Auch die Imker krempeln jetzt wieder die Ärmel hoch Sommerhonig von der Vollrather Höhe

Grevenbroich · Frühling ist dann, wenn es leicht wärmer wird. Wenn zartes Grün sprießt und wenn die ersten Blumen blühen. Vor allem aber wenn die Vöglein in der Früh zwitschern und die Bienen tagsüber summen. Perfekter Gesprächspartner in Sachen „Aufbruch der Natur nach dem kalten Winter“ ist Thomas Krauß, seines Zeichens Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Grevenbroich.

Thomas Krauß in Aktion. Fotos: Georg Berg.

Foto: Krauß

Wann geht nach dem Winter die Arbeit des Imkers wieder los? Was muss im Frühjahr getan werden?
Zum Ende des Winters, in der Regel in der zweiten Hälfte des Februars, schaut der Imker erstmalig kurz in seine Völker. Dabei kontrolliert er, ob die Bienen noch genug Vorräte haben, ob eine Königin vorhanden ist und ob diese begonnen hat, ein Brutnest anzulegen.
Ist alles ok entwickeln sich die Völker in den anschließenden Wochen rasant. Daher hat der Imker schon im Winter das alte Wachs eingeschmolzen, alle Beutenteile gereinigt und die Wabenrähmchen mit Mittelwänden aus Wachs versehen.

Wie sind in unserer Region die Bienen eigentlich über den Winter gekommen, der ja ungewöhnlich frostig und lang war? Was braucht ein Bienenstock so zum Überwintern?
Ein kalter Winter ist für die Bienenvölker kein Problem! Sie sitzen dicht an dicht mit der Königin in ihrer Mitte auf den Waben. Durch die Bewegung ihrer Flugmuskulatur erzeugen sie Wärme, so dass in dieser Bienentraube eine Temperatur zwischen 20° (außen) und 30° Celsius (innen) herrscht. Die Bienen an der Außenseite der Traube werden daher regelmäßig von weiter in der Mitte sitzenden Bienen abgelöst. Die benötigte Energie liefern die im Vorjahr gespeicherten Vorräte.
Nach der Prognose des „Bieneninstituts Mayen“ werden die Völkerverluste in diesem Winter bei 15 bis 17 Prozent und damit im langjährigen Durchschnitt liegen.

Das Überwintern ist für die Bienen eigentlich kein Problem.

Foto: Krauß

Biene ist nicht gleich Biene. Im Laufe der Evolution haben sich auch die Bienen spezialisiert. Es gibt solche, die am See-Ufer gedeihen, und andere, die nur am Buchsbaum saugen. Welche Bienen sind für unsere Region typisch? Welche Bienen werden von den Grevenbroicher Imkern bevorzugt?
Imker halten Honigbienen (Apis mellifera). Diese bilden Staaten (Völker), die im Sommer 40.000 bis 50.000 Individuen stark sein können. Sie überwintern auch als Volk, allerdings mit einer deutlich geringeren Anzahl von Bienen (etwa 5.000). Für die Überwinterung legen die (Honig)Bienen große Honigvorräte an.
Daneben gibt es in Deutschland fast 600 Wildbienenarten. Im Gegensatz zu den staatenbildenden Honigbienen leben diese in der Regel solitär. Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt seine Brut ohne Mithilfe von Artgenossen. Viele Solitärbienen sind als absolute Nahrungsspezialisten auf ganz bestimmte (Futter)Pflanzen angewiesen (zum Beispiel Efeu-Seidenbiene – Efeu) und damit besonders von der zurückgehenden Biodiversität/Pflanzenvielfalt bedroht.
Auch die Hummeln gehören zu den Bienen. Sie bilden im Sommer kleinere Völker von bis zu mehreren hundert Tieren. Nur die Königinnen überwintern und bilden im kommenden Frühjahr ein neues Volk.

Imkern ist in den vergangenen Jahren Mode geworden. In welchem Maße werden die Blüten der Region „abgegrast“? Wird´s allmählich eng oder stehen noch zahllose Blütenfelder parat?

Grevenbroichs "Bienenvater" Thomas Krauß,. Er führt den "Bienenzuchtverein Grevenbroich und Umgebung" an.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Der „Run“ auf die Imkerei hat sich deutlich beruhigt. Die Zahl der Imker hat sich auf einem hohen Niveau stabilisiert.
Die Hobbyimker in Grevenbroich halten in der Regel nur wenige Völker und verteilen sich auf das ganze Stadtgebiet und darüber hinaus. Die Völker finden genug „Blühendes“ und die Bienen sorgen mit ihrer Arbeit für eine flächendeckende Bestäubung (= Vermehrung) der Pflanzen.

Foto: Krauß

Bienen und Honig. Was ist Ihr Lieblingshonig und wo wird er von wem geerntet?
Die Grevenbroicher Imker können in der Regel zweimal im Jahr Honig ernten. Im Frühjahrshonig findet sich hauptsächlich Nektar des Raps, der Weide, des Ahorns, der Obstbäume, des Löwenzahns und der Kastanie in unterschiedlichen Anteilen.
Der Sommerhonig enthält in der Regel Nektaranteile der Robinie, der Himbeeren, der Brombeeren, der Linde sowie von Phacelia, Senf und Klee (Gründungung auf den Äckern). Mir persönlich schmeckt der Sommerhonig, den meine Bienen hier in Neuenhausen am Fuß der Vollrather Höhe produzieren, am besten.

Das Interview führte Gerhard P. Müller.