Top-Kurier-Interview:: Stadtplaner sprechen über die Zukunft Jüchens

Top-Kurier-Interview: : Stadtplaner sprechen über die Zukunft Jüchens

Saskia Schrade und Tim Stein sind zweie von drei Gesichtern, die sich um die Zukunft der Stadt Jüchen kümmern – zumindest was die Planung und Entwicklung angeht. In einem Interview mit dem Top-Kurier sprachen die beiden über den Bedarf an Wohnraum in Jüchen, stellten eine Prognose für die Zukunft auf und wo als nächstes gebaut wird.

Ein Gesamtüberblick: Wie viele Wohnungen und wie viele Häuser gibt es im gesamten Stadtgebiet?

Die Stadt Jüchen verfügt über einen Wohnungsbestand von insgesamt 10.721 Wohnungen. Da bei beläuft sich der Anteil aller Wohnungen in ein Ein- und Zweifamilienhäusern auf 72,4 Prozent, der Anteil in Mehrfamilienhäusern auf 24,9 Prozent (Stand 2017).

Wie viele Baugebiete gibt es derzeit? Wie viele Wohneinheiten werden gebaut und wo?

Die Stadt Jüchen hat in den letzten Jahren verschiedene kleine Baugebiete entwickelt. Zu nennen ist hier unter anderem das Baugebiet um den heutigen „Klompenweg“ in Otzenrath (circa 13 Wohneinheiten), das Baugebiet „Kreuzstraße“ in Stessen (vier Wohneinheiten) und das Gebiet der „Schluppe Schäng“-Straße in Holz (circa 30 Wohneinheiten). Weiterhin ist das Bebauungsplanverfahren für die Fläche „Peter-Busch-Straße“ (circa 30 Wohneinheiten) in Hochneukirch nahezu abgeschlossen.

Gierath und Hochneukirch stehen noch in den Startlöchern. Wann genau wird hier gebaut?

Das Bebauungsplanverfahren für das Baugebiet „Peter-Busch-Straße“ ist abgeschlossen. Der Bebauungsplan ist rechtskräftig. Derzeit werden durch die Stadt und den Projektträger die notwendigen artenschutzrechtlichen Maßnahmen umgesetzt, bevor im Herbst diesen Jahres der Baufeldfreilegung erfolgt. Im Anschluss sind die notwendigen Erschließungsanlagen (Straße, Kanal, Lärmschutzwand) herzustellen.

Für das Baugebiet in Gierath „Auf´m Pilgerweg“/ „Herberather Weg“ mit zwölf Wohneinheiten läuft das Bebauungsplanverfahren noch. Derzeit werden einzelne entwässerungstechnische Fragestellungen geklärt, bevor die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung durchgeführt werden kann.

In welcher Preiskategorie fehlen Wohnungen?

Richtschnur hierfür ist die kreisweite Wohnungsbedarfsanalyse aus 2017, die die notwendigen Ziele der künftigen Wohnbauentwicklung bis 2030 darstellt. In der Analyse sind vor allem Bedarfe im Einfamilienhaussegment sowie im Bereich des öffentlich-geförderten Wohnungsbaus definiert worden. Dabei wurde empfohlen für Familien attraktiv zu bleiben und das Eigenheimangebot in unterschiedlichen Preis- und Ausstattungselementen anzubieten. Zudem sollten die Angebote für Senioren durch barrierefreie Miet- und Eigentumswohnungen in integrierten Lagen erhöht werden.

Wie viel Leerstand gibt es in der Stadt?

Die letzte amtliche Erhebung hierzu stammt aus dem Zensus 2011 und gibt eine durchschnittliche Quote von 2,1 Prozent an. Aufgrund der derzeit großen Nachfragen an Wohnungen, ist davon auszugehen, dass es heute keinen nennenswerten Leerstand im Stadtgebiet gibt.

Wie verändert sich der Bedarf in den nächsten Jahren?

Die Stadt geht davon aus, dass der Bedarf an Wohneinheiten für die bereits genannten Segmente weiter anhält. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, aber vor allem aufgrund von sogenannten Überschwappeffekten aus den Großräumen Köln und Düsseldorf, wird die große Nachfrage in den kommenden Jahren weiter anhalten, so dass wir entsprechende Angebote vorhalten werden.

Warum entscheiden sich so viele Menschen auf dem Land für einen Neubau?

Zum einen wird durch die steigenden Wohnungspreise und fehlenden Baumöglichkeiten in den Städten der Neubau auf dem Land immer attraktiver.

