Erste Maßnahmen werden bis 2027 umgesetzt Vernetzungstreffen: „Grüner Korridor“ nimmt weiter Gestalt an

Jüchen · Eine wichtige Investition in die Natur ist das Projekt „Grüner Korridor“. Dabei entwickelt die Stadt im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ ein zukunftsorientiertes Landschaftskonzept für den Raum zwischen Schloss Dyck, der Stadt und der Tagebaufolgelandschaft Garzweiler. Seit mehreren Jahren laufen die Planungen, nun folgen bald die ersten Umsetzungen. Daher fand vor Kurzem ein Vernetzungstreffen der Projekt-Beteiligten im Rathaus statt.

Beim Vernetzungstreffen kamen Beteiligte des Projekts „Grüner Korridor“ zusammen, um über den Planungsstand zu sprechen.

Foto: Stadt Jüchen

„Die Menschen können hier vor Ort in Zukunft Klimaanpassung und eine nachhaltige Kulturlandschaft erleben“, so Tim Wichards vom Amt für Stadtentwicklung über das Projekt. Ziel des „Grünen Korridors“ ist es, einen klimafesten Grün- und Biotopverbund und damit eine zukunftsfähige Kulturlandschaft zu schaffen, die Natur, Wasser, Erholung, Klimaanpassung, Lebensqualität und regionale Entwicklung sinnvoll miteinander verbindet.

Entlang der Täler des Jüchener und Kelzenberger Bachs entstehen neue Landschaftselemente, klimaresistente Bäume und Sträucher, artenreiche Wiesen sowie Flächen zum Umgang mit Starkregen. Gleichzeitig wird das Gebiet für die Naherholung und den Radverkehr weiterentwickelt. In insgesamt 16 Testfeldern werden konkrete Maßnahmen erprobt, um praxisnahe Lösungen für Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltige Landschaftsgestaltung zu entwickeln. „Die Menschen werden sich dabei auch an neue Landschaftsbilder gewöhnen müssen“, verrät Landschaftsarchitektin Katja Erke, „und unterscheiden lernen, was zum Beispiel ein wertvolles Biotop, wo Artenvielfalt erzeugt wird, ist und was eine ungepflegte Fläche.“

Beim großen Vernetzungstreffen im Jüchener Rathaus stellte die Landschaftsarchitektin den aktuellen Entwurfsstand des Landschaftskonzepts und die geplanten Maßnahmen in der großen Runde vor. Im vergangenen Jahr habe man sich bereits in Einzelterminen zum Austausch getroffen, wie sie berichtet, nun gehe es darum, die Kooperation aller Projekt-Beteiligten zu stärken. Denn sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Klimaanpassung.

So begrüßte Bürgermeister Philipp Sieben neben Katja Erke und Laura Fuhrmann von der Arbeitsgemeinschaft JUCA & Landschaftsmanufaktur auch Vertreter des Umweltamtes des Rhein-Kreises Neuss, der RWE AG und der Stiftung Schloss Dyck. Außerdem waren die Landwirtschaftskammer, der Erftverband, der Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler sowie Vertreter der lokalen Gruppen von NABU und BUND der Einladung gefolgt.

Landschaftsarchitektin Katja Erke stellte den anwesenden Projekt-Teilnehmern den aktuellen Entwurfsstand vor.

Foto: Stadt Jüchen

In mehreren Arbeitsgruppen wurden die einzelnen Elemente des Projekts diskutiert, wobei ein reger Erfahrungs- und Wissensaustausch stattfand. Thematisiert wurden unter anderem die Anlage von landschaftlichen und hydrologischen Testfeldern sowie Artenlisten. Im Austausch betonte die Landschaftsarchitektin dann auch noch einmal einen Punkt, der ihr besonders wichtig ist: „Es geht nicht darum, alles neu zu bauen. Die Kulturlandschaft hier ist sehr wertvoll. Es geht daher darum, wie man sie bewahren kann.“

Die Planung des „Grünen Korridors“ soll nun nachhaltig weitergeführt werden. Dabei wird insbesondere auch berücksichtigt, dass die spätere Unterhaltung der Maßnahmen machbar ist. „Die Verwaltung braucht hier Zeit und Mittel, um alles für die Zukunft wirtschaftlich zu planen“, betont Tim Wichard. Denn eine Pflege der Flächen sei natürlich nur mit der entsprechenden Manneskraft möglich. Da seien vielleicht auch die Menschen vor Ort gefragt, ergänzt Katja Erke, denn „wenn eine Fläche nicht gepflegt wird, ist das nicht im Sinne der Nachhaltigkeit“.

Die Teilnehmer des Netzwerktreffens sprachen sich dafür aus, die Zusammenarbeit fortzusetzen, um das gemeinsame Ziel der Klimaanpassung erfolgreich zu erreichen. „Ich freue mich, dass wir in Jüchen zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft JUCA & Landschaftsmanufaktur ein wissenschaftlich fundiertes, gut umsetzbares Konzept für die Klimaanpassung im sogenannten ,Grünen Korridor‘ erarbeiten und umsetzen. Das Treffen hat die gute Kooperation der verschiedenen am Projekt Beteiligten weiter verstärkt“, so Bürgermeister Philipp Sieben.

Auf acht der 16 Testfelder werden bis 2027 bereits erste Projekte umgesetzt, berichtet Landschaftsarchitektin Katja Erke: „Da gehen wir jetzt in die konkrete Detailplanung. Es werden unter anderem Bäume und Sträucher gepflanzt und an einigen Bachgrundstücken wird Erholungsinfrastruktur umgesetzt.“ Dabei sollen die neu angelegten Rastplätze auch mit Informationen zu den Testfeldern versehen werden, um den Planungsprozess erlebbar zu machen und aufzuzeigen, was die Umsetzung für die Menschen vor Ort wirklich bedeutet.

Weitere Schritte folgen perspektivisch bis zur IGA 2037. Vielleicht auch mit neuen Fördermitteln, hoffen Katja Erke und Tim Wichards. Letzterer erklärt: „Das Konzept ,Grüner Korridor‘ bietet für die Stadt Potenzial, in Zukunft weitere Maßnahmen und Projekte umzusetzen und Nachfolgeförderungen oder Ausgleichsmaßnahmen zu bekommen.“

Im nächsten Schritt werden nun aber erst einmal die Vorschläge und Ergebnisse des Netzwerktreffens in das bestehende Konzept eingearbeitet. Und dann sind die Bürger gefragt: Am Dienstag, 10. März, 17 Uhr, sind alle Interessierten herzlich in das Haus Katz eingeladen, um sich über das Konzept zu informieren und mit Beteiligten ins Gespräch zu kommen. „Mitwirkung ist ausdrücklich erwünscht“, betont Katja Erke. Anmeldungen sind möglich per E-Mail an tim.wichards@juechen.de oder telefonisch unter 02165/9 15 61 10.