Die DB InfraGO AG plant im Rahmen des Strukturwandel-Projektes „S-Bahnausbau S6 Köln-Mönchengladbach“ über das Investitionsgesetz Kohleregion den barrierefreien Umbau des Bahnhofs Jüchen. Die Planungen der Bahn sollen dabei auf Wunsch der Stadt Jüchen so ergänzt werden, dass der Bahnhaltepunkt mit der Unterstützung aus Strukturwandelmitteln zu einem modernen und attraktiven Mobilitätsknotenpunkt ausgebaut wird.
Jan Martin von der Heide vom Amt für Stadtentwicklung, selbst Bahnpendler, ist froh, dass nach zwei Jahren Vorbereitung nun die Planungsvereinbarung unterzeichnet wurde. Bis zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2037 solle der Bahnhaltepunkt umgebaut und nicht nur als attraktiver Ankunftsort für die zahlreichen zu erwartenden Besucher dienen, sondern fortan als Scharnier zwischen dem gewachsenen Zentrum Jüchens und der Tagebaufolgelandschaft mit dem geplanten Stadtteil Jüchen-Süd fungieren.
Dafür solle der Bahnhof zum einen von Norden, also von der Stadt aus, mit einer großzügigen barrierefreien Rampe erschlossen werden. Diese solle auf Wunsch der Stadt großer werden, als es der Bahn-Standard für Barrierefreiheit vorsehe. Gleiches gelte für die von Norden kommende Unterführung, die die Bahnsteige erschließen solle. Jan Martin von der Heide betont dabei: „Bei der nördlichen Zuwegung handelt es sich zunächst um eine Konzeptstudie. Ob alles genau so kommt, wissen wir noch nicht. Aber es ist der Input, den wir für die nächsten Schritte einbringen.“
Zum anderen solle eine breite von Süden kommende Unterführung gebaut werden als Zuwegung vom künftigen Stadtteil Jüchen-Süd. Über den südlichen Bereich solle dann auch die Busanbindung stattfinden, dafür sei die Fläche im Norden zu klein, und ein Mobilitätshub entstehen. Dass bei diesem „Jahrhundertprojekt“, so der Bürgermeister, über den Standard hinausgegangen werden soll, freue alle Beteiligten. Insbesondere mit Blick auf Jüchen-Süd sei es wichtig, schon jetzt für die Zukunft weiterzudenken und entsprechend Anbindungen vorzubereiten.
Sonja Kosche, Bahnhofsmanagerin der DB InfraGO für den Raum Düsseldorf, unterzeichnete die Planungsvereinbarung mit Bürgermeister Philipp Sieben und zeigte sich begeistert von der Zusammenarbeit: „Im Normalfall würden wir nach Standard bauen. Aber in der Gemeinschaftsarbeit ist es hier möglich, das Ganze attraktiver zu gestalten. Das ist auch in unserem Interesse, denn wir möchten Bahnhöfe ganzheitlich entwickeln – über die Grundstücksgrenzen hinaus in enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit der Kommune. Perspektivisch wird der Bahnhof ein Schmuckstück werden.“
Der Stadt Jüchen wurde die Vereinbarung mit Hilfe der Starke Projekte GmbH, ein Unterstützungsangebot des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW, unter Einsatz von Fördermitteln des Bundes und des Landes ermöglicht. Sie hat die Qualifizierung des Projekts maßgeblich begleitet. Mit Unterstützung von STARK-Fördermitteln konnten eine städtebauliche Rahmenplanung erarbeitet und die notwendigen Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren mit fachlicher Unterstützung durch die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH erfolgreich durchgeführt werden.
Bei einem Projekt dieser Größenordnung, das erst in den Kinderschuhen steckt, bleibt die Frage: Wann wird mit der konkreten Umsetzung begonnen? Das Ziel, den Bahnhof rechtzeitig zur IGA 2037 fertigzustellen, sei von Beginn an klar kommuniziert worden, betont Jan Martin von der Heide. „Die IGA ist eine ganz wichtige Sache für uns. Dieses Ziel wurde auch vorne in der Planungsvereinbarung festgehalten“, erklärt er.
Wie Bürgermeister Philipp Sieben ergänzt, werde mit einem Sicherheitspuffer geplant: „Es können immer Dinge schief gehen, Material knapp werden ... wir wollen nicht erst zwei Wochen vorher fertig werden, sondern 2036.“ Für detaillierte Zeitpläne sei es aber noch zu früh, erklärt da auch Sonja Kosche. Weil noch nicht zu 100 Prozent feststehe, was wie umgesetzt werde, könne erst zu einem späteren Zeitpunkt gesagt werden, wann die Bagger anrollen.
Mit der Unterzeichnung der Planungsvereinbarung beginnt nun auf jeden Fall die nächste Phase des Projekts. Gegenstand der Vereinbarung sind erste Planungen des barrierefreien Ersatzneubaus mit einer attraktiven Zugangssituation aus Richtung des Stadtzentrums mit einer großzügigen Rampe und einer breiten Unterführung zu den Bahnsteigen. Zu den weiteren anstehenden Aufgaben für die Stadt Jüchen gehören die weitere Konkretisierung der Planungen, die Vorbereitung und Einreichung eines investiven Förderantrags im Programm STEP Rheinisches Revier sowie die Neuplanung des südlich gelegenen Abschnitts, der Unterführung unter der Autobahn 46.