Ein neuer Trick der Ganoven 80-Jährige wird Opfer des „Romance-Scamming“

Grevenbroich · Die Kreis-Polizei musste sich jetzt mit einem Fall von „Love-Scamming“ – oder auch „Romance-Scamming“ genannt – befassen.

Grevenbroich: Ein neuer Trick der Ganoven​
Foto: RKN Polizei

Beim „Love-Scamming“ oder „Romance-Scamming“ bauen die Ganoven ein vertrautes Verhältnis zu Singles – meist Frauen – auf. Oft geschieht dies in der virtuellen Welt. Die Chats beginnen harmlos, laufen jedoch darauf hinaus, dass eine intensive Beziehung zum Opfer aufgebaut werden soll. Gespräche drehen sich zunächst um Privates, der andere wird dabei auch ein wenig ausgehorcht. Geredet wird etwa über die Familie oder den Alltag.

In manchen Fällen wird später auch über die Liebe gesprochen und was man für eine gemeinsame Zukunft haben könnte. Online werden oft auch Treffen angedeutet.

Zu diesen kommt es jedoch nie. Nach einiger Zeit passiert jedoch etwas: Der oder die Geliebte gerät angeblich unverschuldet in eine finanzielle Notlage, sei es durch einen Unfall, Diebstahl, Kreditkartenprobleme, Krankheit... Ob man ihm/ihr helfen könne? Das Geld könnte einfach per Bargeldtransfer übersendet werden.

Damit hier keine Zweifel aufkommen, unternimmt der Täter oder die Täterin große Anstrengungen, um besonders glaubwürdig zu wirken. Im Laufe der folgenden Wochen, Monate oder in Einzelfällen sogar Jahren kann es immer wieder zu solchen „Hilfegesuchen“ kommen. Oft werden über einen längeren Zeitraum große Summen gezahlt, bis sich doch Zweifel einschleichen. Aber dann ist es eigentlich schon zu spät.

Zu dem finanziellen Schaden kommt der emotionale Schock und Enttäuschungen sind groß, vor allem aufgrund der vermeintlich großen Nähe.

Einer 80-jährigen Grevenbroicherin passierte ein solches Schicksal. Am 11. April suchte sie jedoch eine Polizeiwache auf und zeigte das Geschehene an. In einem Gespräch mit der Kriminalpolizei gab sie an, dass sie vor circa anderthalb Jahren einen 44-jährigen Mann kennengelernt habe. Bei einer Kaufabwicklung stießen die beiden in der realen Welt aufeinander.

Der Mann gab bereits zu Beginn an, dass er Probleme habe, besonders finanziell würde es nicht gut aussehen. Mit der Zeit bauten die Dame und der 44-Jährige näheren, freundschaftlichen Kontakt zueinander auf und gestalteten ihre Freizeit gemeinsam. Dazu gehörten auch Kinobesuche oder nette Spaziergänge sowie gemeinsame Essen.

Immer wieder erfragte der Mann kleinere und größere Summen Geld. Er gab an, dass er einige Goldbarren in den USA besitzen würde. Im weiteren Verlauf sei die Seniorin von einem vermeintlichen Anwalt hinsichtlich der Goldbarren des 44-Jährigen kontaktiert worden. Dieser vermeintliche Anwalt hätte ihm ebenfalls bereits größere Summen Geld zur Verfügung gestellt.

Er wendete sich an die Grevenbroicherin mit der Aussicht, die Goldbarren nach Deutschland zu transferieren. Dazu würde er nach Amerika reisen. Der vermeintliche Anwalt gab ebenso an, dass er für den Goldbarren-Transfer Geld benötigen würde und eine Person bei der Seniorin vorbeikommen würde, um dieses abzuholen.

Anfang April kam es dann zu einer Geldübergabe an eine weitere unbekannte männliche Person, welche sich als einen Mitarbeiter der Anwaltskanzlei ausgegeben hatte. Die 80-Jährige übergab dem Fremden einen Umschlag mit Bargeld.

Die frei erfundene Geschichte ging dann jedoch noch weiter und der vermeintliche Anwalt gab an, dass es in Amerika zu Komplikationen gekommen sei und er eine weitere größere Summe Geld brauche. Würde die Dame das Geld nicht aufbringen, würde der Deal platzen. Anstatt das Geld zu überbringen, zeigte die lebensältere Dame die Männer an und setzte der Geschichte ein Ende.

Die Polizei geht im Bereich des „Lovescammings“ aber auch von einem großen Dunkelfeld aus. Viele Opfer erstatten aus Scham keine Anzeige. Dies hilft jedoch den Tätern: „Je mehr wir über sie wissen, umso mehr können wir gegen sie ermitteln und vor ihren Tricks warnen.“ Zusätzlich ist eine Strafverfolgung bei Internet-Betrügereien zwar sehr schwierig, weil die Täter/innen in der Regel aus dem Ausland agieren, für die Polizei ist jedoch jeder kleinste Hinweis wichtig.

Der Aufruf der Polizei: „Wenn Sie Opfer geworden sind, zögern Sie nicht, den Betrug anzuzeigen. Es passiert mehr Menschen – Männern wie Frauen – als Sie glauben! Sich vorher informieren und über die Maschen Bescheid zu wissen, ist die beste Vorsorge. Es ist aber menschlich, auf Betrug reinzufallen - das ist keine Schande. Ihr Schamgefühl sollte Sie nicht von einer Anzeige abhalten.“

Das Kriminalkommissariat 24 hat die Ermittlungen aufgenommen.

(-ekG.)
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