: Kleingärtner vertrieben für Blühwiese und Bienen-Hotel

: Kleingärtner vertrieben für Blühwiese und Bienen-Hotel

Die „Stadtbetriebe Grevenbroich“ hatten unter den 30 Kleingärtnern an der Feilenhauerstraße mit ihren Kündigungen aus heiterem Himmel für viel Aufregung und Unmut gesorgt (der Erft-Kurier berichtete). Heute sollen die Umweltpolitiker dieses Vorgehen absegnen.

Grevenbroich. Im Bereich der Feilenhauerstraße sind aktuell rund 30 Parzellen als Kleingärten an Privatpersonen verpachtet. Dieses Areal grenzt unmittelbar an ein Landschaftsschutzgebiet. „Zur Schaffung eines größeren und vielseitigeren Lebens- und Wachstumsraums für Insekten und Pflanzen soll eine zusammenhängende Fläche realisiert werden“, informiert Dezernent Florian Herpel die Politiker in der Beratungsunterlage. Für die wenig diplomatische Umsetzung der Kündigung hatte sich Bürgermeister Klaus Krützen an anderer Stelle mit dem Hinweis, dass das Vorgehen der Stadtbetriebe „verbesserungswürdig“ sei, bereits bei den Betroffenen entschuldigt.

Wie auch immer: Die Pächter müssen bis Ende 2020 die jeweils genutzten Parzellen räumen. Alle vorhandenen Einrichtungen müssen von ihnen entfernt werden.

Die dortigen Flächen wurden im Vorfeld übrigens nach den gängigen „Biotop-Typen“ bewertet. Das Ergebnis: Nur acht Prozent der Fläche kann als wirklich „bedeutsam“ eingestuft werden. 64 Prozent haben ökologisch gesehen kaum eine oder gar keine Bedeutsamkeit für Fauna und Flora.

Das soll sich in Zukunft ändern: 4.500 Quadratmeter sollen als extensive Wiese eingesät werden.

Hinzukommen eine Sandfläche, zehn Obst- und sieben heimische Bäume sowie Totholz- und Steinhaufen. Außerdem soll es Bienen- und Insekten-Hotels geben.

Mit anderen Worten: Die Schrebergärtner werden nach zum Teil mehr als 30 Jahren aus ihrem Refugium vertrieben, um dort ein neues Refugium für die Summer und Brummer zu schaffen. Nach einer gewissen Zeit der Entwicklung hätte die Fläche dann eine „hohe Bedeutung für die Natur“, so Herpel.

Diesem Konzept hat der Verwaltungsrat der Stadtbetriebe bereits zugestimmt. Jetzt sollen die Umweltpolitiker also entscheiden. Dass die dem Zeitgeist zuwider entscheiden werden, darf wohl nicht erwartet werden. Insbesondere da die Stadtbetriebe schon im Vornhinein (ohne die Politiker zu fragen) dreist Fakten geschaffen haben.Gerhard Müller

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