1. Grevenbroich

Modellprojekt der Telemedizin

Tele-Visite mit Experten im Klinikalltag etabliert : Geballtes Wissen für Grevenbroicher Patienten

Das „St. Elisabeth“-Krankenhaus Grevenbroich waren Partnerkliniken des landesweiten Modellprojekts TELnet@NRW. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Studie nutzen beide Häuser das Netzwerk weiter. Davon profitieren vor allem die Patienten.

Bei schwierigen Fällen zur Sicherheit die Meinung des hochspezialisierten Arzt-Kollegen einholen – per Bildschirm und Telefonleitung über viele Kilometer: Das soll künftig in Nordrhein-Westfalen in möglichst vielen Krankenhäusern selbstverständlich werden.

Im Grevenbroicher Elisabeth-Krankenhaus ist dies seit Jahren gelebter Alltag. Es gehört zu den landesweit nur 17 Partnerkliniken beim Modellprojekt TELnet@NRW. Die dreijährige Förderphase wurde im vergangenen Herbst abgeschlossen, inzwischen wurden erste Ergebnisse der Studie in Düsseldorf vorgestellt – und die haben die Erwartungen der Verantwortlichen übertroffen.

„Die Behandlungsqualität ist nachweisbar gestiegen“, fasst Professor Dr. Stefan Soltész zusammen. So stehe bereits fest, „dass deutlich weniger Antibiotika verabreicht werden mussten“. Ganz besonders erfreulich seien „die starken Verbesserungen bei der Sepsisbehandlung“, wie Professor Dr. Wolfgang Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie und –management an der Universität Bielefeld, in Düsseldorf sagte. Ob auch die Sterblichkeitsrate abgesenkt wurde, wird derzeit noch ausgewertet. Nun soll das telemedizinische Netzwerk auf alle Kliniken des Landes ausgeweitet werden und in die Regelversorgung übergehen.

Was erst nach und nach in anderen Krankenhäusern mit viel Aufwand etabliert werden muss, steht den Medizinern und Patienten im „Rheinland“ Klinikum an den Standorten Dormagen und Grevenbroich bereits zur Verfügung: Bei der täglichen Visite auf der Intensivstation sind per Bildschirmkamera Kollegen vom Universitätsklinikum Aachen zugeschaltet, mit denen die behandelnden Ärzte im Rheinland Klinikum Diagnosen und Therapiekonzepte ausführlich besprechen.

Die Konsiliarärzte sind mit den jeweiligen Fällen vertraut, kennen sämtliche Untersuchungsunterlagen, Daten, Befunde und Werte der Intensivpatienten, die zuvor über hochgesicherte Datenleitungen übermittelt wurden.

Neben den digitalen Voraussetzungen wurden im Zuge der Studie aber auch interne Strukturen optimiert. „Wir haben uns seitens der Ärzte besser aufgestellt und neue Behandlungspfade etabliert und profitieren von zusätzlichen Empfehlungen für die Hygiene“, zählt Professor Soltész die Vorteile auf.

Die Teilnahme an der Studie sei „in medizinischer Hinsicht spannend“ gewesen – und recht aufwändig. Denn Ärzte und Pflegepersonal mussten ihre Arbeit ständig protokollieren. „Mit dem Abschluss der Studie entfällt nun diese detaillierte Dokumentation“, sagt Oberärztin Maren Paulus, die ebenfalls ein durchweg positives Resümee zieht.

„Die Ratschläge der Pharmakologen und Mikrobiologen im Aachener Universitätsklinikum sind definitiv sehr gut“, lobt sie. „Gerade bei der Behandlung von Problemkeimen, bei denen die meisten herkömmlichen Antibiotika wirkungslos bleiben, helfen uns die Erkenntnisse der Infektiologen, die wir hier in Dormagen ja nicht haben“, ergänzt Professor Soltész.

In erster Linie haben natürlich die Patienten etwas von der Zusammenarbeit der Fachärzte: Ihnen bleibt dank der wohnortnahen Behandlung der Transport in ein weit entferntes Zentrum erspart, der gerade für Intensivpatienten stark belastend und risikobehaftet sein kann – sofern dort überhaupt freie Betten zur Verfügung stünden. Und auch die Angehörigen müssen keine möglicherweise umständliche Anreise in Kauf nehmen.

Gleichzeitig steht für die Behandlung das gesammelte Fachwissen hochkompetenter Mediziner zur Verfügung. „Das Behandlerteam vor Ort bleibt das gleiche, durch ‚Telnet‘ wird es durch einen zusätzlichen Partner mit besonderer Expertise ergänzt“, erklärt der Intensivmediziner, „dank der Telemedizin haben wir das gesamte Wissensspektrum einer Uniklinik quasi vor Ort.“

(-ekG.)