Vier Wochen im Amt „Kompromisse sind gut. Konsens ist immer besser!“

Grevenbroich · Der „frische Wind“, den die neue Landrätin in die Kreisverwaltung hinein wehen lassen wollte, ist schon deutlich zu spüren: Der Umgang mit den Bürgermeistern und ihren Kommunen soll ein anderer werden. Die Arbeit soll digitaler und mobiler werden. Und nicht nur den alten Besprechungstisch hat Katharina Reinhold aus ihrem Büro verbannt ...

Katharina Reinhold an ihrem neuen Schreibtisch.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Ihr Büro im „Ständehaus“ wirkt auch in der vierten Arbeitswoche noch eher karg: Zwei große Bildschirme dominieren den Schreibtisch, an dem Kathrina Reinhold auch stehend arbeiten kann. An der einen Wand hängt ein Bild, Quirinus mit Träne aus der Corona-Zeit, das ihr Marc Hillen (Ex-Schützenkönig aus Neuss) in diesem Sommer fürs neue Landrätinnen-Büro geschenkt hat.

Daneben soll noch ein großer Bildschirm folgen; hinter dem Schreibtisch ist ein Bild geplant. Die neue Amtsinhaberin hat sich aber bis dato weder fürs Motiv noch für den Künstler entschieden.

Nur ein „echter Patt“ soll es nicht werden, verrät sie lächelnd. Aus dessen Amtszeit stammte übrigens der alte Besprechungstisch, den Hans-Jürgen Petrauschke nie austauschen ließ.

Zur Begrüßung („Ich bin sehr, sehr willkommen geheißen worden.“) gab es Luftballons, Girlanden und Geschenke. Wie den Feuerlöscher in Lila, der sich ganz schnell als Mini-Schnapsbar entpuppt.

Gleich am ersten Dienstabend lud Reinhold ihre Dezernentenriege zum Essen in die Neusser „Bürgergesellschaft“ ein. In der ersten Woche traf sie sich mit den Bürgermeistern aus dem Rhein-Kreis.

Im Mittelpunkt der zweiten Woche stand die konstituierende Sitzung des Kreistages, der dank „super Vorbereitung“ „jetzt arbeitsfähig“ sei. In der dritten Woche lud sie zu einer Personalversammlung in der Gustorfer Turnhalle ein: Über 900 Kollegen kamen; sie hatten schon vorab 200 Fragen an die neue Landrätin eingereicht.

Die wurden in 50 Fragen zusammengefasst, die dann Kreisdirektor Dirk Brügge stellvertretend für die Mitarbeiter im Rahmen der Versammlung an „die Neue“ stellte. 20, 30 weitere Fragen kamen dann spontan noch hinzu. Es habe für die Aktion ein „solides Feedback“ gegeben, so Reinhold zufrieden.

Ein wichtiges Thema sei dabei das „mobile Arbeiten“. Zwei Tage zu Hause arbeiten könnte die Regel werden, überlegt die Landrätin. Das sei wichtig, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Wer motiviert ist, der arbeitet zu Hause und im Büro gleichermaßen“, so Reinhold. Die Amtsleiter müssten am Ende entscheiden, wo es gut und wichtig ist.

Das gelte im Übrigen auch für die Auszubildenden; die müssten ja das „mobile Arbeiten“ ebenfalls lernen.

In diesem Zusammenhang will Katharina Reinhold auch das digitale Arbeiten zur Regel machen. „Mir reicht ein Endgerät“, macht sie deutlich. Und nachdenklich fügt sie an: „Termine, die eh vergänglich sind, ausdrucken? Was soll ich damit?“ Sie brauche keine dicken Mappen. „Das sieht nur wichtig aus. Und schwer.“

Dieser Drang zum digitalen Arbeiten müsse „sich durchs ganze Haus ziehen“.

Digital dürfte auch der Brief werden, den die Landrätin zusammen mit den Bürgermeistern im Januar an Bund und Land richten will. Bis dahin soll geklärt sein, wo der Rhein-Kreis noch Geld einsparen kann, welche Kommunen in die Haushaltssicherung rutschen und „wo wir insgesamt noch was machen können“.

Das finanzielle „Ende der Fahnenstange“ sei längst erreicht. Sie habe deshalb die acht Bürgermeister eingeladen, gemeinsam mit dem Rhein-Kreis an Bund und Land zu schreiben, dass sich dringlich was ändern muss. Was bis dahin alles im Zusammenspiel zwischen Kreis und Kommunen geschehen soll, lesen Sie in der kommenden Woche in Ihrem Kurier.

In der ersten „Bürgermeisterrunde“ mit Reinhold, in der man auf Vorschlag von Grevenbroichs Verwaltungs-Chef Klaus Krützen sich auf ein allgemeines „Du“ verständige, habe sie deutlich gemacht, dass sie einen anderen, neuen Umgang mit den Kommunen anstrebe. „Kompromisse sind gut. Konsens ist besser. Wir müssen verstehen, was die anderen wollen. Und die Fragen nach dem ,wozu?‘ beantworten.“