Mit einem befreundeten Pärchen seien er und seine Gattin auf Kreuzfahrt-Tour rund um Skandinavien gewesen. Am Eingang des Restaurants, in dem finnische Spezialitäten serviert wurden, warteten zwei junge Damen in passender Tracht, die kleine Appetithäppchen anboten. „It´s just for free“, unterstrich die eine, worauf es dem Freund entfuhr: „Shit, we are four!“ – Solche und weitere „Wahre Geschichten“ gab der 60-jährige Jurist, der seit 1990 in Anstel wohnt und lebt, an den Abenden zum Besten. Meistens mit Bezug zum Ort oder zu den Menschen, die dort wohnen.
Die beiden Abende waren die ersten, die er als „Comedian“ bestritt. Vieles war improvisiert. So musste der Beamer von zwei Untertellern gestützt werden. Anekdoten, Zungenbrecher auf Englisch, Bilder- und andere Rätsel lösten sich ab. Dabei konnte Michael Kemper mit seiner freundlichen Erzählfreude seine Zuhörer schnell einfangen und begeistern. Am Ende standen eine stolze Spendensumme und die Entscheidung, in diesem Jahr mit einem neuen Programm auf die Gasthaus-Bühne zurück kehren.
Den Anstoß hatte übrigens die WDR2-Aktion „Glashaus“ gegeben. Dort werden Spenden für den guten Zweck gesammelt. „Ich hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren Geld gespendet und mir ein Lied gewünscht. Diesmal aber habe ich mir gesagt: Du musst aus der Komfortzone raus und mehr machen.“ Dieses „mehr“ waren am Ende 2.740 Euro fürs „Glashaus“, die an den zwei Comedy-Abenden eingespielt werden konnten. Die beiden zweieinhalbstündigen Programme sahen jeweils 50, 60 Leute aus Anstel und Umgebung.
Besonders freute sich Michael Kemper übrigens darüber, dass auch seine Schwester und sein Neffe anreisten, um das erste Programm des Geschichten-Erzählers aus Anstel mit zu erleben. Immerhin wohnt sie mittlerweile in Caen in der Normandie und er studiert aktuell in Paris.
Die tolle Spendensumme wurde unter anderem auch möglich, weil der Neu-Comedian viel kostenfreie Unterstützung bekam: Kadir Göktas stellte den Raum kostenlos zur Verfügung und Lukas Wunderlich brachte Mikro und Anlage mit. Den alten Beamer hatte der Künstler selbst. „Der hat inzwischen aber den Geist aufgegeben“, lacht Kemper in seinem aktuell im Umbau befindlichen Wohnzimmer.
Er ist übrigens auch Schach-Trainer in einem Verein in Dormagen und leitet dort eine Schach-AG. Ein weiteres Hobby ist die Leichtathletik; hier ist er Vorsitzender eines Vereins in Niederaußem. Klar, dass auch aus diesem Bereich „Wahre Geschichten“ erzählt wurden … So zum Beispiel jene, in der er versucht die Kinder nach der AG-Stunde zum Aufräumen zu bewegen: Figuren in den Schrank. Den groben Dreck wegräumen. Stühle hoch setzen.
Den Jungen und Mädchen sage er, wenn sie die Stühle nicht hochstellen würden, müsste das alles die Putzfrau machen. Die hätte eh schon einen harten Job, der dadurch noch deutlich schwerer würde. Zum Beweis (siehe Foto) zeigt er zwei Bilder: Eines mit „jung gebliebenen“ Putzfrauen in den Räumen lieber Kinder. Und eines mit stark gealterten Damen, „denen keiner hilft. Beide Gruppen sind übrigens gleich alt“, griemelt er.
Grundsätzlich erzählt er im Stil eines Ephraim Kishon: Alles fängt ganz alltäglich und normal an, entwickelt sich dann in kleinen Schritten, bis es im absolut Absurden endet. Wie zum Beispiel die „Wahre Geschichte“, an deren Anfang eine Männer-Runde in einem Keller bei einem Bier zusammenkommt, während die Frauen im Wohnzimmer bei Kaffee und Likör sitzen.
Die Männer sprechen über Kino und Filme. Über Streifen, die man gesehen haben muss. Über Oscar-Preiswürdiges und wirklich Bewegendes. Über Schauspieler-Ikonen, denen kaum einer das Wasser reichen kann. „Da ist doch zum Beispiel … ach, wie heißt er noch mal?“ Keiner kommt auf den Namen, Mann zerbricht sich den Kopf. Die Jüngeren wollen googeln. Doch das wird von den älteren Herren abgelehnt. Verboten.
Später, mitten in der Nacht, wird der Erzähler wach und mit einem Schlag weiß er: Die Rede war von Al Pacino. Sofort ruft er seinen Freund an und schleudert ihm ein „Al Pacino“ entgegen. Der Freund braucht um halb drei in der Nacht einen Moment, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sein Stammeln „Was? Wie? Al Pacino? Ach so. Super!“ hat inzwischen auch die Frau geweckt. Die will natürlich auch wissen, was los ist. Dann endet der Anruf.
Ein paar Tage später meldet sich der Freund dann wieder beim Erzähler: „Kannst Du mich noch mal um halb drei anrufen?“, fragt er. Das, was er und seine Frau vor dem Wiedereinschlafen „erlebt“ haben, scheint ihn wirklich beglückt zu haben. Also ruft der Erzähler wieder an. Und wieder. Und inzwischen auch bei anderen Freunden. Manchmal kommen die Aufträge auch von den Damen. Belohnt wird er mit Bier (Männer) und mit Kuchen (Frauen).
„Irgendwann bin ich nicht mehr richtig zum Schlafen gekommen. Und ich habe zugenommen vor lauter Bier und Kuchen.“ Bei geselligen Abenden aber musste er immer früher die Segel streichen. Was zu Gesprächen hinter seinem Rücken führte: „Der ist ganz schön dick geworden.“ „… und hast Du gesehen, wie müde der immer ist.“ „Vertragen tut er auch nichts mehr“. Nächstenliebe zahlt sich halt nicht immer aus …