Neue Interessengemeinschaft der Erft-Anrainer gegründet Lebensqualität und Traditionen

Wevelinghoven · In Wevelinghoven hat sich eine Interessengemeinschaft direkter Anrainer und betroffener Bürger gegründet, die sich mit den geplanten Veränderungen an der Erft im Ortsbereich auseinandersetzen möchte. Auslöser ist die Sorge vieler direkt betroffener Grundstückseigentümer, dass bei den bisherigen Überlegungen wichtige örtliche, historische und persönliche Belange nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Oliver Benke ist einer der Gründer der neuen Erft-Interessengemeinschaft.

Foto: Benke

Sie kommen damit einem Wunsch des Erft-Verbandes nach, der sich – wie berichtet – einen konkreten Ansprechpartner und eine einheitliche „Marschrichtung“ bei den Anrainern wünscht. Nur dann könne verhandelt werden ...

Die „IG Erft-Wevelinghoven“ ist kein Verein, sondern ein loser Zusammenschluss von direkten Anrainern und betroffenen Bürgern. Sie versteht sich als offene Gruppe, die Informationen sammeln, Fragen stellen, Alternativen prüfen und den Dialog suchen möchte, ausdrücklich aber nicht als reine Protestgruppe.

Oliver Benke: „Ziel ist es nicht, notwendige ökologische Entwick-lungen pauschal abzulehnen. Vielmehr geht es darum, die geplanten Maßnahmen kritisch, sachlich und fundiert zu begleiten.“

Und: „Wir möchten nicht einfach nur Nein sagen. Wir möchten verstehen, prüfen, mitreden und wenn möglich bessere oder verträglichere Lösungen mitentwickeln“, heißt es aus dem Kreis der Beteiligten.

Gerade die direkten Anrainer erleben die Erft nicht als abstrakte Gewässertrasse auf einem Plan, sondern als gewachsenen Bestandteil ihres Lebensumfeldes. Gärten, Terrassen, Mühlen, Wasserläufe und historische Strukturen würden in diesem Bereich seit vielen Jahrzehnten, teilweise seit Jahrhunderten, das Bild der Gartenstadt Wevelinghoven prägen.

Deshalb soll bei allen weiteren Planungen aus Sicht der Interessengemeinschaft nicht nur auf technische und ökologische Ziele geschaut werden. Auch das gewachsene Ortsbild, bestehende Rechte, Eigentumsfragen, die Situation der Mühlen sowie die Lebensqualität der betroffenen Bürger müssten ernsthaft berücksichtigt werden.

Noch einmal Oliver Benke: „Die Gruppe setzt dabei ausdrücklich auf Dialog. Gespräche mit dem Erftverband, der Stadt Grevenbroich, der Politik sowie interessierten Bürgern sollen gesucht werden. Auch Vertreter der Politik sollen eingeladen werden, sich die Situation direkt vor Ort anzusehen.

Gerade das im Erft-Kurier veröffentlichte Interview mit CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser nach dessen Gespräch mit Dietmar Jansen vom Erft-Verband habe bei vielen direkten Anrainern noch einmal für besondere Aufmerksamkeit gesorgt.

Aus Sicht der Interessengemeinschaft entstand dabei der Eindruck, dass bisher vor allem über wasserbauliche und ökologische Ziele gesprochen wird, während die konkrete Lebenssituation der unmittelbar betroffenen Menschen an der Erft noch stärker berücksichtigt werden sollte.

Deshalb hält es die Gruppe für wichtig, dass sich politische Entscheidungsträger nicht nur anhand von Plänen, Karten und fachlichen Stellungnahmen ein Bild machen, sondern die Situation auch direkt vor Ort erleben.

„Wer hier unten an der Erft steht, versteht besser, warum dieses Thema für viele Menschen mehr ist als eine wasserbauliche Maßnahme. Es geht um Heimat, Geschichte, Lebensqualität und um die Frage, wie Veränderung gemeinsam gestaltet werden kann.“

Niemand aus der Interessengemeinschaft habe ein Interesse daran, notwendige Entwicklungen künstlich zu verzögern. Gleichzeitig dürfe der Hinweis auf knappe Zeitpläne aber nicht dazu führen, dass berechtigte Einwände, Erfahrungen und Alternativvorschläge der unmittelbar betroffenen Menschen als störend empfunden oder an den Rand gedrängt werden.

Die „IG Erft-Wevelinghoven“ hat bereits eine eigene Internetseite erstellt. Erste Visualisierungen, auch mit Hilfe von KI erstellt, machen anschaulich, wie eine naturnahe Entwicklung der Erft innerhalb ihres heutigen Flussbettes aussehen könnte.

(-gpm.)