1. Grevenbroich

Der Strukturwandel holpert noch: „Viele Visionen, wenig Greifbares“

Der Strukturwandel holpert noch : „Viele Visionen, wenig Greifbares“

Es ist ein mäßig gutes Zeugnis, dass die IHK den Kommunen Grevenbroich, Rommerskirchen und Jüchen ausstellt. Die Unternehmer hier sind jedenfalls „unzufriedener als in der Gesamtregion“, weiß IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Grevenbroich. Die IHK hat jetzt „Kommunalpolitische Positionen“ veröffentlicht, die sie als „Leitfaden für die kommenden fünf Jahre“ verstanden wissen will. Sie basieren unter anderem auf der Befragung von 2.000 Unternehmern aus der Region, deren Meinung voll zu Buche geschlagen habe.

Dass diese „Positionen“ in einer der größten Wirtschaftskrisen aller Zeiten (nur 20 Prozent der Unternehmen bewerten die aktuelle Lage als gut, über 40 Prozent dagegen als schlecht, wobei über 60 Prozent von einer weiteren Verschlechterung (Erholung frühestens Ende 2021) ausgehen) entstanden, macht diese sicherlich nur noch wertvoller.

Doch nun zu den einzelnen Städten: In Grevenbroich wird von den Unternehmen zum Beispiel die Höhe der Parkgebühren kritisiert. Insgesamt gehen sie mit den kommunalen Steuern und Abgaben hart ins Gericht. Darüber hinaus werden auch fehlende Gewerbeflächen moniert.

In Jüchen wird dagegen das City-Management kritisiert; es wird eine Stärkung des stationären Einzelhandels speziell rund um den Jüchener Markt gefordert. Die Infrastruktur und die verkehrstechnische Anbindung werden allerdings positiv gesehen.

„Die Muster-Kommune gibt es im Rhein-Kreis nicht, aber in Grevenbroich, Rommerskirchen und Jüchen sind die Unternehmer jedenfalls unzufriedener als in der Gesamtregion“, berichtet Steinmetz, der gerade den Einsatz in Sachen Strukturwandel kritisch sieht: „Der Rhein-Kreis muss noch nachlegen. Die anderen Kreise aus dem ,Rheinischen Revier’ haben sich deutlich früher auf den Weg gemacht“, betont er und verweist schlicht auf die Anzahl der Projekte.

Allerdings: Bis dato gebe es „viele Visionen, aber wenig Greifbares“. Dabei sei es wichtig, dass die Region zu „Kern-Investitionen“ komme. „Neue Radwege finde ich auch schön, aber wenn es bei solchen Projekten bleibt, dann haben wir alle was falsch gemacht“, resümiert der IHK-Mann.

Eine der wesentlichen Forderungen der IHK ist es übrigens, in den kommenden Jahren die Innenstädte neu zu denken. Es gebe viel zu viel Einhandelsflächen in den Zentren, die in Zukunft gar nicht mehr gebraucht würden.

Hier müsse eine Konzentration geschafft werden, die mehr Aufenthaltswert, eine andere Nutzung und damit auch eine höhere Frequenz bringen werde.

Steinmetz verweist dabei auf das aktuelle „Soforthilfeprogramm Innenstadt“, das das Land aufgelegt hat, um die Leerstände in den Innenstädten zu bekämpfen. Mit den Mitteln sollen die Kommunen in die Lage versetzt werden, Leerstände selbst anzumieten oder gar zu kaufen, um dort für Belebung (vom Kunsthandwerker, der dort arbeitet, bis hin zur so genannten „Pop-Up-Galerie“) zu sorgen.Gerhard Müller