Fünf Fraktionen sehen viele Vorteile in der Landes-ZUE ... auch wenn nicht alle Ängste der Bürger ausgeräumt sind!

Grevenbroich · Wenn am Mittwoch die Mitglieder des Rates zusammenkommen, dann sollen sie auf Vorschlag der Verwaltung das Konzept einer Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) als Landesaufnahmeeinrichtung mit einer Kapazität von bis zu 400 Personen auf dem Gelände „Lange-Walker“ beschließen.

 Schon in der jüngsten Ratssitzung sorgte die Unterbringung von Flüchtlingen zu heftigen Diskussionen.

Schon in der jüngsten Ratssitzung sorgte die Unterbringung von Flüchtlingen zu heftigen Diskussionen.

Foto: KV/Gerhard P. Müller

Bürgermeister Klaus Krützen verweist in der Vorlage noch einmal auf die Vorteile, die die Errichtung einer Landesaufnahmeeinrichtung gegenüber einer herkömmlichen städtischen Notunterkunft aufweisen kann: Die in einer ZUE untergebrachten Flüchtlingen werden 1:1 auf die Aufnahmequote der Stadt Grevenbroich angerechnet.

Dies habe zur Folge, „dass vor Ort weniger eigene Unterkünfte errichtet werden müssen“. Und: „Eine Schulpflicht wird für die dort untergebrachten Kinder nicht ausgelöst, dies entlastet die Grevenbroicher Schulen. Durch eine eigene Kinderbetreuung werden auch keine Einrichtungsplätze in städtischen Tageseinrichtungen beansprucht.“

Dennoch sei die Einrichtung in dieser Größe in der Bürgerversammlung kontrovers diskutiert worden: „In der Natur der Angelegenheit liegend, konnten nicht alle Bedenken gegen eine Einrichtung für geflüchtete Menschen ausgeräumt werden. Unter Einbeziehung der geäußerten Bedenken“ schlägt die Verwaltung dennoch vor, eine ZUE auf dem „Lange-Walker“-Gelände einzurichten.

Auf der zwischen den Ortsteilen Wevelinghoven und Kapellen liegenden 12.000 Quadratmeter großen Fläche sollen bis zu 400 Plätze eingerichtet werden. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von  80 Prozent dürfte es sich in der Regel um nicht mehr als 320 Personen handeln, die zeitgleich in der Unterkunft betreut werden, so der Bürgermeister. Die Verweildauer in einer ZUE betrage in der Regel zwischen drei und 16 Monaten.

Und Krützen kann wohl wieder mit einer deutlichen Mehrheit im Rat rechnen: SPD, „Grüne“, „Mein GV“, FDP und UWG haben Zustimmung signalisiert. Nur die CDU hält an der dezentralen Unterbringung fest und wirft dem Bürgermeister „Selbstherrlichkeit“ vor (lesen Sie im Internet unter https://www.erft-kurier.de/grevenbroich/cdu-haelt-an-ihrem-konzept-der-dezentralen-fluechtlingsunterbringung-fest_aid-103143723),

SPD-Chef Daniel Rinkert: „Im Rahmen der Bürgerversammlung konnten viele Bedenken zur ZUE ausgeräumt werden. Insbesondere wurde deutlich, dass die Betreuung der geflüchteten Menschen in einer ZUE qualitativ deutlich besser ist, als dies in städtischen Einrichtungen möglich wäre.“

„Grünen“-Chef Peter Gehrmann: „Ohne eine Entscheidung für die Unterkünfte im November wäre eine Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen nicht mehr vermeidbar gewesen.  Kaarst und Korschenbroich sind hier nicht rechtzeitig ins Handeln gekommen und der Schul- und Vereinssport muss dort wieder zurückstecken.“

FDP-Chef Markus Schumacher: „Eine ZUE bringt enorme Kostenvorteile bei gleichzeitig besserer Betreuung der Geflüchteten sowie eine Entlastung der örtlichen KiTas.“ Martina Suermann-Igné von „Mein GV“: „Vor dem Hintergrund, dass in der Bürgerversammlung durch die Vertreter der Bezirksregierung viele Befürchtungen entkräftet worden sind (...), werde ich meiner Fraktion empfehlen, sich für die Aufnahme von Gesprächen zur Realisierung einer ZUE auf dem ,Lange-Walker’-Geländer auszusprechen.“

Und Rolf Göckmann für die UWG: „Ich sehe unsere bisherige Auffassung gerade durch die Veranstaltung in Wevelinghoven bestärkt.“

Fraglich ist nur noch, ob eine „24/7-Security“ für die größeren Objekte sichergestellt werden kann.

(Gerhard P. Müller)