Franken sauer auf Draghi: „Das ist unverantwortlich“

Grevenbroich · „Ich habe so eine Geldpolitik niemals für möglich gehalten.“ Friedhelm Franken, Vorstandssprecher der Grevenbroicher Raiffeisenbank, ist nicht gut zu sprechen auf Mario Draghi, den Präsidenten der „Europäischen Zentralbank“.

 Friedhelm Franken, Vorstandssprecher der Grevenbroicher Raiffeisenbank, geht Ende des Jahres in den Ruhestand. In unruhigen Zeiten. Aber er hat einen soliden „Speckmantel“ angelegt.

Friedhelm Franken, Vorstandssprecher der Grevenbroicher Raiffeisenbank, geht Ende des Jahres in den Ruhestand. In unruhigen Zeiten. Aber er hat einen soliden „Speckmantel“ angelegt.

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Dessen Aussage „Banken und Sparer haben kein Anrecht auf Zinsen“ gibt er mit ratlosem Kopfschütteln weiter. Und er nennt die Niedrig- bis Negativ-Zinspolitik „unverantwortlich“.

Im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz (auch in diesem Jahr werden wieder fünf Prozent Dividende an die Genossenschaftler ausgezahlt) machte er klar, dass auch seine Bank Einlage-Überschüsse habe, „die wir anlegen müssen. Bei sicheren Anlagen gibt es keine Zinsen. Beim Bund müssen wir noch Geld dafür zahlen.“ Und er und seine Bank seien nicht bereit in (risikoreiche) südeuropäische Anleihen zu investieren, setzte er nach. Stattdessen versuche man, das Geld als (lokale) Kredite auszuleihen. Natürlich könne man auch dabei nicht wahllos vorgehen. „Wir wollen das Geld ja irgendwann auch wieder zurück haben“, so Franken. Den Anlagekunden könne man – je nach Risikobereitschaft – nur zu Immobilien- oder Geldmarkt-Fonds raten. „Alles andere grast der Draghi ja schon ab“, seufzte Franken, „da ist kaum noch was auf dem Markt.“ Dies alles bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf Geldhäuser wie die Raiffeisenbank: „Leider kommen jetzt etwas magerere Jahre“, machte Franken deutlich. Aber man habe die guten Jahren genutzt, „um uns Speck an die Rippen zu setzen.“ Wenn in den kommenden Jahren das Geld nicht „mit vollen Händen ausgegeben“ würde, könnte man von diesem „Speck“ noch gut und gerne zehn Jahre profitieren.

Allerdings hat die Bank nicht viele Stellschrauben, die sie drehen kann: Filialen und Öffnungszeiten dort müssten stets dem Bedarf angepasst werden (meistens sind sie es die Senioren, die wirklich noch zur Bank kommen und nicht alles per Internet erledigen). Beim Personal geht nicht nur Friedhelm Franken demnächst in den Ruhestand („Wie viel Stellen dann wieder besetzt werden, wird man sehen.“). Nur bei Gebühren sieht er einen Schlusspunkt erreicht („Da wird sich nicht viel daran ändern.“).

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)