1. Grevenbroich

Ist die Stadt auch noch stolz auf die hohen KiTa-Gebühren?

Ist die Stadt auch noch stolz auf die hohen KiTa-Gebühren?

Ist Grevenbroich eine kinderfreundliche Stadt? Von wegen! Nicht wenn es um die Vergabe der Kindergartenplätze und die Gebühren für eben diese geht. Doch die Mütter wollen sich das nicht länger gefallen lassen und kämpfen um Gerechtigkeit.

Nicht das einzige Problem bei Kindergärten. Fachkräftemangel ist ein weiteres Stichwort: Es wird dringend Personal gesucht.

Grevenbroich. Eins ist den Mamas klar: "Das Problem ist doch das System! Wieso ist es möglich, dass wir in unserer Stadt zahlen und in anderen Städten ist der Beitrag frei? Zahlen wir so für die Schulden der Stadt, während das Geld anderswo verschleudert wird?", fragen sie.
Grevenbroich unterscheidet sich in der Tat von anderen Städten und das zu Lasten der Eltern. Wer in der Schloss-Stadt ein Kind unter drei Jahren in die Kindergartenbetreuung gibt, darf ordentlich in die Tasche greifen. Bei einem Jahresbruttoeinkommen zwischen 50.000 und 64.999 zahlen die Eltern für einen 35-Stunden-Platz 238 Euro pro Monat plus das Essensgeld. Doch das Verrückte: Nach dem dritten Geburtstag ändert sich der Beitrag nicht. Es muss noch Monate weiter der U3-Beitrag gezahlt werden.
In Jüchen wird ab dem Geburtstag der Beitrag angepasst. Nina Kunze ärgert sich: "Wir zahlen von Dezember bis August den hohen Beitrag, obwohl unser Kind dann schon drei Jahre alt ist. Aber das ist nicht das einzige Problem. Ich hätte gerne 45 Stunden gehabt, bekomme aber nur 35. Das wird purer Stress. Ich bin gespannt, wie mein Arbeitgeber darauf reagieren wird."
In Neuss kosten beim gleichen Gehalt der Platz für ein Kind zwischen zwei und drei Jahren 71 Euro im Monat. Immerhin weniger als ein Drittel und das in Städten, die zum gleichen Kreis gehören. "Mir wurde bei der Stadt am Telefon gesagt, dass Grevenbroich unter den Top-Ten der höchsten Kindergartenbeiträge ist und irgendwie habe ich da einen gewissen Stolz raus gehört! Vollkommen fehl am Platz", so Nadja Gladyszewski.
Rebecca Siebert, deren Sohn Leon zwei Jahre alt ist, würde gerne mehr arbeiten, sobald der Kindergarten los geht: "Der Plan klappt aber nicht! Ich muss den Zeitnachweis bringen, wie viel ich aktuell arbeite. Das ist aber weniger, als ich gerne möchte. Doch ich kann erst einen Job suchen, wenn mein Kind untergebracht ist."
Da Siebert den Nachweis jetzt noch nicht bringen kann, verliert sie den zugesagten Platz in Neurath: "Wir dürfen jetzt jeden Tag nach Allrath fahren. Das sind zusätzliche Benzinkosten und mein Kind wird seine Freunde nicht am Wohnort haben. Wirklich blöd gelaufen, aber ich bin jetzt einfach nur froh, dass wir überhaupt einen Platz bekommen haben."
Annika Avanzato und ihre Familie müssen jeden Monat rechnen: "Mein Mann ist im Schichtdienst tätig. Früher hat er gerne an Sonntagen und Feiertagen Dienste übernommen, weil wir von dem zusätzlichen Geld in den Urlaub gefahren sind. Doch diese Steuerfreibeträge, an die ja nicht mal das Finanzamt geht, werden mit eingerechnet und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die nächste Gebührenstufe beim Kindergarten fallen. Warum wird nicht mit dem Grundgehalt gerechnet?"
Außer Frage steht: Erzieher machen einen tollen Job. Sie kümmern sich um das Wichtigste, das die Eltern haben, lassen sich jeden Tag etwas Neues einfallen, um die lieben Kleinen bei Laune zu halten, dürfen mit den Eigenarten der Eltern klar kommen und müssen dabei stets gute Laune haben.
Ein Knochenjob, der scheinbar nicht mehr so beliebt ist wie früher. Denn überall werden händeringend Erzieher gesucht. "Uns geht es auch auf keinen Fall darum, die Erzieher schlecht zu machen. Die können am wenigsten für unser Problem. Wir müssen da einfach zusammen halten! Wir wollen ja auch nichts umsonst. Wir verstehen einfach nicht, warum es hier anders läuft als in anderen Städten!"
In der Stadt Arnsberg haben Eltern gegen die Gebühren geklagt. "Wir überlegen, wie wir vorgehen. Wer sich ebenfalls wehren möchte, ist herzlich in unserer Facebook-Gruppe ,Kita Abzocke — Nein Danke´ willkommen", erklärt Siebert, die übrigens enttäuscht ist, dass Bürgermeister Klaus Krützen nicht auf Mails der Mütter reagiert hat.Julia Schäfer