Die Bundesregierung plant die Einführung einer Zuckerabgabe: Laut Entwurf des „Gesetzes zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung“ (GKV) soll die Bundesregierung in einem noch folgenden Gesetz beschließen, ab 2028 eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen. Details sind noch nicht bekannt; weder welche Zucker gemeint sind (Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker, …) noch welche Grenzwerte gelten und welche Getränke ausgenommen werden sollen.
Das Ziel steht jedoch fest: Es sollen 450 Millionen Euro pro Jahr eingenommen werden, die die GKV entlasten sollen.
Der Gesetzesentwurf steht in zeitlichem Zusammenhang mit dem „Ersten Bericht der FinanzKommission Gesundheit“ vom 30. März 2026 mit Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur GKV ab 2027. Darin wird nacheinander eine Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer sowie die Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte Getränke vorgeschlagen.
Diese Verkettung von Giftstoffen mit einem Lebensmittel findet der Vorsitzende des Agrarausschusses der CDU im Rhein-Kreis, Dr. Harald Freiherr von Canstein, Biologe und Imker, verheerend:
„Während Tabak und Alkohol erwiesenermaßen giftig sind, ist Zucker ein Lebensmittel. Diese Verkettung ist gefährlicher Unsinn! Es ist bekannt, dass Adipositas und Diabetes von unterschiedlichen Faktoren abhängen; die wichtigsten sind die Ernährungsmenge (Kalorien), das Maß an Bewegung und nicht zuletzt das Mikrobiom, das heißt die Bakterien in unserem Darm. Eine Verengung auf nur einen ,Schuldigen’ ist nicht zulässig. Richtig ist, dass ein zu hoher Zuckerkonsum zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Gleiches gilt aber auch für Fette und Proteine, denn bei allen Nährstoffen gilt: Die Dosis macht das Gift! Das wusste schon Paracelsus.“
Für die Landwirte im Rhein-Kreis ist die Zuckerrübe zudem eine wichtige Frucht, nicht zuletzt wegen vieler positiver Effekte in der Fruchtfolge. Hierzu der Landwirt Bernd Olligs aus Rommerskichen:
„Die Zuckerrübe ist gut für den Boden und das Grundwasser: Sie zieht sehr viele Nährstoffe aus dem Boden, auch Stickstoff, was insbesondere vor Beginn des Winters sehr wichtig ist, weil gerade im Winter überschüssiger Stickstoff im Boden ins Grundwasser verlagert. Es gibt keine andere Sommerung [Früchte, die von Frühling bis Herbst wachsen], die mit so wenig Stickstoff auskommt und damit so gut für Boden und Grundwasser ist.“
Die Zuckerrübe ist ökonomisch und ökologisch wichtig, so Olligs: „Die Landwirtschaft ist anfällig für ökonomische wie wetterbedingte Krisen: Starkregen und Dürre oder einbrechende Weltmarktpreise. Je breiter ein Landwirt in der Fruchtfolge aufgestellt ist, desto Krisen-resilienter ist er. Die Rübe ist besonders in den Sommermonaten krisenfest, da dann die Gefahr von Niederschlagsmengen am höchsten ist und die Rübe Starkregen am besten wegsteckt. Eine Fruchtfolge mit Zuckerrüben hat noch weitere Vorteile: Wenn im Sommer die Getreidefelder abgeerntet werden, bieten Rüben ein Refugium für Niederwild bis hin zu Rehen. Die Zuckerrübe ist auch beliebt bei Feldlerchen, die ansonsten nur mit größerem Aufwand wie Lerchen-Fenster angesiedelt werden können.“
Die Landwirte plädieren für Eigenverantwortung und Aufklärung gleichermaßen über alle Ursachen von Diabetes und Adipositas. Bernd Olligs ist sich zudem sicher, dass eine Steuer nicht das Problem lösen wird, da die Alkohol- oder Tabaksteuern wenig effektiv sind.
Dr. von Canstein zieht ein Fazit aus der englischen Zuckersteuer auf Soft-Drinks, die 2018 eingeführt wurde: Der Zuckerkonsum sei zwar gesunken, die Zahl adipöser Kinder jedoch nicht.