NGG zur Gesundheitsreform Medikamente günstiger und nicht teurer machen

Grevenbroich · Wenn das Kranksein demnächst aufs Portemonnaie drückt: „Wer im Rhein-Kreis zum Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Ina Korte-Grimberg von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Wer krank ist, soll nicht noch zusätzlich leiden: „Höhere Zuzahlungen für Medikamente gehen ins Geld. Außerdem kann der Staat die Mehrwertsteuer für Arzneimittel von derzeit 19 auf künftig sieben Prozent senken und so Patienten und Krankenkassen entlasten“, sagt Ina Korte-Grimberg von der Gewerkschaft NGG Krefeld-Neuss. Darauf sollen die heimischen Bundestags-Abgeordneten achten, wenn sie demnächst über die Gesundheitsreform abstimmen. Außerdem lehnt die NGG die geplante Teilkrankschreibung ab.

Foto: NGG.

Die Geschäftsführerin der NGG Krefeld-Neuss kritisiert das geplante Sparpaket im Gesundheitsbereich, das die Bundesregierung „stark zu Lasten der Versicherten verordnen“ wolle: „Für Medikamente sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro dazu zahlen, mindestens aber 7,50 Euro. Das läppert sich und drückt auf die Haushaltskasse – neben hohen Ausgaben für Sprit, Lebensmittel, Miete & Co.“

Heute dagegen liege die Zuzahlung bei fünf Euro und sei bei zehn Euro gedeckelt. Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Krefeld-Neuss für eine reduzierte Mehrwertsteuer bei Medikamenten aus. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen: Sieben statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken im Rhein-Kreis an Arzneimitteln über den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt Ina Korte-Grimberg.

Wenn Medikamente geringer besteuert würden, könnte dies vor allem auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. „Die geplanten Zuzahlungen könnten dann wieder nach unten rutschen“, so die NGG-Geschäftsführerin.

Heftige Kritik kommt von der Gewerkschaft an der Teilkrankschreibung, die die Bundesregierung ebenfalls plant: „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet“, sagt Ina Korte-Grimberg. Homeoffice und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sollen das möglich machen, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. „Das sind aber blanke Schreibtischplanungen“, ärgert sich Ina Korte-Grimberg.

Die NGG-Geschäftsführerin verweist auf die Praxis: „Nehmen wir einen Bäcker oder eine Köchin im Rhein-Kreis. Auch die sollen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig sein können, wenn sie eigentlich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit“, so Ina Korte-Grimberg. Aber in einer Backstube gebe es genauso wie in einer Restaurantküche „zu jeder Minute Zeitdruck und Stress“. Denn die Brote müssten morgens ab 2 Uhr in den Ofen und die Gerichte abends um 20 Uhr auf den Teller. „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke“, sagt die NGG-Geschäftsführerin. Das unterscheide die Arbeit in Bäckereien und der Gastronomie vom „Schreibtisch-Job im Rathaus“.

Unterm Strich sei die Gesundheitsreform in Sachen Teilkrankschreibung nichts anderes als eine Verschärfung der Krankschreibung. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen. „Aber gerade das ist heikel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß. Das kann mit ‚sanftem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knallhart-Ansage passieren“, befürchtet Ina Korte-Grimberg.

Beides sei jedoch „wenig hilfreich“, wenn es darum gehe, gesund zu werden. An die Adresse der CDU- und SPD-Bundestags-Abgeordneten aus dem Rhein-Kreis und der Region gerichtet, appelliert die Geschäftsführerin der NGG Krefeld-Neuss, „alles daranzusetzen, die Gesundheitsreform in puncto Zuzahlung und Medikamenten-Mehrwertsteuer zu ändern sowie von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.

(-ekG.)
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