Als Grund für die Kündigung nannte die Stadt Jüchen erhebliche Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren sowie die langwierigen Verhandlungen mit den am Tierheim Oekoven beteiligten Kommunen aufgrund sehr unterschiedlicher Vorstellungen hinsichtlich der künftigen Kostenentwicklung. Während man dem Tierheim Oekoven „für die langjährige, vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit“ dankte, fühlte sich eben jener Partner wie vor den Kopf gestoßen, nach über 50 Jahren Zusammenarbeit die Kündigung erhalten zu haben.
Vor wenigen Tagen teilte der Tierschutzverein für den Rhein-Kreis Neuss, Träger des Tierheims Oekovens, nun mit: Die am 11. Juni 2026 bei ihm eingegangene Kündigung der Fundtiervereinbarung für das Stadtgebiet Jüchen werde nach eingehender Prüfung von seiner Seite als nichtig angesehen. Vor diesem Hintergrund werde das Tierheim seiner Aufgabe, Fundtiere aus dem Stadtgebiet Jüchen im Rahmen der kommunalen Pflichtaufgabe für die Stadtverwaltung aufzunehmen und zu versorgen, weiterhin uneingeschränkt nachkommen. Wie sich diese Rechtsauffassung auf die von der Stadt Jüchen angekündigte beziehungsweise abgeschlossene Vereinbarung mit einem anderen Tierheim im Rhein-Kreis Neuss auswirke, könne der Tierschutzverein nicht beurteilen.
Die Kündigung sei vonseiten des Vereins rechtlich genau geprüft worden, wie Benjamin Pasternak, Vorsitzender des Tierschutzvereins, auf Nachfrage, wie es zu dieser Entscheidung kam, mitteilte. Dabei seien gleich mehrere Punkte festgestellt worden, die die Kündigung aus Sicht des Vereins unwirksam machten. So sei beispielsweise die Kündigungsform nicht richtig gewesen, außerdem: „Nach 52 Jahren Bestand wurde der Vertrag ohne Kündigungsfrist und rückwirkend gekündigt“, erklärt Pasternak, „nach dieser Zeit würde die Kündigungsfrist eigentlich mehrere Jahre betragen“. Laut ihm liege der Stadt ein rechtliches Schreiben zu diesem Sachverhalt seit gut einer Woche vor, eine Antwort habe er bisher nicht erhalten.
Dass sich die Gespräche bezüglich neuer Verträge zwischen den Kommunen und dem Tierheim Oekoven hinziehen, das ist auch Pasternak bewusst. Die wachsenden Beiträge, die von der Stadt Jüchen bemängelt wurden, seien aber gerechtfertigt, um zum einen die Versorgung der Tiere zu gewährleisten, zum anderen die Gehälter der Tierheim-Mitarbeiter abzudecken. Worüber der Vorsitzende sich besonders ärgert: Die Stadt Jüchen sei vor dem Abschluss des neuen Vertrags mit dem Tierheim Bettikum nicht auf ihn zugekommen. „Wir hätten vor diesem Schritt miteinander reden können.“
Für die Stadt ist derweil am Vorgehen weiterhin alles rechtens, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilte: „Die Stadt Jüchen ist als Fundbehörde maßgeblich verantwortlich für Organisation und Vertragsgestaltung. Ein Anspruch des Tierheims auf Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit besteht aus Sicht der Stadt Jüchen nicht.“ Die Stadt Jüchen betont ausdrücklich, dass sie als zuständige Fundbehörde über die Organisation der Fundtierunterbringung allein entscheide. Es sei eine neue vertragliche Basis mit dem Tierheim Bettikum als Vertragspartner für die Fundtierunterbringung geschaffen, weswegen das bisherige Tierheim Oekoven nicht mehr als offizieller Fundtierpartner der Stadt Jüchen geführt werde. Ergo: Fundtiere aus dem Stadtgebiet gehen ausschließlich an das Tierheim Bettikum.
Das letzte Wort scheint für das Team vom Tierheim Oekoven aber noch nicht gesprochen. Weitere Schritte würden geprüft, so Benjamin Pasternak. Wer in diesem Fall im Recht ist, das wird wohl die Zeit zeigen. Bleibt zu hoffen, dass die Tiere dabei nicht auf der Strecke bleiben ...