Vor der vorausgegangenen Ratssitzung war es zum Disput zwischen „Gegenwind“ und CDU-Chef Holger Hambloch. Die Gefahr besteht diesmal nicht, denn der christdemokratische Politiker ist wallfahrtsmäßig unterwegs und kann deshalb nicht an der Ratssitzung teilnehmen.
Dafür hadert jetzt Ex-SPD-Fraktions-Chefin Greiner mit „Gegenwind“, weil die aktiv gewordenen Bürger „Das Windspiel von Rommerskirchen – Ein Märchen aus dem Land der drehenden Räder“ publiziert haben. Ein Elaborat, das Greiners politischem Kompass zuwiderläuft.
Damit sich der Leser selbst ein Bild machen kann, veröffentlichen wir an dieser Stelle den Text:
Es war einmal, in einem kleinen Ort am Rande weiter Felder und sanfter Hügel, ein Dorf namens Rommerskirchen. Die Menschen dort lebten friedlich miteinander, doch manchmal, wenn der Wind durch die Landschaft zog, brachte er merkwürdige Geschichten mit sich.
In diesem Dorf gab es eine Gruppe von Ratsherren und -damen, die sich um die Geschicke des Ortes kümmern sollten. An ihrer Spitze stand ein Mann, den die Leute nur den ehrgeizigen Holger Ha nannten. Sein größter Wunsch war es, eines Tages der oberste Verwalter des Dorfes zu werden – der Bürgermeister.
Doch ach! So sehr Holger Ha sich auch mühte, die Herzen der Dorfbewohner wollte er nicht gewinnen. Bei der großen Wahl, bei der die Menschen ihre Stimme abgaben, blieb ihm der erhoffte Sieg verwehrt. Kein einziger Bezirk des Dorfes wollte sich ihm anschließen.
Besonders schwer fiel es ihm, über ein Thema zu sprechen, das im Dorf für viel Aufregung sorgte: die großen Windräder. Hoch ragten sie über den Feldern, drehten sich unaufhörlich und flüsterten im Wind von Fortschritt und Streit zugleich. Doch klare Worte dazu fand Holger Ha nie. Stattdessen wich er aus, vertagte Gespräche und ließ vereinbarte Treffen im letzten Moment verstreichen.
Er versprach den Menschen: „Nach der Wahl werde ich euch meine wahre Meinung sagen!“ Doch ganze ACHT Monate vergingen, und das versprochene Wort verwehte wie Staub im Wind.
Nicht weit von ihm stand ein weiteres Parteimitglied, Hubertus Fau genannt. Er liebte die Windräder – oder besser gesagt, das, was sie ihm brachten. Auf seinem eigenen Land drehten sich bereits zwei gewaltige Räder, und er träumte davon, dass noch viele weitere das Dorf schmücken würden.
Eines Tages schrieb er diesen Wunsch sogar in das große Buch des Rates, so dass jeder ihn lesen konnte.
Doch die Geschichte endete hier nicht. Aus dem Schatten trat bald eine neue Figur hervor: Franzi Fau., die Tochter des Hubertus Fau. Klug, ehrgeizig und geschickt –so wurde sie bald im ganzen Land bekannt. Manche nannten sie gar eine„Allzweckwaffe“, weil sie überall mitmischte und viele Fäden in der Hand hielt. Sie sprach nun auch in großen Versammlungen außerhalb des Dorfes über die Zukunft des Landes und den Wandel der Zeiten.
Zur selben Zeit trat ein weiterer Mann auf, Wolgang Ka, ein treuer Gefährte von Holger Ha. Gemeinsam standen sie vor einer wichtigen Entscheidung: Der Rat des Dorfes wollte eine starke Erklärung zum Schutz der Natur und der Menschen abgeben. Viele waren sich einig – doch Holger Ha und Wolfgang Ka sorgten dafür, dass die Worte weicher wurden, weniger verbindlich, weniger stark.
Und so blieb bei den Dorfbewohnern ein leiser Zweifel zurück.
Doch siehe da – am Horizont erschien ein gewaltiger Riese. Sein Name war Riesige Wind-Enthusiasten – kurz: RWE – und seine Schritte ließen die Erde erzittern. Er kam mit einem verlockenden Angebot: Er wolle neue Windräder im sagenumwobenen Muhrental errichten.
„Wenn ihr mir erlaubt, 5 statt 6 Räder zu bauen,“ sprach der Riese mit tiefer Stimme, „werdet ihr reich belohnt. Doch dafür müsst ihr euren Widerstand auch in Butzheim aufgeben.“
Viele im Dorf waren unsicher. War das ein gutes Geschäft oder ein trügerisches Versprechen? Die klugen Alten wussten: Ein Teil des Goldes, das der Riese versprach, war ohnehin gesetzlich festgelegt. Es war kein Geschenk, sondern Pflicht. Doch diese Wahrheit ging im lauten Rauschen des Windes beinahe unter.
Als schließlich der Tag der Entscheidung näher rückte, geschah etwas Seltsames. Holger Ha und sein Gefährte Wolfgang Ka behaupteten plötzlich, sie wüssten kaum etwas über das Muhrental und die vielen Jahre der Diskussion.
Die Menschen staunten: Hatten sie all die Gespräche vergessen? Oder wollten sie einfach keine klare Haltung zeigen?
Und so fragte man sich im Dorf:
War all das nur ein Traum?
Oder schliefen manche noch, während andere längst erwacht waren?
Die Windräder drehten sich weiter, unermüdlich, Tag und Nacht. Und die Geschichte von Rommerskirchen wurde zu einem Märchen, das die Menschen einander erzählten – mal mit einem Lächeln, mal mit einem Stirnrunzeln.
Und wenn sie noch nicht aufgewacht sind, dann drehen sich die Räder bald für viele Jahre – im Wind des Muhrentals.
So weit „Gegenwind“. Akzeptable Satire oder zu scharf? Schreiben Sie uns an [email protected].
Über das Ergebnis der heutigen Ratssitzung werden wir berichten.