1. Jüchen

Dank Corona:: Zwei Millionen Euro Steuer fallen jetzt flach!

Dank Corona: : Zwei Millionen Euro Steuer fallen jetzt flach!

„Ich gebe mir Mühe, die Entscheidungen transparent zu machen.“ So beschreibt Bürgermeister Harald Zillikens eine seiner Grundlinien in diesem politischen Amt, in dem er bei der Kommunalwahl für eine weitere, letzte Wahlperiode verlängern möchte. Das mit der Transparenz ist allerdings nicht immer ganz so einfach. Manche Zusammenhänge sind halt sehr komplex.

Jüchen. Da ist zum Beispiel die Digitalisierung der Schulen, die heutzutage von allen Seiten gefordert wird. 250 Endgeräte (Tablets) hat die Gemeinde bestellt. 500 Geräte kommen durch die unterschiedlichen Förderprogramme des Landes hinzu.

„Ich habe jetzt zwei Fachinformatiker (Dreiviertel-Stellen; Anmerkung der Redaktion) eingestellt“, kommentiert Zillikens. Denn mit der Anschaffung der Tablets sei es noch lange nicht getan. Und mit dem Tage der Lieferung stünden sie den Schulen auch noch nicht zur Verfügung.

Zuvor müsse das Einrichten der Geräte, das Installieren der Programme und das Konfigurieren erfolgen. „Und das bei jedem einzelnen Gerät“, macht der zur Wiederwahl antretende Bürgermeister deutlich. Später kämen dann Reparaturen und Updates hinzu.

Jede Menge zu tun also für die beiden Fachinformatiker, die allein für die Gesamtschule 500, 600 Endgeräte ans Laufen bringen müssen. Mit anderen Worten: Die Geräte werden die Schulen nur schrittweise erreichen.

Zuvor muss dort dann noch einiges vorbereitet werden: „Wir brauchen in den Schulen eine Lade-Infrastruktur“, unterstreicht Zillikens. Hier müsse ein gesicherter Raum gefunden werden, der bestimmten Brandschutz-Auflagen entspricht. Immerhin könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein I-Pad „anfängt zu brennen“.

In allen Schulen seien „die Straßen für die Digitalisierung gelegt“, spielt Zillikens auf die Versorgung mit Breitband und Glasfaser an. Jetzt müssten spezielle Endgeräte (Roboter, 3-D-Drucker) eingebunden werden. Und die Lehrer müssten geschult werden. Für diesen „IT-Führerschein“ gebe es aber große Unterschiede: der eine sei noch „mit dem Mofa“ unterwegs, der andere sei schon up to date.

Das alles würde zusätzliche Kosten verursachen, die in den Zuschüssen nicht enthalten seien, die also die Stadt Jüchen aus eigenen Mitteln aufbringen muss.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Mittel dank Corona schwinden. Es sei, so Harald Zillikens (CDU), ja in Ordnung, dass alle Zusatzausgaben durch die Pandemie in einem Sonderhaushalt zusammengefasst werden und dann über 50 Jahre abgestottert werden sollen. „Aber was ist mit den ausfallenden Steuern? Kann ich die auch auf dieses Konto schieben?“, fragt Jüchens Rathaus-Chef kritisch.

Erst in der vergangenen Woche kam hier nämlich die Mitteilung, dass allein in diesem Jahr zwei Millionen Euro weniger an Einkommens- und Umsatzsteuer in die Stadtkasse fließen. Folge sei dann auch, dass die Umlage des Landes deutlich sinken wird. „Wegbrechende Einnahmen werden von keinem aufgefangen. Das ist das, was uns das Genick bricht“, zeigt sich Harald Zillikens tief besorgt.

Dabei hat die Stadt

Jüchen noch jede Menge Projekte vor der Brust. Wie zum Beispiel den neuen viergruppigen Kindergarten, dessen Bau bezuschusst wird. „Aber ich muss auch 15 neue Kindergärtnerinnen einstellen“, unterstreicht Zillikens.

Sein Credo: „Investive Schulden sind keine schlechten Schulden.“ Nur ziehen die halt auch stets konsumtive Ausgaben nach sich.

Dass die Corona-Pandemie auch den Jüchener Haushalt auf Jahre prägen wird, steht also außer Frage. Aber werden sich der Virus und seine Folgen auch auf die Kommunalwahl auswirken? „Ich befürchte bei der Wahlbeteiligung“, macht der Bürgermeister beim Exklusiv-Gespräch mit dem Top-Kurier deutlich: „Ich habe den Eindruck, den Leuten steht der Sinn wenig nach Kommunalwahlkampf. Die haben andere Dinge im Kopf“, mutmaßt Zillikens. Die eigene berufliche Zukunft, der Wieder-Start in Schule und Kindergarten, die innerfamiliäre Organisation, das alles seien Themen, die den Menschen jetzt näher am Herzen lägen.

„Wichtig ist, dass die Leute sich demokratisch verhalten und wählen gehen“, gibt Zillikens zu Bedenken. Nach den Sommerferien ständen aber nur noch knapp vier Wochen für den Wahlkampf zur Verfügung. „Es ist Aufgabe der Parteien deutlich zu machen: Wenn ihr unser Programm wollt, müsst ihr auch zur Wahl gehen. Sonst stärkt ihr den rechten und linken Rand, weil deren Klientel eh an die Urne geht“, führt der CDU-Mann aus.

Zu seiner Wiederwahl betont Harald Zillikens: „Ich bin gelassen. Ich habe in meiner Arbeit in den zehn, elf Jahren einiges bewegt. Und wir können zusammen auch noch einiges mehr bewegen.“

Die kommende soll die letzte Amtszeit von Bürgermeister Harald Zillikens werden. „Ich bin dann 66“, liefert er die Begründung.

Dann wird sicherlich der Sport noch wichtiger: „Schwimmen und laufen kann ich aber jetzt schon zu jeder Uhrzeit.“

Gerhard Müller