: Überlebenskampf des Waldes

: Überlebenskampf des Waldes

Mutiertes „Becherchen“ lässt die Eschen sterben. Trockenheit hetzt dem Ahorn die schwarze Krankheit auf die Rinde. Der Borkenkäfer macht der Fichte den Garaus. Japan-Birke und Hickory als Rettung?

Die Waldschäden der 70er/80er Jahre entstanden meist durch die Rauchgasemittierung der großen Verbrennungsanlagen. Sprechen wir heute von den „neuartigen Waldschäden“, so sind in erster Linie solche gemeint, welche mit der – für uns lediglich minimal wahrnehmbaren – Klima-Erwärmung einhergehen.

Grevenbroich. Nicht nur, dass deshalb in der Hauptvegetationszeit den Bäumen das Wasser fehlt. Vielmehr machen sich auch Schaderreger wie Pilze, Bakterien und Viren breit, welche unter den gemäßigten Klimaverhältnissen der vergangenen Jahre mitunter sogar nützlich waren, weiß Stadtförster Frank Wadenpohl.

Zu nennen ist hier das „Weiße Stengelbecherchen“, welches eigentlich der laubzersetzende Pilz des Eschenlaubes war. Dieser ist mutiert und richtet sich nun radikal gegen seinen Wirtsbaum und führt zu weitflächigem Absterben der Esche. „Die Waldschäden in Grevenbroich sind maßgeblich beeinflusst durch den Standort“, betont auch Stadtsprecher Stephan Renner.
Die Waldböden in Grevenbroich sind in der Regel gut wasserversorgt, haben aber aufgrund ihrer Beschaffenheit keine große Wasserspeicherkapazität. „Wenn sie nicht stark tonhaltig sind, so sind sie oft torfbeeinflusst“, so Förster Wadenpohl.

Dies führt dazu, dass die Waldböden im zeitigen Frühjahr oft sehr schnell austrocknen und mitunter bis zu 30 Zentimeter tief aufreißen. Besonders gravierend ist dieser Umstand dann, wenn die Bäume aus den winterdurchfeuchteten Böden mit dem Wachstum beginnen. Sie haben dann im April/Mai oft eine Blattmasse, die den Wasserverhältnissen der folgenden Wochen nicht mehr gerecht werden.

Das heißt, dass besonders die jungen Kulturen – welche im Oberboden wurzeln – im Frühsommer schon nicht mehr genug Wasser finden.

Besonders betroffen in Grevenbroich sind hiervon in den vergangenen beiden Jahren die Erlen und die Kirschen.

Die Mitarbeiter der Forstabteilung haben in diesem Jahr zum ersten Mal neun Wochen lang vom Weg aus erreichbare Jungkulturen im Wald gewässert. „Der Erfolg bleibt abzuwarten“, so der Stadtförster.

Diese Kulturen sind zum großen Teil in den vergangenen drei Jahren teilweise komplett „ausgefallen“ und mussten nachgepflanzt werden.

Renner: „Dies ist umso gravierender, als das Begleitwachstum, wie Brombeeren, Labkraut, Disteln und Brennnessel mit viel weniger Wasser auskommen und trotzdem weiterwachsen und die Waldarbeiter zum Nachpflanzen diese Flächen jedes Mal freischneiden müssen.“

Ein weiterer neuer Umstand kommt hinzu – und betrifft die großen Bäume und hier besonders die Flachwurzler: Die Kapillarwirkung der Waldböden lässt anscheinend immer mehr nach.

Während die jungen Kulturen noch eine Zeit mit der Oberflächenfeuchtigkeit – oft auch mit der Nachtfeuchte – klarkommen, ziehen die großen Bäume (und hier dann die Tiefwurzler) Wasser aus tieferen Schichten in die Oberböden.
Fehlt hier das Wasser, so trifft es in Grevenbroich in erster Linie die Ahornbäume, die Buchen und die Fichten. Nun sind letztere nicht unbedingt die prädestinierten Baumarten der Hartholz-Aue, beim Ahorn sieht es dann schon anderes aus.
Der Bergahorn gehört hier auf diese Waldböden, wird aber durch die Trockenheit dergestalt vorgeschädigt, dass als Sekundärschaden die „Rußrindenkrankheit“ auftrifft, welche im weiteren Verlauf so virulent ist, dass dann auch gesunde Bäume geschädigt werden.

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