Gottesdienst, gemütliches Beisammensein und zum Abschluss natürlich ein Eierlikörchen „Der Glaube muss an die frische Luft“: Sommerkirche geht bald wieder auf Tour

Jüchen · „Der Glaube muss an die frische Luft“ – unter diesem Motto steht dieses Jahr die schon traditionelle Sommerkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Jüchen. Bereits zum vierten Mal wird in den Sommerferien zu besonderen Freiluft-Gottesdiensten samt geselligem Beisammensein im Anschluss eingeladen. Neu dabei: Pfarrer Ulrich Clancett vom Pastoralen Raum Jüchen ergänzt das Sommerkirchen-Team.

Von links: Pfarrer Ulrich Clancett, Pastorin Inès Busch und Prädikant Marcel Mostert sagen: „Der Glaube muss an die frische Luft!“.

Foto: Kirchengemeinde

„Zugegeben: Der Titel ist halb geklaut…“, schmunzelt Marcel Mostert, Prädikant der Evangelischen Kirchengemeinde Jüchen. Die Idee zu „Der Glaube muss an die frische Luft“ kam Pastorin Inès Busch vergangenes Jahr im Urlaub. Dort stolperte sie über ein Plakat einer Gemeinde, auf dem „Die Kirche muss an die frische Luft“ stand. Mit der Idee im Gepäck rannte sie zurück zu Hause bei Sommerkirchen-Mitorganisator Mostert offene Türen ein: „Immerhin kommt Julius Weckauf, der Hauptdarsteller des bekannten Films mit dem ähnlichen Titel, aus unserer Stadt – deshalb: Warum nicht?“

Warum nicht? Das dachte sich auch Pfarrer Ulrich Clancett, der die vergangenen Jahre schon mit Begeisterung verfolgt hat, was seine Kollegen von der Evangelischen Kirchengemeinde in den Sommermonaten auf die Beine stellten. Als im Austausch mit Marcel Mostert dann die Sprache auf die Sommerkirche kam, sagte der Pfarrer kurzerhand: „Geile Idee, ich mache mit!“ Er steigt als Prediger mit in die Reihe ein und komplettiert nun das Sommerkirchen-Team aus Marcel Mostert und den Pfarrerinnen Inès Busch und Alexandra Rosner.

Die Sommerkirche, die ursprünglich aus der Not geboren wurde, weil die Kirchen in den Sommermonaten leer blieben, hat sich mittlerweile zu einem Jahreshighlight entwickelt. In Otzenrath seien beispielsweise immer gut 80 Menschen dabei. Ungewohnte Orte und vor allem Zeiten bedürfen vielleicht etwas Gewöhnung, aber der Zuspruch zeige: „Auch eine Änderung des Settings kann einfach das Interesse an Kirche steigern.“

An sechs Samstagen, der Startschuss fällt am 18. Juli, findet die ökumenische Sommerkirche statt. Jeweils um 17 Uhr wird an ungewöhnliche Orte eingeladen, die man sonst kaum mit einem Gottesdienst in Verbindung bringen würde. Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Auch wenn eigentlich alles genauso wie in der Kirche gemacht wird, fühlt sich so ein Gottesdienst durch die Orte außerhalb der Kirchenräume ganz anders an, weiß der Prädikant. Eines haben alle sechs Orte dieser Reihe gemeinsam: Sie sind allesamt draußen – eben „an der frischen Luft“. Klar, dass auch das Plakat für die Reihe vom Filmplakat inspiriert wurde. Das fällt ins Auge, freut sich Marcel Mostert: „Ich bin schon sehr viel darauf angesprochen worden.“

Marcel Mostert, der mit Pastorin Inès Busch an der inhaltlichen Gestaltung gearbeitet hat, umreißt die Grundgedanken der Ökumenischen Sommerkirche so: „Der Glaube kommt raus – aus dem Gebäude, aus der Komfortzone, aus dem Schweigen, aus der Schwere. Sechs Abende beleuchten je eine Dimension dieses Herauskommens. Das Bild der frischen Luft zieht sich als Bild durch alles: atmen, aufbrechen, Weite spüren, lebendig werden.“ Dass es bei den Themen immer „Raus aus ...“ heißt, findet Ulrich Clancett als Roten Faden klasse. Besonders am Herzen liegt ihm dabei „Raus aus der Einsamkeit“, worum es bei der Sommerkirche mit ihm und Marcel Mostert am 22. August gehen wird: „Das ist ein wichtiges Thema – von der Jugend bis ins Alter –, über das gesprochen werden muss.“

Die Grundstruktur bleibt dabei immer gleich: Zuerst gibt es einen kurzen etwa 30-minütigen Gottesdienst. Und damit die Lebensfreude, die ein solcher Gottesdienst ausstrahlen kann, auch spürbar wird, bereichert Pop-Sängerin Meri Wiesmann diese musikalisch. Marcel Mostert: „Meri hat das einfach drauf: christliche Lieder, aber auch Pop-Songs – ein breites Repertoire, das unsere Gäste begeistern wird!“

Im Anschluss folgt ein gemütliches Beisammensein mit gekühlten Getränken und einigen Leckerbissen vom Grill. Wer beim abschließenden Grillen dabei sein möchte, wird gebeten, sowohl Grillgut als auch Geschirr und Besteck selbst mitzubringen. „Im ersten Jahr hatten wir immer zu viele oder zu wenig Würstchen“, schmunzelt Mostert, „so ist das Ganze einfacher.“

Am Ende jeder Sommerkirche gibt es übrigens (ganz nach Film-Vorbild) einen selbstgemachten Eierlikör. Denn wie sagte der junge Hape Kerkeling alias Julius Weckauf im Film so schön: „Ich nehm gern noch ein Eierlikörchen. Das Leben muss ja irgendwie weitergehen.“ Die Organisatoren sind sich einig: „Alles in allem wird das immer ein guter Einstieg in den Samstagabend, der dann ganz nach Belieben weiter gestaltet werden kann.“