Moderne Zeiten im BSV Edel-Mädel

Grevenbroich · Zum Schützenfest gab es im Jubiläumsjahr der Edelknaben Grevenbroich erstmals mit Hailee Grotta und Alexandra Matthies auch Mädchen beim Schützennachwuchs.

Alexandra und Hailee sind die ersten „Edel-Mädel“ des Grevenbroicher BSV.

Alexandra und Hailee sind die ersten „Edel-Mädel“ des Grevenbroicher BSV.

Foto: BSV/Herlitz

Denn mit dem lange vorgebrachten, zum Jubiläum wieder eingeforderten Wunsch der BSV-Jugendbetreuer Ulrich Herlitz und Axel Holzhausen, satzungsgemäß auch eine Einzelmitgliedschaft der minderjährigen Schützen im BSV zu ermöglichen, tat sich auch die Frage auf, wie mit weiblichen Mitgliedern umzugehen sei.

Hinzu kam beim Besuch der Edelknaben in der katholischen „St. Martin“-Grundschule im vergangenen Jahr, bei dem Mädchen fragten, ob sie auch dabei sein durften. Der BSV Grevenbroich reagierte und im Mai diesen Jahres wurde durch Satzungsänderungsbeschluss der Generalversammlung der Weg geöffnet.

So war der Weg auch frei für Hailee und Alexandra, beide sieben Jahre alt und in der Klasse 3a der Grundschule „St. Martin“, als Holzhausen und Herlitz gemeinsam mit dem alten BSV-Königspaar Daniel und Carmen Tockhorn zwei Wochen vor dem Schützenfest die Schule (mit dem Schützenwimmelbild zum Antreten und Festumzug auf der Lindenstraße) für Nachwuchs warben.

Lehrerin Katja Barg, selbst schützenfestbegeisterte Mutter eines Jugendschützen, tat ihr übriges. Hailee war die „Eisbrecherin“ und Alexandra wollte dann auch unbedingt dabei sein.

Die Eltern unterschrieben den Mitgliedsantrag und so marschierten erstmals Schützenmädchen – so der Arbeitstitel – bei den Edelknaben und der Schützenjugend in Grevenbroich mit. Dabei fühlten beide sich „pudelwohl im Kreis der Edelknaben“, wie Hailee und Alexandra am Dienstag vor dem Fackelzug ihr erstes Schützenfest beschrieben.

Es gab keinerlei Berührungsängste der Jungs, sind doch viele Mitschüler. Umgekehrt hatten die Edelknaben auch keinerlei Probleme, die „Neuen“ zu akzeptieren – Berührungsängste Fehlanzeige…

Hailee und Alexandra marschierten in diesem Jahr noch mit der traditionellen Edelknabenuniform, anstelle der Fliege gab es aber rot-weiße Haarbänder. Und hier gab es einen regelrechten modischen Wettstreit, zu jedem Termin mit den rot-weißen Haarbändern eine neue Frisurkreation zu präsentieren.

Auf lange Sicht sollen die Dreiviertelhosen vielleicht durch einen Rock und anstelle der Fliege ein Tuch getragen werden.

Ob auch der Arbeitstitel „Schützenmädchen“ (warum nicht „Edel-Mädel“ bleibt, wird Axel Holzhausen mit seinem Team in Ruhe bis zum kommenden Jubiläumsjahr entscheiden.

Auch eine Jugendbetreuerin ist auch schon in Aussicht, die sich um die Schützenmädchen kümmert. Denn bei der Abordnung der Grundschule, die am Festsonntag zum Jubiläum der Edelknaben mitmarschierten, waren von 17 Teilnehmenden alleine 15 Mädchen, von denen viele wirklich wie Hailee und Alexandra vom Schützenfest begeistert waren.

Und „Prinzessin“ Isabell Tockhorn, die das Schützenfest und den Nachwuchs ebenfalls hautnah erleben konnte und auch schon am Samstag mitmarschierte, hat sich auch bereits angemeldet.

Für Ulrich Herlitz, für den nach 33 Jahren als Jugendbetreuer nach dem Schützenfest Schluss ist, ist vor allem eins wichtig: Schütze sein ist nun wirklich für jeden etwas, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkommen. „Wir wollen jedem, vor allen jungen Menschen, die Teilhabe am Kulturgut Schützenwesen, das einen wesentlichen Teil des Gemeinwesens unserer Kommune ausmacht, ermöglichen“, so Herlitz.

Konsequent, dass Herlitz gemeinsam mit Holzhausen auch den BSV-Grevenbroich davon überzeugt haben, sich um eine Anerkennung als anerkannter Träger der Jugendhilfe zu bemühen. Der Jugendhilfe-Ausschuss der Stadt Grevenbroich wird in seiner Sitzung in dieser Woche darüber entscheiden. Eine positive Empfehlung der städtischen Jugendförderung liegt bereits vor.

(-uh.)
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