Betritt zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ Grundschule Hochneukirch-Otzenrath: „Wir sind verschieden, aber alle coole Socken“

Hochneukirch · Die Grundschule Hochneukirch-Otzenrath setzt ein deutliches Zeichen: Sie ist dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beigetreten – als erste Grundschule im Stadtgebiet.

Von links: Alltagshelferin Chiara Jahn, stellvertretende Schulleiterin Sandra Schenkel, Ogata-Leiterin Merle Kramer und Projekt-Pate Thomas Müller.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Das „Ja“ zum Eintritt in das Netzwerk war eindeutig, freut sich die stellvertretende Schulleiterin Sandra Schenkel. Ihr selbst ist das Vorgehen gegen Diskriminierung und Rassismus ein großes Anliegen, weswegen sie vor gut einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht hat. Es gab ein erstes Gespräch mit Schulleiterin Andrea Pinter, wie das Thema ins Schulleben integriert werden könnte: „Dann kam passend in einer Schulleiterdienstbesprechung auf, dass auch Grundschulen Teil des Netzwerks ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ werden können. Damals gab es hier im Kreis nur drei Grundschulen, die dazugehörten. Da waren wir natürlich total begeistert, dass wir Unterstützung vom Netzwerk bekommen können.“

Schnell fand Sandra Schenkel Mitstreiter im Kollegium, um den Startschuss für den Netzwerk-Beitritt zu geben. Dazugehört zum Beispiel Merle Kramer, Leiterin der Ogata Taladin am Standort Hochneukirch. Als es an die Findung eines Paten ging – eine der Voraussetzungen für die Aufnahme im Courage- Netzwerk – war sie es auch, die „den Richtigen“ für diese Aufgabe kannte: Thomas Müller aus Hochneukirch, dessen Kinder ebenfalls schon die Grundschule besuchten. „Das ist genau mein Thema“, verrät er, „ich mache seit gut 30 Jahren Musik und habe dadurch immer wieder damit zu tun. Wenn ich dann eine Möglichkeit habe, mich gegen Diskriminierung einzubringen, dann mache ich das gerne.“

Den Grundschülern die Idee hinter „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu erklären, dessen nahm sich die stellvertretende Schulleiterin an. Bei dem Austausch freute sie eines sehr: „Viele Kinder sagten, als ich ihnen den Begriff Rassismus erklärte, direkt: ,Das ist doch klar, derjenige kann trotzdem mein Freund sein!’ Viele haben schon gelernt, dass wir alle verschieden sind und das normal und gut ist.“

Schließlich wurde es spannend, denn die Wahl, ob eine Aufnahme in das Netzwerk gewünscht wird, stand an. Mindestens 70 Prozent der gesamten Schulgemeinschaft – sprich vom Schüler bis zum Hausmeister – mussten dafür erreicht werden. „Das haben wir gut geschafft“, strahlt Sandra Schenkel. Damit konnte es an die Planung der Aufnahmefeier gehen!

Beim Gedanken an dieses besondere Fest mit Hunderten Gästen, unter anderem Bürgermeister Philipp Sieben und sein Stellvertreter Marcel Mostert, Goran Sucec vom Kommunalen Integrationszentrum sowie der Vorstand die Bürgerstiftung Jüchen (die auch mit einer Spende dafür sorgte, dass die Schulbüchereien in Hochneukirch und in Otzenrath Bücher zum Thema anschaffen konnten), gerät die stellvertretende Schulleiterin richtig ins Schwärmen.

Unter dem Motto „Wir sind alle verschieden, aber alle coole Socken“ wurde gemeinsam gefeiert und Vielfalt gelebt. „Jeder, der an einem der beiden Standorte zur Schule geht oder hier arbeitet, hat eine Socke ausgemalt. Am Ende haben wir die über 500 Kunstwerke dann auf dem Schulhof aufgehängt“, erzählt sie. Obendrein sollte jeder an dem Tag zwei unterschiedliche Socken anziehen, woran die Kinder besonders viel Spaß hatten.

Wie vielfältig die Schulgemeinschaft ist, zeigte sich auch bei der Begrüßung der Gäste: Kinder aus 15 verschiedenen Nationen, auch wenn an der Schule noch mehr vertreten sind, sagten den Anwesenden „Hallo“ in ihrer Muttersprache. Ein Mini-Theaterstück, in dem der Weg zur „Schule ohne Rassismus“ erklärt wurde und was der Beitritt zum Netzwerk bedeutet, wurde ebenfalls aufgeführt.

Die Aufnahmefeier gab so schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, worauf sich die Schulgemeinschaft freuen darf. So soll nicht nur in den verschiedenen Jahrgangsstufen im Unterricht das Bewusstsein für ein tolerantes Miteinander geschärft werden, sondern es werden auch diverse Aktionen und Projekte geplant. Wie Sandra Schenkel verrät, werde zum Beispiel gerade an der Umsetzung der „Rucksack Schule“ zur Sprachbildung gearbeitet, ein gemeinsames Fastenbrechen ist im Gespräch, ebenso ein Fest der Nationalitäten mit Gerichten und Musik aus verschiedenen Ländern. „Wir würden uns außerdem über Verstärkung bei den Lese-Muttis freuen“, so Schenkel, „es wäre schön für die Kinder, wenn beispielsweise Märchen in einer anderen Sprache vorgelesen würden.“ Interessenten können sich gerne unter gs-hochneukirch-otzenrath@

juechen.de bei der Grundschule melden. Und was sagt Pate Thomas Müller dazu? „Ich weiß noch nicht, was auf mich zukommt, da lasse ich mich überraschen. Aber ich bin bei allem gerne dabei!“

Wie Sandra Schenkel verrät, habe sie schon von weiteren Grundschulen, auch aus Jüchen, gehört, die einen Beitritt zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ planen. Das freut sie sehr: „Je weiter das Netzwerk wächst, umso mehr können wir uns austauschen.“

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