Braunkohle Strukturwandel Restsee RWE Garzweiler

Scheitert Traum vom Restsee am Widerstand der Schiffer? : Josef Pohl hat einen ganz anderen Plan fürs RWE zur Hand

In 30, 40 Jahren soll der Garz-weiler-Restsee das zweitgrößte deutsche Binnengewässer nach dem Bodensee sein. Gespeist werden soll er mit Rheinwasser. Doch der ist wegen des Klimawandels eh in Gefahr, spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts trocken zu fallen, haben einige Klimaforscher berechnet. „Den See wird es nie geben“, ist denn auch Josef Pohl überzeugt.

Sinsteden. Josef Pohl wohnt seit vielen Jahren zwischen Allrath und Sinsteden am Rande des Bongarder Hofes. Die Formulierung „im Schatten der Kühltürme“ trifft für sein Daheim im wörtlichen Sinne zu. Schon oft hat er die RWE-Verantwortlichen auf technische Probleme hinweisen können, bevor die in der Anlage selbst zur Kenntnis genommen wurden.

Außerdem ist er natürlich ganz nah dran an der heimischen Landwirtschaft, die vom Plan, in fünf Metern Tiefe eine zwei Meter mächtige Düker-Leitung (Hochdruckleitung) quer durch die Felder getrieben zu bekommen, natürlich nicht sehr begeistert ist.

Zudem ist sein Sohn Binnenschiffer, seit vielen Jahren auf dem Rhein unterwegs und im „Bund Deutscher Binnenschiffer“ aktiv. Und aus genau dieser Richtung kann Josef Pohl mit zwei Informationen aufwarten: „Wir haben noch keine Erkenntnisse, dass der Rhein angezapft werden soll. Falls das dennoch geschehen sollte, werden wir mit Sicherheit eingebunden“, zitiert er aus einem Antwortschreiben des „Bundesamtes für Wasserwirtschaft und Schifffahrt“ mit Sitz in Karlsruhe. Und Jens Schwanen, Geschäftsführer des „Bundes Deutscher Binnenschiffer“, zitiert Pohl wie folgt: „Wir Binnenschiffer nicht nur in Deutschland werden uns mit allen Mitteln gegen diesen Schwachsinn zur Wehr setzen.“ Immerhin empfinden sie ein massives Abpumpen von Rheinwasser als existenzbedrohend. Und das nicht nur in „jahrhunderttrockenen“ Sommern. Da der Rhein ein internationales Gewässer, eine internationale Schifffahrts-Straße sei und somit internationalem Recht unterliege, könne man zur Not bis zum europäischen Gerichtshof gehen, wettert der knorrige Rentner, der von dem geplanten Restsee nun einmal gar nichts hält (...und der die heimische Landwirtschaft bei allen Protesten dagegen vollauf unterstützen würde). Josef Pohl hat einen ganz anderen Vorschlag, wie das RWE das zurückbleibende Loch füllen sollte: „Ganz einfach die Sophienhöhe abtragen und in die Grube kippen“, so sein Vorschlag.

Zum einen habe das RWE jede Menge Kies aus der Grubenregion abgefahren und zu Geld gemacht. Zum anderen könnten die Mitarbeiter (die noch nicht im rentenfähigen Alter sind) für einige weitere Jahre beschäftigt werden. „Und wenn das alles ordnungsgemäß verdichtet wird, sackt Jüchen auch nicht.“ Diese Gefahr sieht Pohl nämlich, wenn es zu dem Rheinwasser-Restsee kommen sollte...Gerhard Müller