Erwachsenwerden, über Zukunftsplanung, übers Kinderkriegen, übers Rebellieren … „Man verplant sein ganzes Leben, bis man 24 ist. Und dann ist das Leben eh vorbei“, ereifert sich Tinus Brodzina fröhlich. Und genauso vielschichtig ist sein Spotlight auf die „erste Liebe“: „Wir sind so jung. Da sollte man sein ganzes Leben nicht mit einer Person verplanen.“
Seine Einsichten, die er in seinem Comedy-Programm vertritt, basieren nicht zwingend auf Erlebtem. Das wäre bei einem 15-Jährigen auch schwierig. Neben den vielen Abenden im Theater hat der junge Mann noch mehr gelesen. Seine „Book-List“ aus 2025 weist 183 Bücher aus, die er auf seinem Handy gelesen hat. Als die beeindruckendsten Bücher nennt er dabei „Die Verwandlung“ von Franz Kafka („Danach habe ich erstmal die Wand angestarrt.“), „Weiße Nächte“ von Fjodor Dostojewski („Die Wendung am Ende hat mich überrascht.“) und „Lessons in Faking“ („… so ein Highschool-Liebes-Roman halt.“).
Tinus Brodzina ist aber nicht nur schöngeistig unterwegs. Er macht Parkour im TK Grevenbroich, tanzt HipHop in der „Alten Feuerwache“, arbeitet nebenbei in einem Blumenladen – und trägt seit einiger Zeit in Laach den Erft-Kurier aus. Das immer ganz früh am Samstag Morgen, „weil die Leute ein Recht haben, Ihre Zeitung schon früh am Tag zu lesen“. Er lächelt und erzählt: „Einmal ist eine Frau extra früh aufgestanden, hat am Fenster auf mich gewartet und dann zum Dank mir eine Packung ,Merci‘ zugeworfen. Die ist dann mitten in meinem Gesicht gelandet. Aber es ist nichts passiert.“
Da bleibt eigentlich nur eine Frage: Hat der junge Comedian überhaupt noch Zeit zum Schlafen? „Ich schaffe es, viel zu schlafen. Habe alles aber schon eng getaktet. Zum Beispiel stehe ich genau zehn Minuten, bevor der Schulbus kommt, auf …“.