Die Ausstellung gibt einen eindrucksvollen Einblick in das außergewöhnliche Leben und Schaffen eines Ordensmannes, der trotz schwerer Krankheit und jahrzehntelanger künstlerischer Zurückhaltung ein bemerkenswert eigenständiges Werk entwickelte.
Die Einladung geht an alle Interessierten: Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung laden die Ausstellungsmacher herzlich ein für den 17. April um 18 Uhr in der Klosterbibliothek Knechtsteden (Eingang durch die Basilika) Die Ausstellung ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Zugang erfolgt über die Basilika.
Ein Leben zwischen Krankheit, Ordensleben und Kunst
Johann Josef Stopp wurde am 13. Februar 1903 in St. Ingbert an der Saar geboren. Bereits im Alter von drei Jahren erlitt er durch einen schweren Sturz eine Gehirnverletzung, die später zur Parkinson-Erkrankung führte – eine Krankheit, die sein Leben und Arbeiten dauerhaft begleiten sollte.
Früh zeigte sich seine künstlerische Begabung. Bereits als Jugendlicher erhielt er Zeichenunterricht und begann eine Ausbildung im Malerhandwerk. Nach Studien an der Kunstgewerbeschule München und der Kunstakademie Düsseldorf – unter anderem bei Heinrich Nauen und Heinrich Campendonk – entwickelte er zunächst eine realistische Bildsprache mit frühen expressionistischen Einflüssen.
1928 trat Stopp der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist (Spiritaner) bei und nahm zwei Jahre später den Ordensnamen Bruder Johannes Chrysostomus Stopp, CSSp, an. Die folgenden Jahrzehnte waren vor allem von praktischen Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft geprägt – als Pförtner, Krankenpfleger, Maurer und Anstreicher. Seine künstlerischen Fähigkeiten blieben lange Zeit weitgehend unbeachtet.
Die „Wiederbelebung“ eines Künstlers
Erst Ende der 1950er Jahre erhielt Bruder Chrysostomus die Möglichkeit, wieder intensiver künstlerisch zu arbeiten. Auf dem Dachboden einer ehemaligen Mehlkammer in Knechtsteden richtete er sich ein Atelier ein. Trotz der fortschreitenden Parkinson-Erkrankung – oft musste er beim Zeichnen seine rechte Hand mit der linken stabilisieren – begann die produktivste Phase seines Schaffens, die er selbst als „Wiederbelebung“ bezeichnete.
Sein Werk entwickelte sich in dieser Zeit von einer realistischen Darstellung hin zu einer freien, stark expressionistischen Bildsprache. Inspirationen aus Kubismus, Surrealismus und Dadaismus verschmolzen mit einem sehr persönlichen Ausdruck. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht der Mensch: Clowns, Arbeiter, Heilige, Karikaturen, Selbstporträts und verzerrte Gesichter spiegeln menschliche Emotionen zwischen Freude, Leid, Ironie und Spiritualität wider.
Stopp verstand seine Kunst als spontane Ausdrucksform innerer Erfahrungen. Er sprach selbst davon, mit seiner Malerei sichtbar zu machen, „was man in seinem Inneren mit sich herumträgt“.
Kunst zwischen Spiritualität und Gesellschaftskritik
Neben Malerei und Grafik schuf Bruder Chrysostomus auch Bronzeplastiken, Glasfenster und sakrale Raumgestaltungen. Seine Werke zeigen eine bemerkenswerte Verbindung von religiöser Symbolik, philosophischen Fragestellungen und gesellschaftskritischer Beobachtung. Dabei setzte er sich unter anderem mit den Ideen des Jesuiten und Philosophen Pierre Teilhard de Chardin auseinander, dessen evolutionäres Weltbild ihn nachhaltig beschäftigte.
Trotz mancher kritischer Reaktionen innerhalb seiner Ordensgemeinschaft hielt er konsequent an seinem künstlerischen Ausdruck fest. Seine Arbeiten bezeichnete er selbst als „Freimalen“ – als eine ehrliche, ungefilterte Form künstlerischer Selbstäußerung.
Späte Anerkennung
In den 1970er Jahren fanden seine Werke zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit. Es folgten zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in Bensberg, Schwerte, Aachen, Zons und Dormagen. Gleichzeitig arbeitete er an kirchlichen Ausstattungen und sakralen Kunstprojekten.
Mit zunehmender Verschlechterung seiner Parkinson-Erkrankung wurde das Arbeiten immer schwieriger. Dennoch blieb seine künstlerische Handschrift bis zuletzt kraftvoll und sicher. Bruder Chrysostomus Stopp starb 1979 in einem Krankenhaus in Grevenbroich.
Die Ausstellung
Die Ausstellung im Kreuzgang des Missionshauses Knechtsteden würdigt das vielseitige Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers und Ordensmannes. Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und plastische Arbeiten, die einen Überblick über seine künstlerische Entwicklung geben – von frühen realistischen Studien bis zu den expressiven und experimentellen Arbeiten seiner späten Jahre.
Sie lädt Besucher dazu ein, das Werk eines Künstlers zu entdecken, dessen Leben von Spiritualität, innerer Suche und großer künstlerischer Leidenschaft geprägt war.