„Verein Alte Feuerwache“ Gespräch zwischen Stadt und Verein wurde abgebrochen

Grevenbroich · Die mehr als vierseitige Vorlage für die Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses am kommenden Dienstag in Sachen „Verein Alte Feuerwache“ ist in einem „schwurbeligen“ Sprachstil gehalten, der mehr offen lässt, als er deutlich macht. Und das sei auch Absicht, so der Bürgermeister.

Da war die Welt noch in Ordnung: Christian Abels, Andrea Kückels und Florian Herpel freuen sich über ein Lastenfahrrad von der Wirtschafsförderung für die „Alte Feuerwache“. Heute wird von ganz anderen (Alt)-Lasten gesprochen.

Da war die Welt noch in Ordnung: Christian Abels, Andrea Kückels und Florian Herpel freuen sich über ein Lastenfahrrad von der Wirtschafsförderung für die „Alte Feuerwache“. Heute wird von ganz anderen (Alt)-Lasten gesprochen.

Foto: SGV.

Viele der Hintergründe müssten im Dunklen bleiben, so Bürgermeister Klaus Krützen, um handelnde Personen (Mitarbeiter des Vereins, seines Vorstandes und aus der Verwaltung) „nicht zu beschädigen“.

Dass einiges aufgearbeitet werden muss, wird allerdings schon daran deutlich, dass die jüngste Besprechung des Vereins mit der Jugendverwaltung nach weniger als fünf Minuten abgebrochen wurde.

Seit der Gründung des „Verein Alte Feuerwache“ im Jahr 2017 (damals betrieben von Michael Heesch und Christian Abels) ist die Angebotsvielfalt stark gewachsen. Neben dem „Familienbüro“ an der Breite Straße, das unter der Trägerschaft des Vereins steht, arbeitet das zwölfköpfige Team aus qualifizierten Fachkräften zu den Schwerpunkten

kulturelle Jugendarbeit, digitale Jugendarbeit, erzieherischem Kinder- und Jugendschutz, Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Ferienprogrammen.

Das Jugendamt hat den Verein im Rahmen des Kinder- und Jugendförderplans beauftragt, Leistungen und Angebote in diesen Handlungsfeldern zu erbringen. Dies gelingt dem Verein erfolgreich, dennoch soll im Jugendhilfe-Ausschuss entschieden werden, ob und wie viel Zuschüsse der Verein in Zukunft noch bekommen soll.

Jugend-Dezernent Florian Herpel bietet drei Beschluss-Varianten an. Ein Möglichkeit: Flossen bisher 630.000 Euro im Jahr, sollen es demnächst nur 490.000 Euro sein. Andere Möglichkeit: Die Zusammenarbeit wird komplett beendet, die Aufgaben auf die neue „Kinder- und Jugendhilfe gGmbH“ übertragen, die Herpel und Abels als „verlängerten Arm des Jugendamtes“ ins Leben gerufen haben.

„Es droht im schlimmsten Fall die Schließung des Familienbüros und das Einstellen aller Leistungen der Kinder- und Jugendarbeit des Vereins“, heißt es in einer Stellungnahmen des Vereins-Vorstandes. Das würde natürlich umso mehr gelten, wenn ein anderer Vorschlag aus der Sitzungsunterlage umgesetzt würde: Herpel schlägt nicht nur die Kürzung der Zuschüsse vor, sondern fordert gleichzeitig auch, dass die Stadt die Nutzung der „Alten Feuerwache“ ab dem kommenden Jahr mietmäßig in Rechnung stellt.

Da im vergangenen Dezember Christian Abels den Vorsitz im „Verein Alte Feuerwache“ abgegeben hatte (eine Auflage der Aufsichtsbehörde) und seinen Platz Heike Troles (CDU) einnahm, werden hinter den missglückten Verhandlungen zwischen Verein und Stadt „politische Gründe“ vermutet. „Es ist erstaunlich, dass ein überparteilicher und nicht politisch ausgerichteter Verein in eine derart prekäre Situation gebracht wird, in der nicht nur Existenzen auf dem Spiel stehen, sondern auch der Fokus auf dem eigentlichen Kern der Arbeit – nämlich die Stärkung von Kindern und Jugendlichen und Familien – völlig verloren geht“, heißt es in ihrer Stellungnahme.

Dezernent Herpel stand dem Erft-Kurier für ein Gespräch übrigens nicht zur Verfügung, beantwortete aber ein paar schriftliche Fragen: „Das hat alles nichts mit der Besetzung des Vorstandes des ,Verein Alte Feuerwache‘ zu tun (wie es ebenfalls kolportiert wird)?“, lautete die eine Frage. Florian Herpels Antwort fiel ebenso kurz wie deutlich aus: „Ja.“

Ins Leben gerufen wurde der Verein seinerzeit, um für die Grevenbroicher Jugendarbeit neue Fördertöpfe zu erschließen, von denen die Stadt ausgeschlossen ist. Das gelang auch: Im vergangenen Jahr waren es knapp 300.000 Euro, die requiriert werden konnten.

Übrigens sollen die Mitglieder des Jugendhilfe-Ausschusses nicht-öffentlich weitergehende Informationen bekommen. Vielleicht kommt dann mehr Licht in dieses doch recht umfassende Dunkel.

(Gerhard P. Müller)
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