Die aktuelle Woche könnte man aus Sicht der Rommerskirchener SPD so zusammenfassen:
Am Montag kracht es zwischen der Fraktions-Vorsitzenden und dem Bürgermeister. Grund ist eigentlich „nur“ eine Terminüberschneidung rund um den „Runden Tisch für Demokratie und Toleranz“.
Am Dienstag folgt die Fraktionssitzung der SPD, bei der es laut und wüst geworden sein soll. Man verweigerte Greiner die Gefolgschaft bei dem Versuch, Harry Marquardt als Vize-Bürgermeister abzusägen.
Am Mittwoch gibt sich Greiner gegenüber dem Erft-Kurier noch kampfeslustig, droht Marquardt unter anderem mit der „Moralkeule“.
Am Donnerstag kommt dann Greiners Rücktrittsankündigung: „Mir selbst zuliebe, meiner Familie zuliebe, aber auch der Fraktion und der SPD zuliebe werde ich zum 1. Juni meine Funktion als Fraktionsvorsitzende der SPD Rommerskirchen aufgeben und den Wählerauftrag fortan als Mitglied in der Fraktion erfüllen.“
Am Freitag melden sich dann noch Udo Flegel, Christina Böhm und SIbille Bender zu Wort.
In ihrer Rücktrittsankündigung beschreibt Annette Greiner sich als Opfer: „Ich habe mich über Gebühr eingesetzt und angestrengt, dabei auch eigene Überzeugungen zeitweise hintenan gestellt, um tiefe Gräben und Hürden zu überwinden. Letztendlich habe ich mir die Frage gestellt: Wozu eigentlich? Darauf habe ich keine Antwort mehr gefunden. In dem oftmals aggressiv und persönlich gegen mich gerichteten Widerstand habe ich meine positive Energie verloren. Dann ist es einfach Zeit, loszulassen.“
„Das, was ich in dieser Zeit an Respektlosigkeit und Feindseligkeit erfahren habe, die Entwicklung der vergangenen Wochen und eine Eskalation am Montag im Zusammenhang mit dem ,Runden Tisch für Demokratie und Toleranz‘ haben mir gezeigt“, dass Zeit zum Handeln gewesen sei. Auch die von ihr zu erwartende Kompromissbereitschaft und Loyalität – ebenfalls dem Bürgermeister Dr. Martin Mertens gegenüber – sei nicht mehr leistbar gewesen.
Sie schiebt nach: „Ich sehe die Bilanz meines Engagements trotzdem positiv.“
Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Christina Böhm und Udo Flegel betonen: „Wir bedauern die Entscheidung von Annette Greiner, respektieren diesen Schritt aber selbstverständlich.“ Immerhin wären „die vergangenen Monate von zunehmenden Belastungen und Konflikten geprägt“ gewesen.
Greiner habe sich mit großem persönlichem Einsatz und hoher Verantwortung für die SPD-Fraktion und die Gemeinde Rommerskirchen engagiert. „Dafür gebührt ihr unser ausdrücklicher Dank und unsere Anerkennung.“ Zugleich betont die Fraktion, dass die gemeinsame politische Arbeit nun geschlossen und konstruktiv fortgesetzt werde.
Die SPD-Fraktion sehe den bevorstehenden Wechsel auch als Chance, neue Impulse für die zukünftige Zusammenarbeit innerhalb der Fraktion sowie mit anderen demokratischen Kräften im Gemeinderat zu setzen.
Damit strecken beide den Ex-SPD-Kollegen und jetzt „Wir für Rommerskirchen“-Aktiven die Hand entgegen.
Deren Sprecherin Sibille Bender betont ihrerseits: „Die vergangenen sechs Monate waren geprägt von politischen und persönlichen Spannungen, die letztlich auch zu Veränderungen innerhalb der damaligen SPD-Fraktion geführt haben. Unterschiedliche Auffassungen über Stil, Zusammenarbeit und politische Kultur haben damals dazu beigetragen, dass wir eigene Wege gegangen sind. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, heute nicht zurückzublicken, sondern den Fokus auf die Zukunft Rommerskirchens zu richten. Wir begrüßen ausdrücklich die Signale, künftig wieder stärker auf Sacharbeit, gegenseitigen Respekt und konstruktive Zusammenarbeit setzen zu wollen.“
Eine neue Zusammenarbeit der beiden Fraktionen soll angedacht worden sein.