Axel Ritter und sein Team leiten dieses Projekt. Davor war er für den Bau der A 44 n verantwortlich. Das war sicherlich auch schon beeindruckend, doch die Rheinwasser-Transportleitung (RWTL) toppt das ganz klar: Sie ist „von der Dimension her einmalig in Deutschland. Einmalig europaweit.“
45 Kilometer Rohrleitung müssen verlegt werden. Von Rheinfeld bis Allrath liegen dabei drei der Monsterrohre (siehe das nebenstehende Foto in Sachen Größenvergleich) nebeneinander. In Allrath steht dann das sogenannte „Verteilbauwerk“, von dem zwei Leitungen nach Hambach und eine nach Garzweiler führen werden.
Darüber hinaus müssen das „Entnahme- und Pumpbauwerk“ in Rheinfeld (ausgestattet mit einer speziellen Technik zum Schutz der Fische und alle anderen Lebewesen im „deutschen Rhein“) und die beiden „Einspeisungskaskaden“ an den jeweiligen Braunkohlegruben gebaut werden.
Den Rhein belastete die Wasserentnahme nicht, machen die Pioniere des RWE deutlich: „Wir nehmen ja quasi nur ein Schnapsglas voll aus einer Badewanne“, lautet der Vergleich. Zudem würde das Wasser „relativ langsam gefördert“.
In mindestens zwei Meter Tiefe sollen die Rohre versenkt, verbunden und verschweißt werden. Das geschieht zumeist in einer offenen Bauweise: Dann wird eine 70 Meter breite Bautrasse angelegt. Die drei Rohre werden nacheinander verlegt. Die einzelnen Bodenschichten (Mutterboden, Löß, Lehm, Kies) werden getrennt abgebaggert und separiert gelagert, um nachher in korrekter Reihenfolge wieder eingebracht zu werden. Immerhin sollen zum Beispiel die Äcker ja ihre Qualitäten nicht verlieren. Nur die verdrängte Masse wird abgefahren.
In nicht wenigen Bereichen wird allerdings in einem „geschlossenen Bauverfahren“ gearbeitet: Die Rohre werden seitlich in die Erde gepresst. Und das immer da, wo „Erdaushub“ nicht möglich ist. Immerhin muss die RWTL Erdgasleitungen, Bahnlinien, die Autobahn, Bäche und Flüsse sowie ökologisch wertvolle Flächen queren.
Übrigens werden zum Teil auch Straßen (bis zu Bundesstraßen) in der offenen Bauweise mit einer Umgehung versehen, weggebaggert und dann wieder neu angelegt. Laut RWE sei das alles so durchgeplant, dass es zu keinerlei Verkehrsbehinderungen kommen soll.
Ein Gebiet, das unterirdisch gekreuzt wird, ist übrigens der Knechtstedener Wald, der an seiner schmalsten Stelle „untergangen“ wird. Dabei werden die Maschinen so tief agieren, dass auch das Wurzelwerk unberührt bleibt. Deshalb soll dort das Rohr auf vier Meter Tiefe liegen, heißt es.
Nicht nur in Sachen Umwelt- und Naturschutz haben sich die RWE-Planer der RWTL viele Gedanken. Wichtig sei es ihnen auch, „die Bürgerschaft mitzunehmen“. So ist eine der ersten Maßnahmen in Rheinfeld, dass eine Aussichtsplattform errichtet wird, von der aus die Bürger den Baufortschritt und später den Wasserlauf beobachten können. Und für das Dimensionsverständnis wird eines der 9.000 Mega--Rohre (In Europa konnte keine Hersteller dafür gefunden werden. Man musste in der Türkei und in Armenien bestellen.) angebracht.
In Allrath wird ein großer Teil der Einhausung in Glas gestaltet. So sollen die „Nachbarn“ genau sehen können, was in der Anlage geschieht.
Die gesamte Strecke wurde in zwölf Baulose eingeteilt, die bis 2030 abgearbeitet werden sollen. Wenn alles gut geht, wird die Wassereinleitung in beiden Seen 2070 abgeschlossen sein. 2090 sollen die Pumpen spätestens abgeschaltet werden. 2100 soll der See dann See sein.
Auch nach dem Pumpen sollen die Rohre in der Erde liegen bleiben. Für das Ausbuddeln müssten Natur und RWE sonst wieder draufzahlen.
Apropos: Zu den Kosten gibt man sich auf RWE-Seiten bedeckt ... hoher dreistelliger Millionenbereich, aber keine Milliarde. Das Geld sei ja zurückgelegt worden.