Neujahrsgruß von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke „Selten war ein Jahreswechsel mit so viel Ungewissheit verbunden...“

Grevenbroich/Jüchen · Zum neuen Jahr richtet sich Landrat Hans-Jürgen Petrauschke an die Bürger im Rhein-Kreis. Hier der offizielle Wortlaut:

 Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.

Foto: RKN

„Liebe Bürgerinnen und Bürger!

Selten war ein Jahreswechsel mit so viel Ungewissheit verbunden wie dieser: Die Lage in der Ukraine ist nach wie vor besorgniserregend, Corona ist noch nicht überwunden und die Preise steigen auf breiter Front – das belastet auch unsere Wirtschaft. Wir gehen mit vielen offenen Fragen in das neue Jahr 2023. Umso wichtiger ist es mir, zu betonen: Es gibt im Rhein-Kreis viel Potenzial, das Fundament für eine weiterhin gute Zukunft zu legen. Und wir können alle Herausforderungen und Krisen meistern, wenn wir weiter zusammenhalten.

Tief bewegt hat uns seit dem Beginn des unseligen russischen Angriffskriegs im Februar das Schicksal und die Sorge um die Menschen in und aus der Ukraine. Niemand von uns hätte es für möglich gehalten, dass in Europa wieder Krieg, brutale Machtpolitik und damit verbunden Angst, Elend und Heimatverlust Realität werden. Es ist unsere menschliche wie auch historische Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Ukrainer, die zu uns kommen, hier Schutz finden und gut aufgehoben sind. Und ich bin stolz, wie gut das gelingt. Die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Menschen im Rhein-Kreis st erneut beeindruckend.

Dieser Zusammenhalt macht mich auch zuversichtlich, was die weiteren großen Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz, Gesundheit, Mobilität, Energiewende, preiswertes Wohnen, Digitalisierung und Strukturwandel betrifft. Die Herausforderungen sind beachtlich, aber auch die Chancen.

Noch im Sommer konnten wir für unseren Standort einen in dieser Höhe nicht erwarteten Konjunktur-Boom vermelden - trotz globaler Krisenlagen. Weltweite Handelshemmnisse, Putins völkerrechtswidriger Angriffskrieg in der Ukraine mit erheblichen Auswirkungen auf unsere Energieversorgung, die hohe Inflation und auch fehlende Fachkräfte bremsen die wirtschaftliche Erholung in vielen Bereichen mittlerweile jedoch ab. Dennoch erwartet der Sachverständigenrat in Deutschland im kommenden Jahr eine eher milde Rezession und einen stabilen Arbeitsmarkt.

Bei uns im Rhein-Kreis hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei der jüngsten Erhebung im März sogar den Rekordwert von annähernd 160.000 erreicht. Das ist ein Anstieg von mehr als 24 Prozent im Vergleich zu 2009. Und die Arbeitslosenquote lag bei uns im November mit 5,5 Prozent auf dem Niveau vergangener Jahre ohne große Krisen. Der Rhein-Kreis ist eine der Gebietskörperschaften in Nordrhein-Westfalen mit der geringsten Quote von Schulabgängern ohne Abschluss (1,2 Prozent). Das ist die beste Voraussetzung für gute Zukunftschancen unserer Jugend.

Ich sehe ich unsere Heimat auf einem guten Weg vom klassischen Energie-Kreis zum nachhaltigen Innovations-Kreis, in dem es sich weiter gut leben, arbeiten und wohnen lässt. Und ich bin zuversichtlich, dass wir trotz Hindernissen und Herausforderungen wie Lieferengpässen, hoher Inflation, Corona und Putins Angriffskrieg in der Ukraine zuversichtlich nach vorne schauen und darauf vertrauen können, dass es uns weiterhin gelingt, den durch den Strukturwandel bedingten Umbau unseres Kreises zu einem Vorreiterstandort der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes mit der Wirtschaftskraft eines Industriestandortes erfolgreich voranbringen.

Wir stehen vor großen Aufgaben: Klimaschutz, sozialer Friede und Integration, Gesundheit, Mobilität, Digitalisierung, Katastrophenschutz – das alles sind Felder, deren Umsetzung größtenteils auf kommunaler Ebene stattfindet. Bei uns kommt noch der Strukturwandel hinzu. All dies können wir nur im engen Schulterschluss erfolgreich angehen. Der altbekannte Satz „Global denken – lokal handeln“ ist daher aktueller denn je. Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit brauchen das Engagement und die praktische Umsetzung vor Ort. Gerade die Kreise, Städte und Gemeinden verzeichnen hier beachtliche Erfolge.

Im Rhein-Kreis wollen wir weiter Sorge dafür tragen, dass unsere Heimat umwelt- und familienfreundlich sowie ein beliebter Wohnstandort ist, an dem auch ausreichend bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist. Wir wollen dafür Sorge tragen, dass der Rhein-Kreis auch künftig wirtschaftsstärkster Kreis im Land ist und damit für jedermann Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern und neue schaffen. Und wir wollen unsere Stellung als Innovationskreis weiter stärken. Kurz: Wir wollen die guten Lebensbedingungen im Rhein-Kreis nicht nur bewahren, sondern stetig ausbauen.

Das erfordert die Bereitschaft und Fähigkeit zu Veränderung und vorausschauendem Handeln, denn Wohlstand, soziale Sicherheit und ein Leben in einer lebenswerten Umwelt sind keine Selbstläufer. Engagiert und kreativ möchte ich daher gemeinsam mit Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, mit unseren Städten und der Gemeinde im Kreis und mit unseren Unternehmen für nachhaltiges Wachstum arbeiten. Damit verbunden ist auch das Ziel, die Energiesicherheit für Bevölkerung und Wirtschaft zu stärken sowie die Infrastruktur für Verkehr und Digitalisierung zukunftsfest zu machen.

Es gibt gute Gründe darauf zu vertrauen, dass wir eine erfolgreiche Zukunft für unsere Heimat gestalten können. Wir haben es jetzt in der Hand, Rahmenbedingungen zu schaffen, die wirtschaftliche, soziale und Klimaziele gleichermaßen zur Geltung bringen. Ganz gleich, wie lange die einander überlagernden Krisen noch dauern, dürfen wir uns von ihnen nicht unnötig ausbremsen lassen. Vielmehr wollen und werden wir nach Kräften die Dynamik fortsetzen, die wir uns vor Corona erarbeitet hatten.

An ganz vielen Stellen gibt es bei uns eine unglaublich große Einsatz- und Hilfsbereitschaft. Deshalb möchte ich ausdrücklich allen danken, die sich im vergangenen Jahr im Rhein-Kreis für andere eingesetzt haben. Sei es im Kampf gegen das Virus oder bei der Unterstützung der Menschen aus der Ukraine, die wir hier aufgenommen haben. Für diese gelebte Solidarität bin ich zutiefst dankbar – wie auch für das große Engagement bei Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Kirchen, im Sport oder bei Verbänden und Vereinen.

Wir alle, liebe Bürgerinnen und Bürger, haben 2023 sicher noch schwierige Monate vor uns. Dennoch haben wir im Rhein-Kreis allen Grund weiter auf eine gute Zukunft zu setzen und können daher mit einer guten Portion Optimismus ins neue Jahr gehen.

So wünsche ich Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, dass auch die Pläne und Hoffnungen, die Sie für 2023 haben, in Erfüllung gehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes, erfolgreiches und vor allem gesundes Neues Jahr – und hoffentlich Frieden auch in der Ukraine.

(RKN.)
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