Fine wird Dachdeckerin, weil sie es toll findet, jeden Tag auf einer anderen Baustelle zu arbeiten – und das in luftiger Höhe. „Die Aussicht ist mega“, strahlt die junge Frau, die beim Dachdeckerbetrieb Kohlen in Viersen die Ausbildung absolviert.
Auch Maren erlernt einen Beruf, den Frauen bisher eher selten wählen: Sie wird Anlagenmechanikerin SHK – und folgt damit ihrer Leidenschaft. „Ich mag es einfach, neue Bäder zu gestalten, Heizungen zu reparieren und Wärmepumpen zu installieren“, sagt die Ausbildende der SHK-Betriebs Gerhard Küppers in Krefeld.
Mariam liebt es zu backen – deshalb wird sie Konditorin in der Neusser Bäckerei „Puppe“. Ihr Kollege Leon hat schon als Kind gerne Brötchen und Teilchen gegessen. Er macht die Ausbildung zum Bäcker. Lea wiederum ist angehende Malerin und Lackiererin: „In diesem Handwerk sehe ich sofort, was ich geschafft habe“, schwärmt die Auszubildende des Malerbetriebs Jahrke in Grefrath-Oedt.
„Die Beispiele zeigen: Das Handwerk eröffnet jungen Menschen hervorragende Chancen, und das unabhängig von Geschlecht oder traditionellen Vorstellungen“, erklärt Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Zum „Girls’Day“ und „Boys’Day“ am 23. April ermuntert er Schüler, Berufe kennenzulernen, die sie bisher vielleicht noch nicht im Blick hatten. „Viele Jugendliche orientieren sich bei der Berufswahl immer noch an klassischen Rollenbildern. Der ,Girls’Day’ und ,Boys’Day’ steht im Zeichen einer klischeefreien Berufsorientierung. Dieses Anliegen unterstützen wir als Kreishandwerkerschaft sehr“, sagt Gütgens.
Mit mehr als 130 Ausbildungsberufen zähle das Handwerk zu den vielseitigsten Wirtschaftsbereichen. „Junge Menschen finden hier eine enorme Bandbreite an spannenden und zukunftssicheren Berufen“, so Gütgens. Gleichzeitig würden in vielen Gewerken Nachwuchskräfte gesucht: „Ob technisch, kreativ oder dienstleistungsorientiert – hier findet jede und jeder den passenden Weg. Ganz abgesehen davon, dass die Entwicklungsmöglichkeiten gut sind, bis hin zur Meisterprüfung oder zur Selbstständigkeit“, betont Thomas Gütgens. Er verweist auf das Angebot azubis-wanted.de – hier kann man gezielt nach freien Ausbildungsplätzen in der Region suchen.
Entscheidend sei, die eigenen Interessen und Stärken zu entdecken und sich vielleicht auch auf zunächst Unbekanntes einzulassen. Eine gute Möglichkeit sei ein Schnupper-Praktikum in einem Handwerksbetrieb, so Thomas Gütgens.
Aber genauso sei es toll, wenn jemand einen eher traditionellen Weg wähle. Wie Rocco, der bei Tölke & Fischer in Krefeld eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht. „Ich schraube einfach gern an Autos – und ich liebe den Sound“, sagt er.