Bürgermeister Mertens mahnt: „Wildwuchs bei der Windkraft gefährdet Strom für den Kraftpark“

Neurath · Bürgermeister Dr. Martin Mertens schlägt Alarm: Die fehlende Stromversorgung des Kraftparks Rommerskirchen gefährdet eines der wichtigsten Strukturwandelprojekte im „Rheinischen Revier“.

Im Foto sind die „Präferenzflächen“ eingezeichnet: Von der PSW vermarktet werden sollen die Kraftwerksbestandsflächen, die 30 Hektar-„Anschlussfläche“ sowie die „BOVA“-Fläche. Planungsrecht besteht dort bereits, jetzt fehlen nur die Stromleitungen. Unter einem ähnlichen Problem soll die Hyper-Scaler-Ansiedlung vor Wevelinghoven leiden ...

Foto: RWE

Die Fläche am Kraftwerksstandort Neurath gilt als zentrales Zukunftsprojekt für die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Kohleausstieg. Gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen, dem RWE sowie weiteren Partnern wird dort im Rahmen der „Perspektive.Struktur.Wandel“-GmbH ein modernes Energie- und Gewerbeareal entwickelt. Ziel ist die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Schaffung von mehreren tausend Arbeitsplätzen.

Doch ausgerechnet an einem der bedeutendsten Energiestandorte Nordrhein-Westfalens fehlt aktuell die wichtigste Grundlage: ausreichend Strom.

„Die Situation ist kaum vermittelbar“, erklärt Bürgermeister Dr. Martin Mertens. „Wir sprechen über eine Fläche direkt neben einem der größten Kraftwerksstandorte Europas, in unmittelbarer Nähe zu Umspannwerken, Windenergieanlagen, Batteriespeichern und zukünftigen Energieinfrastrukturen – und gleichzeitig kann dort aktuell keine ausreichende Stromversorgung gewährleistet werden.“

Martin Mertens.

Foto: SMeu.

Nach den aktuellen Rückmeldungen des Netzbetreibers sind die bestehenden Netzkapazitäten vollständig ausgelastet. Eine dauerhafte Versorgung des Kraftparks sei nach derzeitiger Einschätzung frühestens Mitte der 2030er Jahre realistisch.

Für die Gemeinde ist das ein dramatisches Signal: Die Fläche verfügt bereits über weit fortgeschrittenes Planungsrecht, Investoren zeigen Interesse, Unternehmen suchen dringend nach geeigneten Standorten.

„Wenn ein Zukunftsstandort acht bis zehn Jahre nach Schaffung des Baurechts noch immer keinen Stromanschluss erhält, dann läuft etwas grundlegend falsch“, so Mertens weiter.

Der Bürgermeister sieht darin auch ein strukturelles Problem der aktuellen Energiewende und des Strukturwandels. Hintergrund sei eine regelrechte Explosion neuer Netzanschlussanfragen – insbesondere durch Windkraftprojekte.

„Windkraftprojekte schießen derzeit teilweise nahezu unkoordiniert wie Pilze aus dem Boden und binden enorme Netzkapazitäten“, erklärt Mertens. „Gleichzeitig fehlen offenbar wirksame Steuerungsmechanismen auf Landes- und Bundesebene, um strategisch wichtige Strukturwandelprojekte gezielt zu priorisieren.“

Die Folge: Vorhandene Netzkapazitäten würden nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben – unabhängig davon, ob es sich um ein einzelnes Windrad oder um ein zentrales Strukturwandelvorhaben mit mehreren tausend potenziellen Arbeitsplätzen handele.

„Das ist die große Paradoxie der Energiewende“, sagt der Bürgermeister. „Wir produzieren immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien, schaffen aber gleichzeitig Situationen, in denen bedeutende Zukunftsstandorte nicht mehr ans Netz kommen.“

Dr. Martin Mertens fordert deshalb ein entschlossenes Eingreifen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen: Beschleunigung des Netzausbaus, Priorisierung zentraler Strukturwandelprojekte, bessere Koordination zwischen Netzbetreibern, Land und Bund sowie eine strategische Steuerung begrenzter Netzkapazitäten.

„Der Strukturwandel darf nicht an fehlenden Stromleitungen scheitern“, betont Mertens. „Wenn wir es ernst meinen mit der wirtschaftlichen Transformation des ,Rheinischen Reviers’, dann müssen genau solche Projekte jetzt aktiv unterstützt werden.“

Der Bürgermeister kündigte an, sich hierzu auch unmittelbar an Vertreter der Landespolitik zu wenden.

(-gpm.)
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