Am Schützenfest-Samstag Erste „Pride Parade“ in Kapellen: „Lächeln und winken“

Kapellen · „Ich finde es toll, dass wir das mit so wenig Arbeit hinbekommen haben. Man hat uns wirklich keine Steine in den Weg gelegt“, strahlt Nathanael L. Voß, der zusammen mit Laura Finck und Alex Plaul die erste „Pride Parade“ in Grevenbroich, konkret für Kapellen, auf die Straße stellt.

Nathanael L. Voß (32) ist Gothic-Fan, hat Jura studiert, engagiert sich vielfältig und ist stolz auf seine Haarpracht, die wachstumstechnisch „Endstufe“ erreicht habe.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Die Polizei habe gute Tipps gegeben. Beim CSD-Verband und beim örtlichen BSV habe man Unterstützung erhalten. „Bisher gab es wirklich nur positive Erfahrungen“, resümiert Voß.

„Pride-Paraden“ sind Demonstrationen und Feiern der LGBTQIA+-Community für Gleichberechtigung, Vielfalt und gegen (sexuelle) Diskriminierung. Die bekanntesten werden als „Christopher Street Day“ weltweit abgehalten.

Laura Finck (Autismus-Therapeutin) und Alex Plaul (Veranstaltungstechniker) wohnen seit fünf Jahren in Kapellen „und so langsam wollte man Flagge zeigen“, formuliert Voß. Und er schließt damit, dass es „im ländlichen Raum noch etwas mehr Präsenzbedarf“ gebe. Im Durchschnitt sei man in Städten auch in diesem Themenbereich „aufgeschlossener und liberaler“, während man auf dem Land konservativer sei.

Und so entstand der Gedanke, eine „Pride-Parade“ quasi direkt vor der Haustür auf die Beine zu stellen. „Wir fangen ganz klein an“, lacht Voß. 40 Teilnehmer habe man angemeldet. Die zehn Ordner und drei Organisatoren seien aber auch in der Lage, bis zu 100 Demonstranten auf dem Marschweg zu halten.

Als die drei zusammensaßen und das Konzept entwickelten, einigten sie sich auf den 6. Juni als Veranstaltungstag. Erst später stellten sie fest, dass dieser Tag auch den Beginn des Kapellener Schützenfest markiert.

Sofort seien Gerüchte durch den Ort gewabert, sie wollten dieses Schützenfest „crashen“. Deshalb suchten Voß & Co. das Gespräch mit dem Schützenpräsidenten. Die Botschaft: man wolle „durchs Dorf in Liebe und Frieden“ ziehen. Und: „Wir wünschen ausdrücklich keine Provokation, Konfrontation oder Missionierung. Wir wünschen uns ausdrücklich Frieden, Freude, Positivität.“

Wenn man „Kanonen oder Tamburinen“ begegnet, gelte die Pflicht: „Lächeln und winken“. In diesem Sinne sei man mit dem Schützen-Präsidenten schnell einig geworden.

Losgehen soll es am 6. Juni um 16 Uhr von der Ecke Tal-/Neusser Straße. Und Nathanael L. Voß verspricht: „Wir putzen uns schon raus. Wir machen uns fesch“.

Der Zug werde „etwas bunter“, mit vielen Regenbogen-Flaggen in den unterschiedlichsten Spielarten. „Der ein oder andere wird sich schon Mühe geben mit Make-up und Outfit.“

Die Aktion wird für die Drei zum Erfolg, „wenn wir für Sichtbarkeit gesorgt haben“. Zwei Stunden Fußweg haben sie dafür Zeit ...