Zum anderen bietet der Neubau auf dem Land auch viele Vorteile. Hier sind die Nähe zur Natur, größere Freiräume und Grünflächen zu nennen. Die Naherholung findet man also direkt vor der Haustür. Die Grundstücksflächen beim Neubau auf dem Land sind im Schnitt auch größer, was bedeutet, dass ein umfangreicherer privater Rückzugsraum zur Verfügung steht. Vor allem Familien mit Kindern entscheiden sich daher oft für ein Leben im Neubau auf dem Land, da die Kleinen auch einmal unbeaufsichtigt im Garten spielen und dort mehr Platz zur Entfaltung, auch im öffentlichen Raum, vorfinden.

Können Sie ein Zukunftsszenario darstellen, wie die Stadt in einigen Jahren aussehen wird.

Die Stadt Jüchen hat eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, in der wesentliche Ziele der zukünftigen Entwicklung der Stadt dargelegt wurden. Für die Stadtentwicklung ergeben sich neben der Entwicklung attraktiver Wohn- und Gewerbegebiete, insbesondere auch die Aufwertung des öffentlichen Raums (wie beispielsweise die Umgestaltung des Adenauerplatzes) sowie die Schaffung hochwertiger Naturräume zur Erhaltung der Biodiversität und zur Erholung des Menschen. Die Zukunft der Stadt Jüchen wird zudem wesentlich durch das Ende des Braunkohlentagebaus und sich daraus ergebenen Strukturwandel geprägt werden. Ein mögliches und durchaus sehr gelungenes und attraktives Zukunftsszenario für die Region wurde bereits im Rahmen des Werkstattverfahrens zum Drehbuch Tagebaufolge(n)landschaft erarbeitet. Auf der Homepage der Stadt Jüchen und des Zweckverbands können alle Interessierten das potenzielle Zukunftsszenario einsehen.

Wie ist die Prognose? Wie viele bereits gebaute Häuser werden aus Altersgründen verkauft?

Das ist schwer zu beantworten, da auch hierfür keine amtliche Statistik vorliegt. Grundsätzlich kann man aber Trends in der täglichen Arbeit ablesen. Grundsätzlich bleiben viele Eigenheimbesitzer so lange wie möglich im Eigenheim. Einige wählen dann den Schritt in eine Wohnung beziehungsweise in eine Pflegeeinrichtung. Ein paar der „Generation 50+“ wagen sogar noch den Neubau eines barrierefreien Wohnhauses zum Beispiel im Bungalowsegment. Die freigewordenen Wohnhäuser werden derzeit aufgrund der großen Nachfrage in der Regel zeitnah nachgenutzt.

Was ist neben Jüchen-West gegebenenfalls noch an neuen Wohngebieten in Planung?

Mit dem Baugebiet Jüchen West, welches 500 bis 700 neue Wohneinheiten umfassen soll, wird ein Großteil des Bedarfs bis 2030 im Gemeindegebiet abgedeckt. Durch weitere kleinere Baugebiete wie in Hochneukirch an der Gartenstraße oder südlich der Marktstraße in Otzenrath sollen die fehlenden Bedarfe gedeckt werden.

Darüber hinaus bestehen weitere Siedlungsflächenreserven für den langfristigen Bedarf in den Siedungsschwerpunkten Jüchen, Hochneukirch sowie Gierath/ Bedburdyck.

In puncto Industrie: Ist die Robert-Bosch-Straße soweit verkauft?

Derzeit sind noch nicht alle Flächen verkauft. Mit interessierten Firmen finden laufend Gespräche statt.

Wie sieht es bezüglich „Nordring“ in Hochneukirch aus?

Am Nordring liegt seit einiger Zeit eine Baugenehmigung für einen Vollsortimenter vor. Leider liegen der Stadt keine Informationen vor, ob und wann mit einem Bau begonnen werden soll.

Und für das interkommunale Industriegebiet zwischen Grevenbroich und Jüchen. Wann wird hier gebaut werden?

Für die Entwicklung von einem Gewerbegebiet sind umfangreiche vorbereitende Untersuchungen wie zum Beispiel Schallschutz, Artenschutz, Verkehrsgutachten, Erschließung, und weiteres erforderlich. Diese werden derzeit durchgeführt. Parallel konnte mit „StraßenNRW“ eine Lösung hinsichtlich der Anbindung an die heutige A 540 gefunden werden. Sobald die vorbereitenden Untersuchungen abgeschlossen werden, sind die erforderlichen Bauleitplanverfahren durchzuführen. In Abhängigkeit vom Verlauf dieser Verfahren und den Ergebnissen der Gutachten wird der Beginn der Erschließung des Gebietes erfolgen.

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