Und das in einem um 1900 gebauten Bauernhaus, das in den Jahren schon viel mitgemacht hat: Dort gab es eine Pommesbude (die in Uedesheim eher verschrien war) und ein Geschäft. Dann wurden aus dem Haus zwei Wohneinheiten gemacht; Reinholds Vorgänger in der Haushälfte baute den Wintergarten an. „Das Haus ist sehr schief. Die Decken sind niedrig. Und es gibt keinen Keller“, resümiert die Landrätin. Später fügt sie an: „Es ist Fachwerk. Dadurch hat das Haus eine besondere Atmosphäre. Die Wohnung ist wirklich gemütlich.“ Da zudem die Fußböden ebenfalls pures Holz sind, „knarzt und knackt es überall“.
Früher war das Haus das letzte vor dem Rhein. Anfang der 2000er wurde dann die „Allmende“ als hochwertiges Wohngebiet gebaut. Eigentlich gilt dieser Bereich als hochwassersicher. Und die Landrätin braucht sich eh keine Sorgen zu machen, da das Haus ja keinen Keller hat. Im angrenzenden Neubaugebiet soll es aber schon mal „nasse Füße“ gegeben haben.
Apropos: Im Garten hinter dem Haus soll es – neben einem Brunnen – auch einen Kartoffelkeller geben. „Der soll da sein, wir wissen aber nicht wo“, lacht Katharina Reinhold. Sie hoffe nur, dass eines Tages nicht irgendjemand mit dem Keller einstürzen würde …
Vor 16 Jahren wurde das Wohnhaus kernsaniert („Dach und Fundament müssen solide sein“.). In diesem Zuge wurde dann auch der Dachboden ausgebaut, so dass der vierköpfigen Familie 180 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen. „Die Wände sind sehr dick“, so Reinhold, was dazu führe, dass kein besonderer Energieaufwand erforderlich sei. Im Winter reiche der kleine Ofen, um die „Bude“ zu erwärmen. Und im Sommer bliebe es drinnen angenehm kühl.
Das Wohnzimmer, mit direktem Durchgang zur kleinen, leicht winkeligen Küche, wird dominiert von einem alten Bauernschrank, einer ererbten Standuhr und einem weißen Klavier. Ihr zweiter Mann spiele es, sagt Katharina Reinhold: „Ich kann das nur bewundern. Ich hatte in der Jugend auch Klavierunterricht. Der Klavierlehrer hat dann aber meinen Eltern gesagt, sie sollten das Geld anders, besser investieren“.
In der Uedesheimer Dorfgemeinschaft seien die Reinholds schnell angekommen. „Mit Kindern ist man sofort mitten im Dorfleben“, erinnert sie sich: KiTa, Grundschule und Sportverein seien dabei die entscheidenden Scharniere. „Ich war mit beiden Jungs beim Kinderturnen“, erzählt die noch neue Landrätin. Später ging es dann zum Fußball, bevor der Ältere sich für Leichtathletik entschied, während der Jüngere zur inklusiven Mannschaft in Weckhoven wechselte.
„Ich war sehr befreundet mit der Frau des Platzwartes. Die beiden haben mich auch stark unterstützt, als mein erster Mann krank wurde“, so Reinhold dankbar. Ja, es sei eine „extrem gute Nachbarschaft mit vielen, guten Verbindungen“. Das zeigt sich unter anderem auch dann, wenn die Reinholds im Rahmen der „Adventsfenster“ einladen. Wenn im Garten mit Nachbarn gefeiert wird. Wenn man sich dort zum Grillen trifft.
Und schließlich fällt noch mal der Begriff vom „Bullerbü“: „Uedesheim ist wirklich etwas Besonderes, ein dörfliches Bullerbü – direkt am Rhein – direkt an der Landeshauptstadt – an Urbanität angekoppelt, kann man hier beschaulich leben“. Einzig die Anbindung ans Bus-Netz lässt noch Wünsche offen: Zwar fährt tagsüber zweimal die Stunde ein Bus nach Neuss, aber „es ist schon schwierig für junge Leute“.
Der Große habe sich deshalb auch ein Auto zugelegt. Er muss mehrmals die Woche zum Training beim TSV Dormagen und nach Trainingsende komme kein Bus mehr. Dann musste also das „Mama“- beziehungsweise „Papa-Taxi“ zum Einsatz kommen. Also arbeitete er bei „McDonalds“ an der Autobahn, sparte das Geld und legte sich ein kleinen, älteren Mini-Cooper zu. Erziehung zur Selbstständigkeit à la Katharina Reinhold.
Gerhard P. Müller
für „R(h)einlokal“