Raser an der Tagesordnung Ärger bei Anwohnern wird immer größer

Hochneukirch · Dröhnende Motoren, Fehlzündungen und quietschende Reifen – schon lange ärgern sich die Anwohner der Holzer Straße über Auto- und Motorradfahrer, die die Straße als eine Art Rennstrecke benutzen. Die dort geltende Geschwindigkeitsbegrenzung und vor allem, dass die Durchfahrt der Autobahnunterführung für alle – außer Linienbusse – untersagt ist, scheint nicht zu interessieren. Seit sich der Sommer hierzulande richtig zeigt, häufen sich auch die Ausflüge der Auto- und Motorradposer wieder. Das brachte vor Kurzem bei einer Anwohnerin den Kragen zum Platzen.

Anwohner der Holzer Straße und Umgebung leiden seit Jahren unter der Raserei und den Auto- und Motorradposern vor ihrer Haustür.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Sie machte sich in einer Hochneukircher Facebook-Gruppe Luft: „Ich war auch mal jung, und das habe ich nicht vergessen! Wir haben auch viele Sachen gemacht, die andere wahrscheinlich nicht so toll fanden, aber mit einem Unterschied: Wir hatten Respekt. Respekt, Dinge nicht zu tun, bei denen andere auf der Strecke bleiben! Ich gönne euch eure Unbeschwertheit, seid verrückt, lebt eure Jugend aus. Aber nehmt auch Rücksicht, das haben wir in den 80ern und 90ern auch gemacht!“

Schnell stimmten weitere Anwohner der Holzer Straße, aber auch der weiteren Umgebung, in den Ärger ein, berichteten von ihren Erfahrungen mit Rasern auf zwei und vier Rädern. In einem Termin vor Ort mit dem Top-Kurier machten die Anwohner deutlich: Sie haben genug und fordern Lösungen! Denn: „Wo deren Freiheit anfängt, hört unsere auf.“

Jetzt im Sommer könne man in den Abendstunden nicht das Fenster auflassen, da zum Beispiel Fehlzündungen in der Unterführung provoziert würden oder mit quietschenden Reifen am RWE-Gelände gedriftet werde. Dadurch würden Mensch und Tier aufgeschreckt. Erholsamer Schlaf? Fehlanzeige. „Ich lebe jetzt 28 Jahren hier, das ist sukzessive immer lauter geworden. Alleine durch die Autobahn und dann noch die Raser on top“, so ein Anwohner. Viele der Anwesenden haben die Lärmbelästigung schon der Polizei gemeldet. Doch eine Anzeige ist nur mit dem Nummernschild des Fahrers möglich: „Wenn ich von einer Fehlzündung oder quietschenden Reifen wach werde, bis ich draußen bin, sind die schon wieder weg.“

Neben dem Lärm sehen sich die Anwohner aber auch immer wieder mit brenzligen Situationen konfrontiert. Eine Anwohnerin berichtet beispielsweise, wie eine Autofahrerin angerast kam, als sie mit ihrem Mann und den Hunden an der Straße Am Tagebau unterwegs war. „Statt langsam zu machen, hat sie Gas gegeben und ist übers Grün an uns vorbei. Ich dachte, die erwischt einen der Hunde.“ Als sich die Möglichkeit ergab, das Nummernschild zu fotografieren, zögerte sie nicht lange und stellte eine Anzeige. „Ich mache das nicht schnell. Wir fahren alle mal schneller als 30 km/h, parken vielleicht auch mal, wo es doof ist. Aber statt mit 30 km/h mit 80 unterwegs zu sein, jemanden rücksichtslos fast über den Haufen zu fahren ... da wird es gefährlich“, betont sie.

Was auffällig sei: Laut den Nummernschildern kämen die Poser oft von weiter her, unter anderem aus Aachen, Krefeld, Heinsberg, Gelsenkirchen, Wuppertal ... Da fragen sich die Anwohner, ob gezielt zu Treffen in ihrer Heimat aufgerufen werde. Wundern würde es nicht, erzählt einer der Anwohner doch, wie er eine Gruppe junger Leute dabei beobachtet habe, wie sie ein Sofa in einen Wagen – wohlgemerkt ohne Nummernschild – luden, das kurz danach am Aussichtspunkt auftauchte und vollgeladen mit Pizzakartons war.

Der Ärger der Anwohner, der via Facebook die Runde machte, erreichte auch die CDU Jüchen. Diese brachte daher eine entsprechende Anfrage in die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause ein, wollte unter anderem wissen, ob die Situation bekannt sei, welche Maßnahmen vielleicht schon ergriffen wurden oder welche geplant seien. Wie Bürgermeister Philipp Sieben sagte, würden der Verwaltung aktuell keine Beschwerden zu Geschwindigkeitsverstößen vorliegen. Die letzten Verstöße im Bereich von Gartenstraße und Holzer Straße seien etwa ein halbes Jahr alt. Mittels Dialogdisplays würde die Stadt selbst Messungen durchführen. Bei Auffälligkeiten würde dies der Kreispolizeibehörde mit der Bitte um Kontrolle mitgeteilt werden.

Auf Ratsmitglied Anna Lüpges’ Hinweis, dass Bürger Vorfälle bei der Polizei zur Anzeige gebracht hätten (zum Beispiel über Rennen auf der Holzer Straße) und auch die Verwaltung informiert worden sei, jedoch ohne Rückmeldung, bat der Bürgermeister darum, der Verwaltung möglichst präzise Angaben zu Vorkommnissen zukommen zu lassen. Nur dann könne die Polizei auch gezielt kontrollieren.

Auf Nachfrage des Top-Kuriers bei der Kreispolizeibehörde bezüglich gemeldeter Vorfälle erklärt ein Sprecher, dass in den vergangenen anderthalb Jahren vereinzelt Beschwerden eingegangen seien. „Entsprechende regelmäßige Bestreifungen und Kontrollen wurden und werden durchgeführt. Festgestellte Verkehrsverstöße sind mit entsprechenden Strafverfahren und Ordnungswidrigkeitenverfahren geahndet worden“, so der Sprecher. Die Polizeibeamten werden den Bereich auch weiterhin im Auge behalten und Verstöße ahnden.

Mit den Antworten werden sich die Anwohner wohl nicht zufriedengeben, denn die hören sie schon länger. Und an der Situation geändert habe sich nichts. Deswegen wurde beim Treffen an der Holzer Straße die Idee einer Sammelklage in den Raum geworfen. „Damit endlich etwas unternommen wird!“ Alle sind sich einig: „Es muss Maßnahmen geben, die wehtun, damit hier nicht mehr gerast wird.“