Bastian von der Weydt, im richtigen Leben Kaufmännischer Leiter eines Anlagenbauers, kennt sich eben mit Zahlen aus und kann rechnen. Nach einigen zuginternen Überlegungen hin und her sei es dann im Rahmen des 100-jährigen Grenadierjubiläums einfach auf ihn und seine Gattin Ulrike zugelaufen. Ulrike von der Weydt musste auch gar nicht erst groß überzeugt werden, denn: „Ich bin ein echtes Herrenshoffer Schützenmädchen!“ Von Kind an im heimatlichen Brauchtum verwurzelt, ist sie seit jugendlichen Jahren als leidenschaftliche Zeltgängerin auch weit über die Grenzen ihres Heimatdorfs bekannt: „Es gab Zeiten, da wurde ich vom Kellnerteam in vielen Zelten schon mit Handschlag begrüßt – man kannte sich einfach über viele Jahre!“
Diese Liebe zu ihrem Heimatdorf Herrenshoff führte am Ende auch dazu, dass sie ihren Freund Bastian dorthin entführte und die beiden nach ihrer Hochzeit 2015/16 in dem Korschenbroicher Stadtteil sesshaft wurden. Bastian, gebürtiger Hochneukircher, wurde von seinem besten Freund, dem Jüchener Grenadier Andreas Schiffer, in die Grenadier-Kreise eingeführt und ist dort seit 2007 aktiver Schütze im Jüchener Regiment. „Wie viele Kilometer zwischen Herrenshoff und Jüchen seither auf das Grenadier-Konto gehen – keine Ahnung…“ Aber jede einzelne der gut 20 Autominuten habe sich voll gelohnt.
Auch vorher schon gab es enge Kontakte in das Nachbardorf von von der Weydts Hochneukircher Heimat: „Prägend waren sicher die drei Ferienlager der Jüchener Jakobusgemeinde, an denen ich mit meinen Freunden teilgenommen habe“, erinnert sich Majestät. Unvergessen das Ferienlager 2001 in St. Kanzian am Klopeiner See in Süd-Kärnten. Dort gab es legendäre Auftritte mit Andreas Schiffer und Benni Hansen (heute ebenfalls Jüchener Grenadier) als „Flippers“.
Was direkt zu einer ungewöhnlichen Hochbegabung von Bastian von der Weydt führt: Kein deutscher Schlager seit den „Capri-Fischern“ von Rudi Schurike, dessen Text er nicht auswendig kennt. „Ich weiß auch nicht, wie das genau funktioniert – ich höre die Lieder und schon hab‘ ich den Text drauf…“ Kein tagelanges Lernen – einfach eine Begabung. Was natürlich guter Stimmung in fröhlicher Gemeinschaft keinen Abbruch tut.
Mit diesem Rezept gelang auch der erste große Auftritt des Königspaares im Hochneukircher Festzelt: „Wir sind dahin – und haben einfach eine Riesen-Party rausgehauen!“, erinnert sich Königin Ulrike, beruflich als Krankenschwester tätig. Und das sei auch so etwas wie eine Blaupause für die nächste Zeit gewesen: Gemeinschaft genießen und Party machen. Ganz einfach. – Ööhm – ganz einfach?
Je länger man sich mit den Majestäten unterhält, desto mehr wird sichtbar: Das erfordert eben auch eine ganze Menge Arbeit im Hintergrund, akribische Vorbereitungen und ganz viel Freude an der Sache. „Da geht nichts mit halber Kraft oder irgendwie. Das geht entweder ganz – oder gar nicht!“ Das habe Bastian von der Weydt im eigenen Schützenzug erfahren, wo Zugführer Philipp Schiffer ein solch akribischer Organisator ist, aber auch in seiner Vorstandszeit beim Bürgerschützen- und Heimatverein: „Irre, was da geleistet wird!“ Doch wenn sich dann ein ganzes Dorf zu diversen Anlässen trifft und einfach ausgelassen feiert, merke man, wofür sich das alles lohnt. Und jetzt, da die beiden auf die Zielgerade zusteuern, laufen alle diese Linien zusammen: Die Residenz, die am Ende der Riekestraße entstehen wird, nimmt langsam Formen an, die Kleider der Königin sind eingetroffen (und der König kennt sie alle schon!) – nun geht es an die vielen Tausend Kleinigkeiten rund um das Königsspiel.
„Und da ist uns immer wichtig, dass alle sich rundum wohlfühlen. Wir möchten gute Gastgeber sein.“ Für Ulrike von der Weydt heißt das vor allem auch, den Fokus auf die Tatsache zu legen, dass sich der mittlerweile zahlreiche Grenadier-Nachwuchs wohlfühlt. Der Grenadierzug sei im Laufe der Zeit ein echter Familienzug geworden, was unheimlich viel Spaß mache. Zu diesem Nachwuchs gehören übrigens ebenfalls die beiden Prinzen des Königspaares, Jonas (7) und Max (4). Auch die beiden freuen sich vor allem auf die Festzüge.
Gibt es einen Albtraum für Bastian und Ulrike? – „Du kommst in die Residenz – und da ist alles leer, keiner da…“ Ulrike schüttelt sich bei diesem Gedanken – der aber wohl mitnichten Realität werden wird. Dafür sorgen allein schon ein fleißiger Grenadierzug und ein Top-Ministerium mit Sascha Holz aus dem Pionierzug als Adjutant Ihrer Majestät, Andreas und Philipp Schiffer aus dem Grenadierzug sowie Christian Wirtz aus dem Grenadierzug „Junge Garde“ als Minister. Eine leere Residenz wird es alleine schon aufgrund der Tatsache nicht geben, weil Bastian und Ulrike von der Weydt überall mit offenen Armen empfangen wurden und auch der eigene Schützenzug durch diese Welle der Begeisterung regelrecht zusammengeschweißt wurde. „Die haben einfach alle Bock, richtig loszulegen und mit vielen Menschen zu feiern,“ ist Königin Ulrike überzeugt.
Da müssen dann auch die Leidenschaften der Majestäten für einige Wochen zurückstehen, als da bei Bastian wären: der mehr als zwei Jahrzehnte andauernde Dauerkarten-Besitz bei der Mönchengladbacher Borussia, die damit verbundenen feucht-fröhlichen Stunden im Rheydter Irish-Pub vor einem Heimspiel, und das wieder entdeckte Schlagzeugspiel. Und bei Ulrike das Klavierspiel sowie die beiden Söhne. Alles fokussiere sich eben nun auf das große Schützenfest, betonen die Majestäten.
Und nach dem großen Fest? Das große Loch? „Nein – mit Sicherheit nicht“, lachen beide. Und wenn es auch nur eine ganz besondere Leidenschaft bei Bastian von der Weydt ist – diese lebt er förmlich einmal im Jahr. Dann nämlich, wenn er in seiner Straße in Herrenshoff rotgewandet den heiligen Martin gibt und dabei immer wieder in strahlende Kinderaugen blickt: „Da geht dir eben auch das Herz auf!“ Doch nun heißt es erst einmal: „Party on!“ Gemeinsam mit dem ganzen Dorf Schützenfest feiern und Freude verschenken. Auf dass die Residenz von S. M. Bastian und I. M. Ulrike niemals leer sei!