Zwei Bedburdycker zeigen, wie Integration gelingt „Er ist uns richtig ans Herz gewachsen“

Bedburdyck · Über diverse Stationen – unter anderem Pakistan, Türkei, Serbien, Österreich und Dänemark – kam Haffizula Samadi nach Deutschland. Er lebte im Flüchtlingsheim in Gustorf, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Christa Quellmann und Erhard Schiffer mit ihrem Schützling Haffizula Samadi.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Der Wunsch, eine richtige Arbeit und eine eigene Wohnung zu haben, war groß. Doch das gestaltete sich auch aufgrund der Sprachbarriere, er sprach nur Arabisch, mehr als schwierig.

Als Samadi auf ein passendes Appartement in Grevenbroich aufmerksam wurde, half ihm sein Arzt, bei dem er auch einige handwerkliche Tätigkeiten übernommen hatte, bei der Kontaktaufnahme. Denn er konnte die Sprachbarriere überwinden. Dass sich dieser Kontakt schließlich als besonderer Glücksfall für sein weiteres Leben erweisen würde, damit hätte Samadi damals wohl nicht gerechnet. Denn mit Christa Quellmann und Erhard Schiffer traf er zwei Menschen, die sich seiner annahmen und zu „Mama und Papa“ in der neuen Heimat wurden.

Im Flüchtlingslager lernten sich die Bedburdycker und Samadi erstmals kennen. „Wie er dort gelebt hat, ging gar nicht. Deswegen haben wir beschlossen, wir müssen uns um ihn kümmern“, berichtet Erhard Schiffer. Seit Jahrzehnten engagieren sich die beiden schon ehrenamtlich, insbesondere auch in der Flüchtlingshilfe. „Christa hat eine soziale Ader und ich habe mich anstecken lassen“, schmunzelt Schiffer.

So übernahm Christa Quellmann mit ihrem Schützling nicht nur den Gang zum Amt, um alles bezüglich der Wohnung zu regeln (wo er sich gut einlebte und auch mit anpackte, wo es ging, berichten die drei). Sondern auch Erhard Schiffer schritt direkt zur Tat und meldete ihn zur Sprachschule an. Gemeinsam paukte er mit ihm zwei- bis dreimal die Woche nach der Schule, da es für jemanden, der aus dem arabischen Sprachraum komme, nicht einfach sei, Deutsch zu lernen. „Die Sprachen sind so unterschiedlich“, weiß Schiffer.

Dass Haffizula Samadi die Intelligenz und den Ehrgeiz habe, mehr aus seinem Leben und Deutschland zu seiner neuen Heimat zu machen, sei schnell deutlich geworden, erzählt Christa Quellmann. Der Weg sei nicht immer einfach gewesen, auch Rückschläge habe es gegeben, doch mittlerweile sei er gut integriert und in der Arbeitswelt angekommen. Seit sieben Jahren arbeitet Samadi bei einem Dienstleistungsunternehmen, wo er Hausmeistertätigkeiten für zahlreiche Firmen, zum Beispiel auf der Düsseldorfer Kö oder im Ruhrgebiet, übernimmt. Er arbeite eigenverantwortlich und genieße das Vertrauen vieler Kunden, verrät der 29-Jährige. Vor Kurzem absolvierte er außerdem erfolgreich eine Ausbildung im Bereich Sicherungsmaßnahme bei der Deutschen Bahn.

Für die Unterstützung ist Haffizula Samadi „Mama und Papa“ mehr als dankbar. Regelmäßig kommt er die beiden besuchen, hilft dabei auch im Haushalt und Garten. „Was wir ihm vermittelt haben, gibt er uns jetzt zurück, wo wir älter geworden sind“, freut sich Christa Quellmann und betont: „Er ist uns richtig ans Herz gewachsen!“ Er mache das gerne, erklärt Haffizula Samadi: „Ihr habt mir geholfen, jetzt will ich euch helfen!“.

Christa Quellmann und Erhard Schiffer sind ein gutes Beispiel dafür, wie positiv sich das Leben eines Menschen entwickeln kann, wenn man sich seiner annimmt und Unterstützung, in welcher Form auch immer, bietet. Sie würden sich daher wünschen, dass mehr Menschen sich engagieren, damit Integration gelingt. „Denn wer sich isoliert fühlt, rutscht vielleicht auch eher ab“, überlegen sie, „wenn jeder sich ein bisschen kümmern würde, würde Eingliederung besser funktionieren.“

In diesem Zusammenhang appellieren die Bedburdycker auch an Politik und Verwaltung, den Bürokratie-Wahnsinn einmal zu überdenken. Wer ist wofür zuständig, welches Amt braucht welche Papiere – für manchen Deutschen sei der Papierkram schon unübersichtlich, für viele Flüchtlinge noch einmal umso mehr. „Die Fallstricke sind sehr groß“, weiß Erhard Schiffer aus eigener Erfahrung. Und Christa Quellmann ergänzt: „Vieles ist enormer bürokratischer Aufwand. Ich bin bei vielen Terminen von Haffizula dabei gewesen und konnte manches Missverständnis aufklären.“