Aus dem Standesamt : Liebe kennt keine Grenzen – oder etwa doch ?

Grevenbroich. Die klare Antwort auf diese Frage ist, Nein! So sieht es zumindest Martin Scheffler vom Grevenbroicher Standesamt. Auch wenn im Betrieb gerade vieles anders läuft als normal – nach dem Klingeln wird man durch das Fenster begrüßt und nur bei entsprechendem Bedarf hereingebeten – in der „Villa Krüppel“ finden weiterhin Trauungen statt.

Die Hochzeits-Saison steht vor der Tür. Wer jetzt aber denkt, durch die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise würde im Standesamt Ruhe einkehren, der liegt höchstens im Bezug auf den Geräuschpegel richtig.

Seit dem 23. März dürfen nur noch Hochzeitspaar und ein Standesbeamter an der Zeremonie teilnehmen. Keine Trauzeugen, keine Familie, kein Fotograf. Für die meisten Paare stellt dies eine sehr große Einschränkung dar. Einschränkung ja, aber Abschreckung nicht wirklich. „Der Großteil nimmt seine Termine wahr. Die Enttäuschung ist natürlich groß, aber ich treffe auch auf sehr viel Verständnis. Die Leute scheinen den Ernst der Lage wirklich verstanden zu haben“, so Scheffler.

Die meisten denken bei einer Hochzeit, an ein großes Event. So ist es in der aktuellen Situation allerdings nicht umsetzbar. Locations, Caterer und Floristen haben geschlossen. Eine Feier mit vielen Leuten kann nicht stattfinden. Scheffler berichtet, dass viele den Bund der Ehe trotzdem eingehen wollen und die Feierlichkeiten auf unbestimmte Zeit verschieben. Das Verschieben der Trauung kann aus verschiedensten Gründen keine Option sein. Rechtliche oder berufliche Faktoren können hier eine Rolle spielen. Auch ein spezielles Datum kann ein ausschlaggebender Grund sein. Hier stellt sich die Frage, ob man dazu bereit ist, die Hochzeit gar um ein ganzes Jahr zu verschieben.

Die Hauptaufgabe der Standesamtmitarbeiter bestehe gerade darin, den Kontakt mit den Paaren zu suchen berichtet Scheffler. Dabei geht der Kontakt sowohl vom Standesamt aus, vor allem bei zeitnahen Terminen, als auch von Betroffenen. Diese Anfragen werden der Reihe nach abgearbeitet. „Wir telefonieren gerade sehr viel und fungieren als Ansprechpartner. Ich hoffe allerdings auch, dass sich die Leute im Vorfeld schon selber zumindest bis zu einem gewissen Grad informiert haben“, macht Scheffler deutlich.

Laut Scheffler wäre es allerdings theoretisch die beste Lösung, „alles zu verschieben. Dabei ist dann jedoch das Problem, dass niemand sagen kann wann sich die Situation entspannen wird.“

Marc Arnold