Erft-Verband droht mit Stillstand. Beim Fluss-Umbau. Und auf 15 Kilometer Strecke. „Vielleicht müssen wir diese Fragen einfach mal von Gerichten klären lassen“

Grevenbroich · Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erft-Verbandes, war spürbar angefressen, als er Anfang der Woche im „Bienenhaus“ auftrat, um Bürgern den Stand und die Probleme der Erft-Renaturierung zu erläutern. Er musste Attacken hinnehmen und betonte des Öfteren: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Dietmar Jansen zeigt, wo die Erft in Zukunft fließen könnte: Die blauen Flächen sind Bereich, in denen ein neues Flussbett entstehen könnte. Grün ist der aktuelle „Hochbau“.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Was er aber sagte, zeichnete schon ein klares Bild: Der Erft-Umbau muss erfolgen, wenn nach dem Aus der Braunkohle kein Sümpfungswasser mehr in die Erft geleitet wird. Wenn dann alles so bliebe, wie es jetzt ist, gäbe es ganz schnell wieder weiträumige Sumpflandschaften. Mit allen Folgen.

In den Abschnitten, die schon renaturiert worden sind, zeige sich eine wirklich lohnenswerte Natur. Ob das in den auf zehn Abschnitte aufgeteilten 20 Kilometern Erft im Bereich Grevenbroich auch gelingen würde, hänge vor allem von den Besitzern der Mühlenrechte ab. Der Fachmann warnte: „Das Risiko eines temporären Scheiterns liegt auf der Hand.“

Denn im Moment zeichne sich keine einvernehmliche Lösung zwischen dem Land (Ministerium) und den Mühlen ab, deren Staurechte unbegrenzte Gültigkeit hätten. „Wir sprechen mit beiden Seiten, haben aber kein Verhandlungsmandat“, machte Jansen deutlich.

Und er fügte an: „Vielleicht müssen wir diese Fragen einfach mal von Gerichten klären lassen. In der Demokratie gehört das dazu. Wir werden uns jedenfalls nicht einfach verabschieden.“ An anderer Stelle ergänzte er, dass es nicht um Enteignung gehe. Aber auch bei Entschädigungen müssten „plausible Größenordnungen gewahrt“ werden („anerkannter Entschädigungsmechanismus“).

Die Vertreter des Erft-Verbandes: Petra von Zehmen, Hartmut Hoevel und Dr. Dietmar Jansen.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Dabei wirken sich die Stauungen vor den einzelnen Wehren recht deutlich aus: „Kampers Mühle“ sei bis Frimmersdorf, „Kottmanns Mühle“ bis Noithausen zu spüren. Schon heute gebe es „dauerhaft durchnässte Flächen“. Wenn dann in Zukunft nur noch zwei bis 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde unterwegs seien, wären die Folgen schwerwiegend: „15 Kilometer Erft werden bei Niedrigwasser komplett stehen“, haben Dietmar Jansen und sein Team errechnet.

Die Frage aus dem Publikum, wie viele Mühlen denn noch wirklich in Betrieb wären, beantwortete Jansen übrigens vielsagend: „Da gibt es mehrere Meinungen.“

Für den Fall, dass es keine Einigung zwischen Land und Mühlen gebe, kündigte Jansen einen „Plan B“ an: Das „Heft des Handels“ liege dann bei den Stauanlagen-Betreibern, die diese durchlässig für Fauna und Sedimente umgestalten, modernisieren, per Betriebsplan nach Wasserqualität steuern müssten. Mit anderen Worten: Die dafür dann viel Geld in die Hand nehmen müssten.

Damit diese Drohgebärde aber funktionieren könne, so Peter Gehrmann, „grüner“ Fraktions-Chef im Rat, müssten noch in diesem Jahr „Genehmigungen und Planfeststellungsverfahren“ auf den Weg gebracht werden. Ein Umbau der Erft sei in diesem Jahrzehnt eh nicht mehr möglich.

Er nannte 2033 für den Baubeginn als frühesten Termin. Und das ohne Klageverfahren der Mühlenbetreiber vor Gericht.