Kühlturm „niedergelegt“ – Der Rumms war fast in der ganzen Stadt zu hören! „Die Sprengung ist ein lautstarkes Zeichen für den Aufbruch.“

Frimmersdorf · Wehmut. Aufbruch. Platz für Zukunft schaffen. Das waren die wichtigsten Stichworte, die im Vorfeld der „kontrollierten Niederlegung des Kühlturms Q“ fielen. Der Moment der Sprengung war dann letztendlich unspektakulär:

Betonstaub erreichte auch den Acker, von dem aus die Ehrengäste und die Presse das Spektakel verfolgten.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Der Turm, der viele Jahre lang Frimmersdorfer Wahrzeichen war, neigte sich leicht nach rechts und sackte dann in Sekundenschnelle in sich zusammen. Was blieb, war eine große Staubwolke, die über die Ehrengäste hinwegzog. Und die denjenigen noch ein Tränchen in die Augen drückte, die bis dahin tapfer geblieben waren ...

Lars Kulik (RWE) begrüßte die zahlreichen Gäste aus Politik und Verwaltung. Er betonte, dass das Unternehmen deutliche Fortschritte im Rückbau der Frimmersdorfer Anlagen mache. Man sei planmäßig unterwegs; Mitte 2028 soll das gesamte Gelände freigeräumt sein.

Der Sprengmeister leistete gute Arbeit.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Mit der Sprengung des Kühlturms wolle man „Platz für die Zukunft schaffen“. Und er fügte an: „Das ist schon etwas Besonderes für uns. Und das zeigt, dass der Braunkohleausstieg näher rückt. Wir halten also Wort. Wir wollen den Strukturwandel weiter voranbringen.“

Im Mittelpunkt aller Zukunftsüberlegungen stehe die Energiesicherheit. „Und dafür stand viele Jahre auch das Kraftwerk Frimmersdorf“, so Kulik weiter. Er erinnerte an die zeitweise 2.000 Mitarbeiter dort, die stolz auf ihr Kraftwerk gewesen seien.

Es sei aber „ein guter Tag, der Platz für was Neues macht, mit Respekt vor dem Alten, das geht“, schloss Kulik.

Lars Kulik, Ina Scharrenbach und Katharina Reinhold auf dem Podium.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Heimatministerin Ina Scharrenbach hatte es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Ereignis an die Erft zu kommen. „Mit Knall und Fall“ werde ein „Stück Geschichte beendet“. Und die Politikerin fügte an: „Die Sprengung ist kein Ende, sondern ein lautstarkes Zeichen für den Aufbruch.“ Aus der Maschinenhalle werde eine Denkfabrik. Und bliebe damit „ein Standort mit Charakter“, an dem hoffentlich noch lange der Duft der Kohleverstromung zu riechen sei.

Landrätin Katharina Reinhold sagte, dass es schon wehmütig mache, „wenn man das optische Signal, in der Heimat zu sein, verliert“. Angesichts des Neuen, das nun aber kommen werde, „kann man aber auch ein Stück weit stolz sein“.

Um 13.58 Uhr ertönte dann die Fanfare des Sprengmeisters. Um 14 Uhr folgte die „Vergrämungssprengung“, die zum Schutz der Tiere gedacht ist und diese vertreiben sollte. Um 14.01 Uhr zählte dann der Sprengmeister „3 ... 2 ... 1 ... Zündung“ und es rummste. Einen Knall, den man quer durch die Stadt hören konnte.

Der Kühlturm neigte sich und sackte in sich zusammen. Zurück blieb reichlich Betonstaub, von dem ein nicht unerheblicher Teil über die Zuschauer und Felder zog.

Die recht dünne Wand des Kühlturms machte die Sprengung einfach. Zu fast 100 Prozent sollen die Trümmer, die blieben, recycelt werden.

„mini-Meisterschaften“
Neukirchener und Neusser Kinder entdecken denn schnellen Sport an den Tischtennisplatten „mini-Meisterschaften“