Martin Mertens träumt von Städtepartnerschaft nach Kuba: „Wäre gerne die Speerspitze der deutschen Außenpolitik“

Martin Mertens träumt von Städtepartnerschaft nach Kuba : „Wäre gerne die Speerspitze der deutschen Außenpolitik“

Ein Politiker braucht Visionen, darf sich auch von Widernissen nicht abschrecken lassen. Martin Mertens, Hausherr im Rommerskirchener Rathaus, hat da so einen Traum, der für viele eher unrealisierbar erscheint ...

Es geht um eine Städtepartnerschaft nach Kuba. Die Wurzeln zu der Idee liegen im Verein "Soli Cuba", der seit vielen Jahren von Rommerskirchen aus aktiv ist. Der sieht sich als "Teil der internationalen Solidaritätsbewegung für Kuba", wettert gegen die "ungerechte Blockade", gegen Donald Trump und die USA. Außerdem fordert der Verein eine Öffnung Europas Kuba gegenüber.

"Soli Cuba" und dessen Aktivitäten haben inzwischen auch das Eckumer Rathaus und die gesamte Gemeinde erreicht: Eine "Fiesta Cubano" ist da noch in bester Erinnerung, ebenso wie die Teilnahme am "Streetfood-Festival" im vergangenen Jahr. Auch auf sportlicher Ebene (Tischtennis) gab es Kontakte. 2017 gab es auch den ersten Besuch des "ICAP" (Kubanisches Institut für Völkerfreundschaft; Europa-Abteilung) in Rommerskirchen. Bürgermeister Mertens ging sogar noch einen Schritt weiter: Er verlegte seinen Urlaub nach Kuba. Und war begeistert.

Kürzlich war mit Gladys Elena Ayllón Oliva die neue Leiterin der ICAP-Europa-Abteilung zu Gast. Und das nur wenige Tage nach ihrem Dienstantritt in Deutschland. Für Mertens war dieser Besuch der "zweite Schritt in Richtung Städtepartnerschaft".

Aus seiner Urlaubsreise weiß er, dass es in Kuba "ähnlich große Kommunen mit viel Landwirtschaft" gibt. Und auch die "rheinische Lebensart, fröhlich und locker", passe. "Wir Rommerskirchener sind die karibischsten Menschen Deutschlands", strahlte der Bürgermeister begeistert.

Allerdings: So eine Partnerschaft vom Gillbach nach Kuba wäre — zumindest in deutschen Landen — eine absolute Neuheit. In Italien und Spanien würden sich vergleichbare Partnerschaften finden, die Bundesregierung halte sich aber seit eh und je bedeckt, hieß es aus der Runde.

Mertens schreckt das nicht: "Ich wäre gerne die Speerspitze der deutschen Politik", postuliert er selbstbewusst. Und er kündigt an, dass deutsche Außenministerium in dieser Angelegenheit hoch offiziell anzuschreiben. Er könne zwar als Bürgermeister jederzeit mit jeder anderen Kommune einen Partnerschaftsvertrag unterschreiben, betont er entschlossen, aber ... ein Streit darüber wäre sicherlich nicht die Art von bundesweiter Aufmerksamkeit, die man sich wünschen kann!

Gebremst wurde Mertens Euphorie aber auch vom Gast aus dem kubanischen Staats-Apparat. Sie sprach von der Weltpolitik, in der man mit der "Regierung Obama" versucht habe, "Verständigung herzustellen", auch wenn es unter Obama die meisten Strafgelder gegen Unternehmen aus Kuba gegeben hätte. Mit Trump seien dann die "geplanten Verständigungsmöglichkeiten wieder unterbrochen" worden. Die neuen Einschränkungen gegen Touristen verstießen aber auch gegen die Menschenrechte der Amerikaner, so Gladys Elena Ayllón Oliva.

"Wir verschließen uns nicht der Welt gegenüber", sprach sie wie in Stein gemeißelt. Allerdings machte sie auch für Deutschland "einen großen Unterschied in der Solidarität mit Kuba zwischen den Bürgern und der Regierung" aus. Und was die Städtepartnerschaft von Rommerskirchen über den großen Teich hinweg angeht, gab sie sich zurückhaltend: So ein Projekt sei "kompliziert", Chancen gebe es "... nicht heute, nicht morgen, vielleicht in zwei, drei oder aber in fünf Jahren ...".

Deshalb wollen sich Martin Mertens, die Gemeindeverwaltung und "Soli Cuba" darauf beschränken, "auf informellen Wege Menschen zusammen zu bringen".

So will man dafür werben, den Urlaub auf Kuba zu verleben. Damit man sehe, dass das Land mehr zu bieten habe als seine Musik ... Und vielleicht trifft man dann auch auf Martin Mertens. Denn der Bürgermeister gab zu, vom "Kuba-Fieber" gepackt zu sein.

Gerhard Müller

(Kurier-Verlag)