OKIDO: leuchtende Kunst-Objekte aus dem 3D-Drucker Keine Lust auf Blumenvasen

Grevenbroich · Ist er mehr Künstler oder mehr Handwerker? Eine Frage, bei der Oliver Königs (28) noch ein wenig irritiert mit den Schultern zuckt. Andere haben diese Frage schon längst beantwortet, und das nicht erst seit dem Moment, seitdem er im „Upper River“ ausstellt. Und in der Tat ist es beachtlich, was der junge Mann mit seinen 3D-Druckern so alles zustande bringt …

 Dder „Daniel Düsentrieb“ aus der Fußgängerzone hat auch eine Katzen-Kratzbaum-Aufroll-Maschine gefertigt.

Dder „Daniel Düsentrieb“ aus der Fußgängerzone hat auch eine Katzen-Kratzbaum-Aufroll-Maschine gefertigt.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Oliver Königs ist beruflich mit der allerneusten Technik befasst: Er ist „Technical Solution Engineer“ bei dem Unternehmen, das die „Tonie-Boxen“ herstellt. Nach dem Besuch der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in der Südstadt studierte er in Bochum Informatik. Danach kehrte er in die Heimatstadt Grevenbroich zurück, wohnt nah seiner Eltern direkt in der Innenstadt.

Vor drei Jahren kam der erste 3D-Drucker in seinen Besitz. Natürlich war er schon immer an Technologie interessiert. Hier aber fasziniert ihn vor allem die Tatsache, dass er „von Grund auf Sachen erschaffen“ kann. Sein erstes „Produkt“ waren Lampenschirme – für den Nachttisch oder fürs Regal. Die gibt es in allerlei Farben; das Licht scheint durch das Plastik hindurch und kann so eine ganz besondere Stimmung erschaffen. „Ich bin an keinerlei Formen gebunden“, betont Oliver Königs im Gespräch mit der Redaktion. Ein Regal in seinem Wohnzimmer ist so denn auch voller weißer Rohlinge, an denen er Wellenformen und Oberflächen ausprobiert hat. Ihm und seinen Fans angetan hat es eine, sagen wir mal, Pilz-Form.

Die Vielfalt der Werke.

Die Vielfalt der Werke.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Neben den Lampen (die Elektrik baut er mit IKEA-Materialien ein) hat er auch schon Vasen (kommunizierende Röhren) gedruckt. Dabei ist das Material, das er „verdruckt“, ein auf Milchsäure basierendes Plastikpolymer (PLA), das nach Herstellerangaben biologisch abbaubar sein soll. Königs zuckt die Schulter und griemelt: Ob das stimmt, könne man nicht wissen. Das wisse man erst in fünf oder zehn Jahren.

Apropos nachhaltig: Damit der 3D-Drucker oben den abschließenden „Deckel“ der Lampen drucken kann, sind „Baumstützen“ („Tree Support“) erforderlich. Ohne die würde der gedruckte „Deckel“ natürlich sofort durchhängen und irgendwann in die Tiefe stürzen. Das verhindern diese Standbeine, die erst mitgedruckt und später herausgebrochen werden. Jede Menge Abfall, die da entsteht. Deshalb konstruiert Oliver Königs ein kleines Mahlwerk, mit dem dann die Reste (und auch die Fehl-Fabrikationen) zurück in einen Pulverzustand geführt werden können. Dieser lässt sich dann über spezielle Trichter wieder als Druckmaterial zuführen.

 „ODIKO“ steht für „Oliver DIeter KOenigs“.

„ODIKO“ steht für „Oliver DIeter KOenigs“.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Basis für diese Mini-Shredder-Anlage soll dabei ein spezieller Mechanismus sein, den der junge Mann für Freunde aus dem Schützenwesen als Fackel-Antrieb zusammenbaute. Per durchdachter Übersetzung wird die eingesetzte menschliche Kraft um ein Vielfaches gesteigert. Mit diesem Gerät hat Königs übrigens auch für ein Café in der City spezielle Bierflaschen aus dem Osten so um geschliffen, dass sie nun als fetzige Trinkgläser genutzt werden können.

„Alle Ideen, die ich habe, kann ich nun auch selbst umsetzen“, lacht Oliver Königs, der seine Arbeiten mit „ODIKO“ kennzeichnet (= Oliver DIeter KOenigs). Und die Ideen gehen ihm nicht aus. So denkt er aktuell über Hängelampen nach. Mit dem vierten Drucker, der per Laser-Technik in einem Harz-Bad druckt, hat er eine Figur des „One-Punch-Man“ gestaltet (einzelne Arbeitsschritte erfordern eine Gasmaske!). An den Blumenvasen aber habe er aktuell ein wenig die Lust verloren. Und das nicht, weil 3D-Gedrucktes – wie er schnell feststellte – nicht wasserdicht ist. (Allerdings gibt es eine Versiegelungsflüssigkeit, mit der man das fertige Objekt nur spülen müsse.)

Wichtig ist ihm auch, dass er mit seinem Equipment punktgenau Zahnräder und andere Kleinteile drucken kann, die er für andere Konstruktionen braucht. Zum Beispiel hat der „Daniel Düsentrieb“ aus der Fußgängerzone auch eine Katzen-Kratzbaum-Aufroll-Maschine gefertigt. Das Sisal-Seil muss ja recht fest auf der Unterlage aufgebracht werden … Den Prototyp konnte er nach Wegberg verkaufen.

Wer die Eingangsfrage jetzt also in Richtung Handwerker beantworten möchte, dem sei gesagt, dass Oliver Königs auch schon ausgestellt wurde. Zum Beispiel bei Stefan Jendrny, der ihn zu einer Ausstellung junger Künstler einlud. „Seitdem bin ich stärker nachgefragt“, stellt er fest, fast noch ein wenig irritiert. Aber er will seinen Weg gehen. Ganz ohne Druck.

(Gerhard P. Müller)