Viel Talent, Anatols Schule und die Widernisse des Lebens: Patrick Schmitz will weiter träumen

Grevenbroich · Patrick Schmitz hofft, im nächsten Jahr als selbstständiger Künstler durchstarten zu können. Diesem Ziel war er 2019 schon mal ganz nah gekommen. Da hatte er mit Hilfe des Job-Centers bereits einen Business-Plan erstellt.

Patrick Schmitz mit einer seiner neusten „Auftragsarbeiten“.

Patrick Schmitz mit einer seiner neusten „Auftragsarbeiten“.

Foto: DR.

Im Sommer 2019 gestaltete Patrick Schmitz die Residenz des Schützenkönigs in Wevelinghoven. Die gute Resonanz, das heißt viele Anschlussaufträge, gaben ihm den letzten Anstoß zur Selbstständigkeit. Aber dann kam im Februar 2020 die Corona-Epidemie und gerade für Künstler gab es nichts mehr zu tun.

„Zu allem Unglück wechselte mein Sachbearbeiter beim Job-Center. Der Neue hat alles gestrichen und wegen Corona konnte ich nicht mal ein persönliches Gespräch mit ihm führen“, erinnert sich Patrick Schmitz. Eine neue Hoffnung kam mit Rudolf Wolf in sein Leben. Der Allrather hatte ja vor, das Restaurant im „Alten Schloss“ zu neuem Leben zu erwecken. Er wollte Patrick Schmitz als „Art-Director“ für die künstlerische Gestaltung des Restaurants mitsamt Außenbereich festanstellen. „Das wäre mein Sprungbrett gewesen. Da hätte ich mir auch ohne Job-Center was aufbauen können. Aber leider musste Rudolf Wolf das Vorhaben aufgeben“, erzählt der Künstler. Das sei für alle sehr enttäuschend gewesen. Er hätte auch private Aufträge bekommen können, aber da er nicht selbstständig war, konnte er keine Rechnungen ausstellen. Er versuchte, sich mit Workshops und Projekten über Wasser zu halten. „Das war alles sehr deprimierend. Ich bin in ein Loch gefallen und hatte Existenzängste, wie andere Kunstschaffende auch“.

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Foto: DR.

Dabei war sein Weg zum freischaffenden Künstler sowieso schon sehr lang und steinig. Gezeichnet habe er schon, seit er einen Stift halten konnte. „Meine Eltern erzählen immer, dass ich schon als Dreijähriger dreidimensional zeichnen konnte“. Mit 13 Jahren entstand sein erster Comic mit dem Titel „Pit, der Penner“. Sein Vorbild sei Werner Brösel (Zeichner der „Werner Beinhart“-Comics) gewesen. Da ihm das Zeichnen und Malen so sehr lag, wäre Patrick Schmitz gerne Kunstlehrer geworden. Die Ausbildung traute er sich aber nicht zu, da er als Folge einer Impfung im Grundschulalter ein Tourette-Syndrom entwickelt hatte.

Diese Krankheit wirkte sich immer wieder negativ auf sein Leben aus. So fing er eine Lehre als Zerspanungstechniker an und zog in eine eigene Wohnung nach Rheydt. Nach einem traumatischen Erlebnis brach er alle Brücken ab und ging nach Bayern. Dort machte er eine Ausbildung im Einzelhandel. „In Bayern gefiel es mir so gut, dass ich sieben Jahre dablieb.“ 2007 holte ihn sein Onkel Klaus Schmitz („Zweirad Schmitz“) nach Grevenbroich zurück. Seitdem wohnt er auch im Haus seines Onkels. Zum Glück bekam er einen Ein-Euro-Job im Museum „Villa Erckens“. „Dort habe ich die Kunst wieder für mich entdeckt.“

Er ließ sich nun nicht mehr auf seinem Weg beirren. Er bekam ein Stipendium bei Anatol. Mit Anatol und Robert Beerscht arbeitete Patrick Schmitz gemeinsam an Projekten auf der Insel Hombroich. Gerade Robert Beerscht habe ihm immer wieder den Rücken gestärkt. Nach dem erforderlichen Fachabitur schloss er eine Ausbildung zum Bühnenmaler und Plastiker ab.

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Foto: DR.

Nun versucht Patrick Schmitz wieder da anzuknüpfen, wo er 2019 gezwungenermaßen aufgehört hat. Zurzeit macht er Projekte wie eine Wandmalerei in einer KiTa oder die Bemalung des Bauwagens im Orkener Park. Auf dem Marktplatz sind noch Reste von seiner Straßenmalerei zum Stadtfest zu sehen. Mittlerweile unterstützt ihn das Job-Center wieder bei der Erstellung eines neuen Business-Plans. … und so geht der Künstler voller Hoffnung auf eine bessere berufliche Zukunft in das neue Jahr.

(Dagmar Reschke)