1. Grevenbroich

Wie sich die Familie Nover zurück ins Leben kämpfen will.

Ausbrechen aus dem Teufelskreis : Mit Hilfe der Grevenbroicher möglich

Hilfsbereitschaft wird in der Schlossstadt aktuell ganz groß geschrieben – und das obwohl die Corona-Zeiten für alle Menschen schwierig sind. Aber wie viel Herzlichkeit dennoch von den Grevenbroichern ausgeht, durften jetzt auch Birgit und Matthias Nover erleben. Ihr Aufruf nach Hilfe wurde in nicht einmal 24 Stunden 1.500 Mal bei Facebook geteilt.

Matthias und Birgit Nover hatten ein ganz normales Leben. Mit Arbeit. Mit einer Wohnung. Gemeinsam mit beiden Kindern. Eine Verkettung von Schicksalsschlägen sorgte dafür, dass sich das veränderte. „Birgit bekam Depressionen, ich musste nach einer Operation mit einer Thrombose und Lungenembolie kämpfen. Ich habe mich zurück ins Leben gekämpft, aber meine Arbeit verloren und dann auch irgendwann unsere Wohnung.“ Drei Jahre ist das nun her.

Damit passierte etwas, womit die Familie nie gerechnet hätte. Ohne festes Dach über dem Kopf, gab es am Anfang eine ungewöhnliche Lösung. Die Familie baute sich im Wald eine Hütte. Doch dort durfte sie nicht bleiben.

Mit Hilfe der Obdachlosen-Initiative rund um die Vorsitzende Jana Marx klappte zwar irgendwann die Unterbringung im Obdachlosenheim am Rittergut, doch nur zu einem sehr hohen Preis, wie Nover traurig berichtet: „Unsere beiden Kinder durften nicht mit dorthin ziehen und sind seitdem in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht. Denn man muss ehrlich sein. Wir haben ein Dach über dem Kopf, aber hier leben alle auf engstem Raum und dazu gehören zum Beispiel auch Menschen, die im Methadon-Programm sind. Dass das kein Umgang für Kinder ist, braucht man nicht diskutieren.“

Gesundheitlich geht es Matthias Nover nun besser. Beruflich hat er Ziele: „Ich möchte noch meine Ausbildung im Elektro-Bereich machen, da habe ich schon einiges in die Wege geleitet.“ Doch da bleibt noch das große Problem: Eine neue Wohnung muss her. Und die ist einfach nicht zu finden. Zweimal wurde von der Stadt zwar ein Vorschlag geschickt, aber einmal war die Wohnung gar nicht mehr verfügbar und bei der zweiten Wohnung hätten die Kinder nicht einziehen dürfen. Ein No-Go, denn das ist das große Ziel der Familie: endlich wieder zusammen sein.

„Leider ist es für viele Vermieter so, dass wir keine Chance bekommen. Ohne Arbeit keine Wohnung. Wenn dann noch als aktuelle Adresse die Obdachlosenunterkunft entdeckt wird, gibt es kaum noch eine Möglichkeit für uns. Es ist ein Kreislauf und aus dem müssen wir dringend raus!“

Und so sucht die Familie weiter: „Wir suchen eine Zwei- bis Drei-Zimmerwohnung vorzugsweise in Grevenbroich und Umgebung. Sie darf 488 Euro ohne Heizkosten kosten. Die Miete würde vom Jobcenter übernommen werden und direkt aufs Konto des Vermieters gezahlt.“

Mit diesem Aufruf wendete sich Birgit Nover an die Menschen in Grevenbroich über Facebook. „Es ist unfassbar, wie viele nette Worte wir daraufhin bekommen haben und wie viele Menschen die Suche geteilt haben.“ Und genau das ist es, was Grevenbroich ausmacht: Auch wenn viele Menschen in der Pandemie Probleme haben, gibt es dennoch so viel Mitgefühl. Die Novers berichten: „Das ist typisch für Grevenbroich. Wir werden nicht blöd angeschaut, sondern bekommen Hilfe. Auch die Tafel und ,Grevenbroich packt an’ sind große Stützen.“

Wer weiß, wo Birgit und Matthias Nover eine Wohnung finden, kann sich an nover.birgit.1983@gmail.com wenden.