Erft-Verband-Sprecherin Petra von Zehmen erläuterte dem Erft-Kurier jetzt das Konzept, das im Oktober direkt vor Ort die Frage beantworten soll, wo die renaturierte Erft dereinst fließen soll.
Die Idee: Blauer Mesh-Stoff soll in bis zu drei Meter Höhe auf Pfählen befestigt werden und die neue Gewässertrasse sichtbar machen. „Über dem Mesh wird ein Lichternetz installiert, das in Reihe geschaltet ist und ab Dämmerung eine Art Wellenbewegung imitiert“, so von Zehmen weiter. Aktuell werden die konkreten Details diskutiert und geplant.
Noch kurzfristiger sollen die Anrainer der im Bereich Wevelinghoven „hoch gebauten“ Erft (wir berichteten) zu einem Termin eingeladen werden, so Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erft-Verbandes, der sich in dieser Woche mit CDU-Fraktions-Chef Wolfgang Kaiser vor Ort traf, um der Bedeutung dieser Thematik Nachdruck zu verleihen.
Jansen machte noch einmal deutlich, dass der Erft-Verband mit vielen Möglichkeiten leben könne: Ausbau der Trasse zu einem Radweg. Anlegen von Teichen. Oder auch die „Verwallung“, also das Aufschütten von Erde, um die Grundstücke in Richtung Fluss zu verlängern. Wichtig sei nur – und das hatte Jansen schon an anderer Stelle deutlich gemacht – eine Einigung der Anrainer untereinander.
Wenn dies gelungen ist, „dann werden die Antragsunterlagen bei der Bezirks-Regierung eingereicht“, versprach Jansen. Denn von den anderen beiden „Baustellen“ gilt die eine als gelöst: „Wir werden den Grundwasserspiegel an der Gilverather Insel stabilisieren, sodass sich dort kein schlechterer Zustand als heute ergibt“, betonte er. Mit anderen Worten: Die dortige „Mühlenerft“ bleibt auch in Zukunft „wasserbespielt“.
Die andere „Baustelle“ sind die vier Mühlenbesitzer mit den ihnen verbrieften Staurechten. Hier ist allerdings Oliver Krischers Landes-Umweltministerium gefragt.
Da solle unter anderem ein Verkehrswert-Gutachten erstellt werden („Die Wehre und Mühlen entsprechen nicht dem Stand der Technik. Die bauliche Substanz bietet keine Standsicherheit. Da ist einiges zu tun.“), aber „die Eigentümer verweigern den Gutachtern den Zutritt zu ihren Grundstücken“.
In Jansens Augen läuft es damit auf eine gerichtliche Klärung hinaus, wenn der Planfeststellungsbeschluss gefasst worden ist. „Der wird beklagt. Und dann entscheiden die Gerichte.“
„Die Erft wird sich verändern – unabhängig davon, ob wir handeln oder nicht. Entscheidend ist, ob wir diesen Wandel aktiv gestalten“, resümiert CDU-Fraktions-Chef Wolfgang Kaiser.
Nach seiner Einschätzung drohen ohne eine Anpassung der Flussstruktur ökologische Probleme, da deutlich geringere Wassermengen in den heutigen, stark kanalisierten Abschnitten zu langsam fließenden oder nahezu stehenden Gewässern führen könnten. Der dann nicht mehr fließende Fluss könnte dann in der Tat „umkippen“.
Ziel der Renaturierung ist es daher, „der Erft wieder mehr Raum zu geben und neue Auenlandschaften zu schaffen. Durch wertvolle Biotope entsteht ein spannendes Naherholungsgebiet mit hohem Freizeitwert. Es wäre identitätsstiftend für die Ortsteile und attraktivitätssteigernd für ganz Grevenbroich im Vergleich zum Status Quo“, so Kaiser weiter.
Gleichzeitig warnt die CDU davor, den Prozess durch langwierige Diskussionen oder Einzelinteressen auszubremsen. Die Zukunft eines gesamten Flusssystems dürfe nicht an Partikularinteressen scheitern. „Bei allem Respekt vor individuellen Rechten müssen wir die Interessen der Allgemeinheit im Blick behalten. Die Erft gehört nicht einzelnen Gruppen, sondern ist Teil unserer gemeinsamen Heimat. Wenn wir heute die Chance auf eine nachhaltige Entwicklung verstreichen lassen, werden spätere Generationen zu Recht fragen, warum wir nicht gehandelt haben“, erklärt Kaiser.